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Christbaum-Entsorgung:Kriminelle Kiefern in München gesichtet

Den Baum mal schnell illegal entsorgen? Das Phänomen ist nicht neu. Dieses Bild stammt aus dem Januar 2019 - am Bordeauxplatz wurden verbotenerweise Christbäume abgeladen.

(Foto: Robert Haas)

Was machen die Münchner, wenn die Tanne nadelt? Die wenigen, die in der Isarvorstadt noch an dem grausamen Christbaum-Brauch festhalten, schleichen sich nachts vermummt raus und entsorgen diese heimlich.

Glosse von Andreas Schubert

Schon klar: Die Weihnachtszeit dauert bis Mariä Lichtmess, also bis zum 2. Februar. Weil die meisten mit dem Datum aber nichts mehr anfangen können, weil sie da schon längst mit den Bastelarbeiten fürs nächste Halloween beschäftigt sind, war's das jetzt für sie mit Weihnachten. Spätestens seit Mittwoch liegen wieder überall Christbäume an den Straßenecken.

Schließlich ist es niemandem zuzumuten, seinen Baum extra zu einer offiziellen Sammelstelle zu fahren - nicht auszudenken, was passieren würde, wenn bei der Rückgabe des Leasing-SUV der Autoverkäufer eine vertrocknete Tannennadel im Kofferraum fände. 2000 Euro Wertminderung sind das mindestens, also fast schon zwei Abendessen beim Lieblingsjapaner. Dummerweise sind auch die Fahrer der MVG und andere Fahrgäste nur selten begeistert, wenn man sich mit dem alten Gestrüpp in den Bus Richtung Sammelstelle quetscht.

Von Letzteren gibt es übrigens nicht in jedem Stadtviertel eine. Zum Beispiel in der Isarvorstadt würde sich ein offizieller Sammelplatz schon mal gar nicht rentieren, weil die meisten Menschen dort nur sehr wenig von Baummord halten. Wer wegen zwei Wochen eine Tanne abschneiden und aus ihrer Heimat Dänemark verschleppen lässt, nur um sie dann mit Glitzertand fragwürdiger Provenienz zu behängen und nach Dreikönig einfach wegzuschmeißen, schreckt auch nicht davor zurück, Altöl in die Isar zu kippen.

Die wenigen, die in dem Stadtviertel noch an diesem grausamen Brauch festhalten, schleichen sich während der Ausgangssperre vermummt aus dem Haus und entsorgen ihre Tanne heimlich an der nächsten Kreuzung - weit genug weg vom eigenen Haus, um ja nicht in Verdacht zu geraten.

Was sollen sie auch sonst machen? Den Baum schon in der Wohnung zerschneiden und unauffällig in der Biotonne entsorgen? Dazu hatte der gute Münchner am Mittwoch keine Zeit. Schließlich ist es an Feiertagen seine heilige Pflicht, ins Umland zu fahren, um dort die Eingeborenen zu ärgern. Diesen Spaß lässt man sich weder von einer 15-Kilometer-Regel, noch von einer abgewrackten Konifere verderben.

© SZ vom 07.01.2021/infu/van
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