Kulturpolitik:"Kultur muss eine Zumutung sein"

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Kulturpolitik: Kunstminister Markus Blume (CSU)

Kunstminister Markus Blume (CSU)

(Foto: Jürgen Heinrich /imago-images)

Bayerns neuer Kunstminister Markus Blume gibt im Landtag Auskunft über sein Kulturverständnis.

Von Susanne Hermanski, München

Wie man sich täuschen kann! Normalerweise sind Debatten über den Bayerischen Kulturfonds erwartbar. Die im Landtag ausgetauschten Argumente über dieses Fördermodell, das Bayerns freie Kulturszene außerhalb der Metropolen unterstützen soll, sind bekannt: Die einen hätten gern eine gleichmäßigere Verteilung des Geldes über alle Regierungsbezirke. Die anderen würden den Topf lieber doch für Münchner und Nürnberger Künstler öffnen, weil die städtischen Gelder für die vielen frei arbeitenden Kreativen in den Großstädten nie reichen, im Topf des Fonds aber meistens Geld übrigbleibt.

Und die AfD? Die kritisiert reflexhaft stets einzelne Förderanträge, die ihrem Weltbild zuwiderlaufen. Zum Beispiel die Aufführung eines Kinderstücks, das als "Die Bremer StadtmusikantInnen" - also erkennbar gegendert - auf dem Antragsformular steht, oder ein neues "World Change Festival", über dessen womöglich suspekte Veranstalter sich "nichts googeln" lasse. Deshalb lehne man die Freigabe des gesamten Kulturfonds zwar nicht ab, aber man enthalte sich, so hieß es am Mittwoch in den Sitzungen des Haushalts- und des Kulturausschusses.

Markus Blume (CSU) wohnte beiden zum ersten Mal bei in seinem neuen Amt als Kunstminister. Die diffusen Rechtsaußen-Anwürfe erwiderte er so: "Förderfähig ist nicht nur das, was einem selbst gefällt. Wir würden unsere Aufgabe verfehlen, wenn wir zum Maßstab machen, was uns passend oder gefällig erscheint. Kultur ist an vielen Stellen auch Zumutung und muss es auch sein. Das ist wiederum auch Grundlage dafür, dass sich der Kulturstaat Bayern überhaupt entfalten kann." Der erste Auftritt des Ministers hinterlasst an dieser Stelle durchaus ein souveränes, zeitgemäßes Bild.

Was Blume zu verteilen hatte, kann sich ebenfalls sehen lassen. Dabei sind stark noch die Auswirkungen der Corona-Krise auf Zahl und Form der Kulturveranstaltungen zu spüren. Aber immerhin 120 Kunst- und Kulturprojekte sowie Investitionsmaßnahmen in ganz Bayern fördert der Fonds 2022. Verteilt wird eine Gesamtsumme von mehr als fünf Millionen Euro. An Großprojekte (Fördersumme höher als 25 000 Euro) fließen 4,2 Millionen Euro, weitere rund 830 000 Euro gehen an 69 kleinere kulturelle Projekte. Und sie sind vielfältig: Sie umfassen Laienmusik und künstlerische Musikpflege, Zeitgenössische Kunst und Museumsarbeit ebenso wie Theater, Archive, Bibliotheken und Literatur.

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