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Online-Debatte zur Abfall-Reduzierung:München auf dem Weg zur Zero Waste City

Coronavirus - München

Wenn die Eimer überquellen, läuft etwas falsch, sagt der Bürochef der Werkleitung beim Abfallwirtschaftsbetrieb München.

(Foto: dpa)

Das Ziel ist klar: Künftig so wenig Müll wie möglich zu produzieren. Doch wie kann die Stadt das erreichen? Etwa 60 Menschen haben online über Möglichkeiten und Herausforderungen diskutiert.

Von Thomas Anlauf

Worum die Betreiber des Lokals Bardales in Neuhausen auf ihrer Homepage bitten, ist eigentlich nur ein kleiner Schritt, um etwas für den Umweltschutz zu tun: "Bitte bringt gerne eure eigenen Behälter für Essen oder Kaffee mit. Wir versuchen nach und nach auch mit unseren Verpackungen umweltfreundlicher zu werden. Helft uns dabei." Selbstverständlich ist es in München noch lange nicht, dass Gaststätten dafür werben, dass ihre Kunden die eigenen Verpackungen mitbringen und ihre Essensdosen oder Getränkebecher befüllen lassen. Doch genau das ist eines der Ziele der Bewegung "Zero Waste City", der sich die Stadt im Juli 2020 angeschlossen hat: München soll künftig so wenig Müll wie möglich produzieren.

Der Weg dorthin ist schwierig. Denn jeder müsste seinen Teil dazu beitragen, damit München möglichst keinen Abfall mehr produziert - nicht nur die Bürger, sondern auch die Stadtverwaltung, die Unternehmen und auch der Einzelhandel. Das sei eine "Herkulesaufgabe", es müssten Stadt und alle Münchnerinnen und Münchner zusammenarbeiten, sagt Günther Langer, Bürochef der Werkleitung beim Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM). "Die Mülleimer sind voll, man merkt: Da läuft was falsch."

Laut einer Untersuchung des Umweltbundesamts aus dem Jahr 2017 verursacht allein das Konsumverhalten der Deutschen 40 Prozent des bundesweiten Treibhausgasausstoßes, die weiteren 60 Prozent verteilen sich auf die Bereiche Ernährung, Mobilität, Heizung, Strom und den öffentlichen Raum. Gerade beim Konsumverhalten gebe es ein großes Einsparpotenzial, glaubt Langer. Doch das sei nicht nur Aufgabe der einzelnen Menschen. "Letztlich muss die Verantwortung beim Produzenten liegen", sagte der Abfallexperte bei einer Online-Veranstaltung, zu der der Münchner Klimaherbst, AWM und der Verein Rehab Republic eingeladen hatten.

"München wird Zero Waste City - wie kann ich diesen positiven Wandel unterstützen?", fragte Markus Mitterer, Vorstand von Rehab Republic, in die Teilnehmerrunde. Etwa 60 Menschen diskutierten zwei Stunden lang über die Möglichkeiten und Herausforderungen, um den Müll in München deutlich zu reduzieren, der überwiegende Anteil waren Frauen. So regte eine Frau an, wie in vielen Dörfern auf dem Land auch in München Milchstationen mit Milchflaschen statt Tetrapack-Tüten zu installieren.

"Fakt ist doch, dass die Verpackung wiederverwertet werden sollte", sagte Ludgera Ewers vom "Ökoprojekt Mobilspiel" in München. Tatsächlich gibt es da noch viel zu tun. So sind von den in München im Jahr 2019 angefallenen 719 477 Tonnen Siedlungsabfälle 42 Prozent Restmüll und 35 Prozent Wertstoffe aus Haushalten.

Jeder Münchner verursacht laut einer Statistik, die Carina Koop vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie vorstellte, im Schnitt 454,2 Kilogramm Abfall pro Jahr. Für den Abfallwirtschaftsbetrieb ist es deshalb das Credo, "dass bei der Abfallvermeidung noch viel mehr geht", wie Günther Langer sagte. "Wir werden die Menge an Restmüll auf jeden Fall massiv verringern." Langer glaubt allerdings nicht an die Vorstellung, dass eine Großstadt wie München eines Tages abfallfrei sein wird: "Zero Waste wird es nicht geben", sagte Langer.

Doch angesichts des Klimawandels müssten die Ressourcen möglichst geschont und Produkte wiederverwendet werden, anstatt sie einfach wegzuwerfen. Das städtische Gebrauchtwarenkaufhaus der Halle 2 in Pasing ist dafür ein gutes Beispiel: Dort können gebrauchte Gegenstände, die andere zum Wertstoffhof gebracht haben, günstig gekauft werden. Es gibt in München viele weitere Ansätze, auch von städtischer Seite: Einer davon ist das Geschirrspülmobil, das vor einigen Jahren angeschafft wurde, um auf Veranstaltungen Abfall zu vermeiden. Doch das Kommunalreferat hat nun vorgeschlagen, das Angebot aus Kostengründen einzustellen: Sie belaufen sich auf jährlich 20 000 Euro.

© SZ vom 06.03.2021/kafe
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