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Lieferservice "Burgerme":Umsatzrekorde mit Edelburgern

Der Erfolg von Burgerme freut Stephan Gschöderer (links) und Johannes Bankwitz.

(Foto: Gino Dambrowski)

Während die normale Gastronomie unter den Pandemie-Auflagen ächzt und stöhnt, floriert das Münchner Unternehmen Burgerme wie nie zuvor. Denn von Anfang an setzte es aufs Liefern und auf Schnelligkeit.

Von Franz Kotteder

Klassische Gründerlegenden sehen eher so aus: Zwei junge Burschen sitzen zusammen beim Bier, dann hat einer eine Wahnsinnsgeschäftsidee. Etwas ganz Neues, Zündendes, auf das man normalerweise nicht kommt, was sich aber schon bald als großer, unerwarteter Erfolg herausstellt. "So war's bei uns nicht", sagt Stephan Gschöderer, 49, trocken und lacht, "wir haben das alles schon sehr genau geplant und waren beide auch schon länger in der Branche tätig."

Der Wagemut lag eher darin, es auf einem Markt zu versuchen, der nach allgemeinem Dafürhalten gesättigt zu sein schien. Der Burgerbraterei nämlich. Auch 2010 waren da in Deutschland die beiden großen Ketten aus den USA die Marktbeherrscher, obendrein rein umsatzmäßig schon die beiden größten Gastrounternehmen im Lande. Doch ganz offensichtlich gab es auch 2010 noch Mittel und Wege, gegen die beiden Größten der Branche anzustinken. Und beide Rezepte für den Erfolg stammen aus München.

Da war einmal Hans im Glück des gelernten Kochs und Sausalitos-Gründers Thomas Hirschberger, der 2010 seine Restaurantkette mit Birkenwalddeko und Edelburgern startete, und da war Burgerme von Stephan Gschöderer und Johannes Bankwitz, im selben Jahr gegründet und ebenfalls in München. Hirschberger hat seine 90 Prozent an Hans im Glück rechtzeitig vor Beginn der Pandemie im Januar 2020 weiterverkauft. Gschöderer und Bankwitz wiederum legten im vergangenen Jahr einen neuen Rekord in ihrer Firmengeschichte hin: Um satte 33 Prozent ist der Gesamtumsatz gewachsen, 53 Millionen Euro beträgt er heute. Schon im vergangenen Juni war Burgerme der Sprung unter die 100 größten Gastro-Unternehmen der Republik gelungen. Da stand die Firma auf Rang 78.

Damit dürfte Burgerme wohl der bundesweit erfolgreichste Lieferservice mit ausschließlich eigener Produktion sein. Und in der Pandemie, da viele Gastrobetriebe aus dem letzten Loch pfeifen und kurz vor der Insolvenz stehen, kann man ein solches Ergebnis zweifellos sagenhaft nennen. Leicht polemisch könnte man auch sagen: Gschöderer und Bankwitz sind die Corona-Gewinner des Jahres.

Klar, da müssen die beiden schmunzeln, aber glücklich sind sie mit dieser Formulierung auch nicht. "Wir hatten zu Beginn der Pandemie auch drastische Umsatzrückgänge", sagt Gschröderer, "aber unser Geschäftsmodell war letztlich doch besser für den Lockdown geeignet als das von anderen." Während Restaurants und Kneipen plötzlich aus dem Nichts einen Lieferservice aufbauen mussten oder die hohen Gebühren der professionellen Lieferdienste - in der Regel 30 Prozent - akzeptieren mussten, war bei Burgerme alles schon da. Genauer: Das ganze Geschäftsmodell bestand von Anfang an daraus.

Burgerme dürfte wohl der bundesweit erfolgreichste Lieferservice mit ausschließlich eigener Produktion sein.

(Foto: Gino Dambrowski/Burgerme)

Womit man wieder bei der Idee vom Beginn wäre. Gschöderer und Bankwitz waren alles andere als blutige Anfänger. Der gebürtige Thüringer Bankwitz, heute 43, hatte Wirtschaft studiert und in einer großen Unternehmensberatung gearbeitet. Das Herumreisen in der Welt war spannend gewesen, aber dann wechselte er ins Management der großen Pizza-Kette Call a Pizza, wo er den Münchner Gschöderer kennenlernte. Beide wollten sich als Unternehmer selbständig machen und hatten eine Nase dafür - ebenso wie Thomas Hirschberger - dass das nächste große Ding der "Better Burger" werden würde, also der Burger für anspruchsvolle Esser. Warum vorher noch niemand so richtig einen Lieferservice dafür versucht hatte, lag auf der Hand: Anders als bei Pizza und bei Curry oder Nudeln vom Chinesen muss der Burger schnell geliefert werden, damit er nicht durchweicht. "Fast noch schwieriger war's mit den Pommes", erzählt Gschöderer, "da haben wir lange rumprobiert, bis wir wirklich zufrieden waren."

Im Ergebnis wird das Essen nur in einem Umkreis von höchstens drei Kilometern um eine Burgerme-Filiale mit dem E-Rad ausgeliefert, was maximal eine halbe Stunde dauert. Das wird garantiert. Und der Burger wird in der Filiale frisch gemacht, sobald die Bestellung über die Homepage reinkommt, mittlerweile in einer recht großen Zahl von Varianten. Der Cheeseburger ist nach wie vor der Renner, es gibt ihn mittlerweile auch in einer veganen Variante. Man kann sein Essen auch selbst abholen und mitnehmen, dort essen kann man es nicht. "Um ein Lokal gut zu machen, braucht es wieder andere Fähigkeiten", sagen die beiden Gründer.

Mit den bestehenden Fähigkeiten haben sie es immerhin schon auf 20 Millionen verkaufte Burger in zehn Jahren und 2500 Mitarbeiter gebracht. Demnächst eröffnet ihr 100. Burger-Grill, insgesamt sollen es in diesem Jahr 50 weitere werden. Die Münchner Erfolgsgeschichte mit den Edelburgern dauert also an.

© SZ vom 01.02.2021/infu, van
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