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Paulaner-Gelände:Bezirksausschuss übt Kritik an dichterer Bebauung

Baustelle auf dem vormaligen Paulaner Areal in der Au, hier im September 2019.

Baustelle auf dem vormaligen Paulaner Areal in der Au, hier im September 2019.

(Foto: Florian Peljak)

Weil für das "Sternenhaus" geplanter Wohnraum auf der Paulaner-Baustelle wegfällt, darf dort dichter gebaut werden. Das sorgt für Unmut.

Von Patrik Stäbler, Au

So sehr der Bezirksausschuss (BA) Au/Haidhausen das geplante "Sternenhaus" für Trauernde auf dem früheren Paulaner-Areal begrüßt - so sehr ist das Gremium erzürnt darüber, dass im Gegenzug für den dadurch wegfallenden Wohnraum dichter gebaut werden darf, als ursprünglich im Bebauungsplan vorgesehen. Auf Antrag der Linken hat der BA nun zweierlei beschlossen. Zum einen soll die Stadtverwaltung prüfen, ob von der Bauherrin, also der Bayerischen Hausbau, eine Gegenleistung für die zusätzlich genehmigten Geschosse gefordert werden kann. Zum anderen wird das Planungsreferat um eine Stellungnahme gebeten, inwiefern das Stadtteilgremium bei der Umplanung "umgangen worden" ist.

Wie berichtet, will die "Nicolaidis Young Wings Stiftung" an der Regerstraße eine Anlaufstelle für trauernde Kinder, Jugendliche und Familien errichten, das Sternenhaus. In diesem Teil der Großbaustelle waren zuvor Wohnungen vorgesehen. Um ihren Wegfall zumindest teilweise zu kompensieren, darf die Bayerische Hausbau, die zur Schörghuber-Gruppe gehört, zusätzliche Staffelgeschosse auf zwei Häusern errichten, wodurch sich die Geschossfläche in dem Baugebiet laut Planungsreferat "um circa 650 auf insgesamt 12 200 Quadratmeter erhöht". Da im Zuge der Umplanung fürs Sternenhaus aber 1450 Quadratmeter wegfallen, bleibt ein Verlust von 800 Wohn-Quadratmetern.

Die nachträgliche Änderung berühre "nicht die Grundzüge der Planung", teilte die Stadtverwaltung auf BA-Anfrage mit. Ebenso wenig verringere sich dadurch der Umfang an gefördertem Wohnungsbau auf dem einstigen Paulaner-Areal. Dessen ungeachtet, fordert der BA nun eine Gegenleistung für das Mehr an Geschossfläche - auch um sicherzustellen, "dass nicht primär die Bauherrin, sondern die Allgemeinheit von dem nachträglich zusätzlich geschaffenen Baurecht profitiert", heißt es im Antrag der Linken. Ihr zufolge führt die Abweichung vom ursprünglichen Bebauungsplan erstens zu einer dichteren Bebauung, zweitens zu weniger Wohnraum insgesamt, und drittens sei der entstehende Wohnraum besser zu vermarkten, "da es sich um höhere Geschosse handelt". Die geforderte Gegenleistung solle dazu genutzt werden, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen oder die örtliche Infrastruktur zu finanzieren. "Alternativ schlagen wir vor, dass die zusätzlich genehmigte Fläche ausschließlich für Sozialwohnungen verwendet werden soll", so die Linke.

In einem zweiten Antrag, den der BA ebenfalls einstimmig beschlossen hat, übt die Linke Kritik an der Stadtverwaltung. So sei der Bezirksausschuss an der Umplanung "weder beteiligt noch davon in Kenntnis gesetzt worden" - und das, obwohl bei den Plänen fürs ehemalige Paulaner-Areal von Beginn an "mit einer Beteiligung und Mitwirkung der Bürger an der Planung geworben" wurde. Nun will der BA vom Planungsreferat wissen, wie die konkreten zeitlichen Abläufe waren. Überdies fragt das Gremium: "Teilt das Planungsreferat die Ansicht, dass die politische Brisanz, die hinter dem Bauprojekt steckt, im Zuge des gegenständlichen Vorgangs unterschätzt worden ist?"

© SZ vom 21.07.2020/wean

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