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Marstall:"Dieser toxischen Männlichkeit, der wird im Stück sowas von der Kampf angesagt."

"Eigentlich könnte man das Stück auch in ,Angela Merkel' umbenennen, es würde genau so funktionieren", sagt Decar. "Für mich schaut sie im Stück immer mal wieder um die Ecke und winkt. Sie hat auch einen skandalfreien Stil, Macht auszuüben." Und auch bei ihr sehnt man sich manchmal nach einem Gefühlsausbruch jenseits des Mundwinkelzuckens.

Vielleicht ist es Zufall, dass alle drei - Gerloff, Decar und Eckes - zur gleichen Generation gehören wie Philipp Lahm, der im November 34 wurde. Vielleicht sagt es aber auch etwas über diese Generation aus: behütet aufgewachsene Wunschkinder, stets maßvoll, nie zu sehr polarisierend. Diese Menschen übernehmen gerade die Führung. Die Pöbler und Polarisierer verschwinden nach und nach von den großen Bühnen, im Theater wie im Fußball. (Gut, in der Politik erleben einige Rüpel ein Revival, aber das ist ein anderes Thema.) Im Hochleistungsbetrieb Fußball stören sie inzwischen nur, das Theater braucht sie nicht mehr. Auf jeden Fall ein Fortschritt, findet Team Philipp. Gerloff, der als freier Regisseur regelmäßig ans Residenztheater zurückkehrt und dort zuletzt "Robin Hood" inszenierte, sagt, er arbeite gern in flachen Hierarchien. Rumgebrülle auf der Probe? Für ihn überholt und unangenehm.

"Da guckt man sich die anderen WM-Kapitäne an - Matthäus, Beckenbauer -, was das für Typen waren, die jahrzehntelang die Nationalmannschaft regiert haben!", sagt Decar. "Dieser toxischen Männlichkeit, der wird im Stück sowas von der Kampf angesagt."

Gunther Eckes seufzt. Da kommt was auf ihn zu. Vor ein paar Tagen war er im Stadion, um Lahms ehemalige Mannschaftskollegen zu beobachten. Er hat seine Biografie gelesen, ihn in Interviews studiert. Auf der Bühne aber wird er nicht versuchen, wie Philipp Lahm auszusehen oder zu sprechen. Damit könne man nur verlieren. Fußball wird auch nicht gespielt. "In unserer Resi-Fußballmanschaft spiele ich so schlecht, dass alle immer hektisch auf die Seite springen, wenn ich den Ball mal kriege."

Und was sagt der echte Philipp Lahm zu alldem? Das Stück haben sie ihm geschickt, eingeladen zur Premiere ist er auch. Neulich, als er für einen guten Zweck in einem Drogeriemarkt kassierte, kaufte Gunther Eckes eine Zahnbürste und stellte sich vor als der Schauspieler, der ihn spielen wird. Sehr höflich hätte Philipp Lahm reagiert. Und sehr professionell.

Philipp Lahm, Uraufführung, Samstag, 16. Dezember, 20 Uhr, Residenztheater, Marstall

© SZ vom 16.12.2017/axi
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