Ali Mitgutsch und München:Eine Stadt aus dem Bilderbuch

Lesezeit: 2 min

Hier ist immer was los: Ali Mitgutsch hat der Welt die Wimmelbilder geschenkt und München gleichzeitig ein leuchtendes Porträt. Aber man muss schon genau hinschauen.

Von David Costanzo

Vorsicht! Da balancieren doch Kinder auf einem Geländer über dem Abhang. Auf den Steinstufen zwickt ein Zamperl einen Zeitungsleser in die Waden. An den Säulen lehnen ein Lockenkopf mit Kofferradio und ein Mann mit Cowboyhut und Reisetasche. Und ein Tourist fotografiert das Wahrzeichen - das jede Münchnerin und jeder Münchner und alle, die seit 1837 einen Fuß in den Englischen Garten gesetzt haben, als Monopteros erkennen können.

Ali Mitgutsch hat der Welt Wimmelbilder wie dieses geschenkt und damit seiner Heimatstadt gleichzeitig ein leuchtendes Porträt gezeichnet. Er schaute von seiner Wohnung herunter in die Türkenstraße und ließ sich bei seinen Spaziergängen inspirieren. "Dazu habe ich stets einen kleinen Block und einen Stift dabei und zeichne flink Skizzen, mit denen ich dann später arbeite", sagte er einmal in einem Interview. "In vielen seiner Wimmelbilder spielen auch Münchner Motive eine tragende Rolle", hielt Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) in seinem Nachruf fest. Ali Mitgutsch starb am Montag im Alter von 86 Jahren.

Durchs Bild fährt die alte weiß-blaue Tram

Er selbst hat viel über seine Zeichnung der Auer Dult gesprochen mit dem nicht ganz so riesigen Riesenrad, von dem aus er als Bub das kleine Leben im großen Ganzen entdeckte - zu sehen in seinem ersten Wimmelbuch "Rundherum in meiner Stadt" von 1968. Schon auf dem Umschlag bimmelt die Münchner Tram durchs Bild. Die Rundungen der sogenannten P-Wagen der Sechzigerjahre sind gut zu erkennen und die alte weiß-blaue Lackierung, wegen der Traditionalisten Ende der Neunziger fast eine Revolution angezettelt hätten, weil ihnen das neue Blau zu lilastichig erschien.

Dabei muss man manchmal schon genau hinschauen. Mitgutschs Bilder tragen keine Titel und er zeichnet sie subtiler als seine vielen Nachfolgerinnen und Nachfolger, die München abbilden wollen. Bei seinem Elefantenhaus auf den Zoo-Seiten genügen die drei charakteristischen Rotunden und die Zwiebelturm-Silhouette der Tore, um sie dem Tierpark Hellabrunn zuzuordnen. Und ist das auf den Spielplatz-Seiten nicht der irre Rutschenhügel mit den langen Bahnen im Westpark?

So wird München zur Bilderbuchmetropole - wie passend für diese Stadt, die so viel wert aufs Äußere legt. Hier ist immer was los, hier scheint fast immer die Sonne und das Schlimmste, das einem passieren kann, ist, dass einem wie der Frau mit Hut die schwere Einkaufstasche reißt und einem ein Radfahrer ins Kreuz fährt.

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