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Hoiz Weinbistro:Rustikaler Hüttencharme und gesalzene Preise

Wie der Name, so die Einrichtung: Das "Hoiz Weinbistro" ist mit reichlich Holz ausgestattet. Viel alpiner Charme und genug Wein ist auch vorhanden.

(Foto: Stephan Rumpf)

Im "Hoiz Weinbistro" sind manche Speisen vorzüglich und gemütlich ist es auch. Die Getränke allerdings sind zu teuer.

Wenn der Bauer in seinen Wald geht, um ein paar Bäume zu fällen, heißt es hierzulande, der "Hoizer" gehe zum "Hoizn". Und stapelt er nach getaner Arbeit die geschlagenen Scheite vor seiner Hütte im Wald, versprechen diese, weil genug "Hoiz vor der Hütt'n", Wärme und Behaglichkeit, was zu allerlei Allegorien Anlass gibt. Wärme und Behaglichkeit umwehen einen in hohem Maße, kaum hat man das Wein-Bistro Hoiz an Münchens Sebastiansplatz betreten. Denn der Name ist Programm. Holz allüberall, altes Holz an der Bar, an den Wänden, auch die Tische genügen, mit reichlich Patina versehen, somit Münchens gastronomischer Devise, der Gemütlichkeit.

Es mag sein, dass trendkundige Menschen einen solchen Ort als Hipster-Lokal einordnen, vielleicht gar als Versuch, einen Hauch von Prenzlauer Berg an den Sebastiansplatz wehen zu lassen. Aber da Lende immer noch nicht genau weiß, was einen Hipster zu selbigem macht, schiebt er den Gedanken beiseite zu Gunsten eines anderen: Was wäre gewesen, hätte es dieses Hoiz schon gegeben, als die Redaktion der SZ noch an der Sendlinger Straße wirkte. Man hätte, neben dem Stadtcafé, eine zweite oder eben dritte Heimat gefunden.

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Auch damals war schon am Eck zur Nieserstraße eine Kneipe beheimatet, dessen Wirt zur näheren männlichen Umgebung von Queen-Sänger Freddy Mercury gehörte. Es folgten diverse Wechsel, der jüngste wurde vom jetzigen Hoiz-Betreiber vollzogen, der bis vor kurzem hier sein ambitioniertes Minirestaurant Kleinschmecker führte. War es Lust, war es betriebswirtschaftliche Überlegung, jedenfalls baute Bastian Hartwig kräftig um in Richtung Skihüttencharme, versuchte aber, das kulinarische Niveau auf jenem Level zu halten, das ihm auch für sein Hauptlokal, dem Restaurant Hoiz in der Karlstraße, von Lendes Kollegen Marcellinus Sturm an dieser Stelle schon bescheinigt wurde. Was ihm größtenteils gelungen ist.

Um es also vorweg zu nehmen: Lende und Co. schwankten nach den Abenden im Weinbistro Hoiz zwischen himmelhoch und nicht ganz himmelhoch jauchzend. Ob es gerechtfertigt ist, dass sich dabei wieder einmal eine Diskussion über die in München grassierende Preispolitik bei den Getränken entspann, mag der Leser für sich entscheiden. Dass eine Flasche Adelholzener Classic sechs Euro kostet, gibt dazu einen Vorgeschmack, auch wenn sie mit allergrößtem Charme serviert wird.

Die Karte ist eingeklebt in alte Bücher, ein netter Gag, auch wenn Lende zweimal Ganghofer erwischt hat. Sie ist sehr übersichtlich, verrät aber schon bei den Vorspeisen ein breites Spektrum an Küchenkunst bei Dreierlei von Roten Beten, intensiv und bissfest (12,50), bei der sehr gut gewürzten Räucherforelle (14,50) und einem Tatar vom Chiemgauer Weideochsen (15,50), das so perfekt komponiert ist, dass Lendes Mitesserin im Nachhinein mit sich haderte, statt eines etwas arg normalen, garnelengarnierten Caesar's Salat (18,50) nicht die Hauptspeisenportion gewählt zu haben. Die vier Weinbergschnecken auf Grünzeug (12,50) vergessen wir schnell wieder.

Auch das Perlgraupenrisotto dann in der Hauptspeisenabteilung wird als "fad" schnell abgehakt, weil dagegen das Zanderfilet hohen Ansprüchen genügte (25,50). Eingangs bejauchzten Himmel erlebte dann Lende bei der geschmorten Rinderschulter mit Morcheljus und Serviettenknödel (24,50). Wie sagt man dazu? "Zum hineinlegen!" Lende, jeglichem Glücksspiel abgeneigt, würde wetten, dass in der Sauce ein sehr guter Balsamico eine größere Rolle spielt. Das Fleisch, von ebensolcher Qualität, hatte dessen Geschmack perfekt aufgesogen. Der Serviettenknödel, womöglich als längliche Rolle in Folie erhitzt, war mit allerlei Grünzeug angereichert und ein idealer Saucentransporteur. Wunderbar gelungen dann auch der Lammbauch (so was muss man sich erst mal auf die Karte zu setzen trauen) mit Sumakfond - ein Begriff übrigens, der sich nicht einmal googeln lässt. Star der Karte ist, wie derzeit so oft in der Stadt, das Steak, in diesem Fall ein Entrecote vom Chiemgauer Weideochsen mit French Fries, die mit Parmesan und Trüffel geadelt wurden. Daran war nichts falsch, aber das große Fleischabenteuer blieb aus.

So testet die SZ bei der Kostprobe

Die Kostprobe gibt es als Format für Restaurantkritiken seit 1975 in der Süddeutschen Zeitung. Die Autorinnen und Autoren haben sich ehernen Regeln verpflichtet: Sie testen ein Restaurant frühestens 100 Tage nach Eröffnung (damit sich das Küchenteam bis dahin einspielen kann), essen dort mehrmals (denn jeder Koch und jede Köchin kann mal einen schlechten Tag haben), geben sich nicht als Tester zu erkennen und schreiben unter Pseudonym (um unerkannt und unabhängig bleiben zu können). Und die Rechnung? Die bezahlt natürlich die SZ selbst.

Glückshormonausschüttung dann aber zum Abschluss mit einem Apfelstrudel (12,50), der, ein besseres Kompliment fällt Lende nicht ein, schwer an den seiner Schwiegermutter erinnerte.

Und nun doch noch ein Gedanke zu den offenen Weinen, die sich Lende und die seinen gönnten: Sie waren allesamt eines Weinbistros würdig. Im Hoiz werden sie in 0,1-Gläsern berechnet. Ob es angemessen ist, für einen Blaufränkischen Naturwein 9,50 Euro zu verlangen, für zwei Schoppen also 38 Euro, sei dahingestellt. Wäre die SZ noch in der Sendlinger Straße zu Hause, müsste man als Hoiz-Gast wohl um Gehaltserhöhung bitten.

Adresse: Sebastiansplatz 3, 80331 München, 089/26949120 Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 16 bis 0 Uhr, Samstag 12 bis 0 Uhr, info@hoiz.wine

© SZ vom 23.01.2020/vewo
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