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Schwimmsaison:Vorsichtig ins Vergnügen

Auch wenn es erlaubt ist, öffnen nicht alle Freibäder zum 8. Juni. Doch auch wo der Badespaß möglich ist, gibt es viele Einschränkungen.

Von Stefan Galler und Iris Hilberth

Seit kurzem steht fest, dass im Zuge der Lockerungen von Corona-Beschränkungen auch Freibäder vom 8. Juni an wieder öffnen dürfen, allerdings nur, wenn die entsprechenden Hygieneauflagen eingehalten werden. Eine Nachricht, die bei den Badbetreibern im Landkreis gemischte Gefühle aus. Die wenigsten wollen diese Möglichkeit bereits in den Pfingstferien nutzen und vertrösten die potenziellen Badegäste auf einen späteren Zeitpunkt.

So soll in Unterhaching die Badesaison erst am 1. Juli starten. Gründe sind nicht nur das noch fehlende Hygienekonzept für das Freibad, sondern auch Bauarbeiten, die noch nicht beendet sind. "Wir haben die Zeit genutzt, um einige Sanierungen durchzuführen, zum Beispiel am Wildwasserkanal und den Sanitäranlagen, sind aber noch nicht fertig", sagt Rathaussprecher Simon Hötzl.

Unterhaching will auch abwarten, um die Erfahrungen anderer Kommunen mit bereits geöffneten Bädern in ihre coronakonformen Baderegeln mit einfließen zu lassen. Sicher ist: 6000 bis 7000 Leute, die bislang an heißen Sommertagen das Unterhachinger Freibad besuchten, werden in diesem Jahr nicht gleichzeitig hier baden und schwimmen können. Fest steht auch bereits, dass es 2020 keine Saisonkarte geben wird. Für die angepassten Eintrittspreise werde die Verwaltung dem Gemeinderat einen Vorschlag unterbreiten.

Nur für Mitglieder

Das benachbarte Further Naturbad werden heuer nur Vereinsmitglieder nutzen können. Für die hätte eigentlich bereits am 1. Mai die Saison beginnen sollen. "Das Bad ist in Schuss, das Becken wurde ausgebaggert, es ist alles tipptopp", sagt die Schriftführerin des Betreiber-Vereins Freunde Further Bad, Hille Rudnitzki. Voraussichtlich wird man nun im Juli öffnen, wenn klar ist, wie das Hygienekonzept aussehen soll. 1000 Hauptmitglieder hat der Verein derzeit, durch die beteiligten Familien seien damit etwa 3500 Personen berechtigt, im Bad zu schwimmen.

Mehr würde eh nicht gehen, daher verzichtet der Verein auf zusätzliche Badegäste. So gewinnt er auch noch etwas Zeit, eine neue Badeaufsicht zu finden. Im Winter war bekannt geworden, dass sich die Further Bad-Freunde von ihrem langjährigen Betriebsleiter getrennt hatten. Bewerbungen gebe es, so Rudnitzki, es sei aber noch nichts entschieden. Ohne die Badeaufsicht kann der Verein das Bad ohnehin nur für Mitglieder öffnen.

Den 8. Juni als Öffnungstermin hat auch die Gemeinde Haar nicht halten können. Unter anderem verzögerten Bauarbeiten den Eröffnungstermin, der jetzt auf den Feiertag, 11. Juni, gelegt wurde. Am Eröffnungstag werde vorerst nur das Schwimmerbecken freigegeben mit Liegewiese und Sandspielplatz.

Wenn die Wassertemperaturen 22 Grad übersteigen, soll auch das Nichtschwimmerbecken wieder geöffnet werden. Maximal 400 Badegäste werden eingelassen, ist das Bad voll, müssen neue Besucher warten, bis wieder Plätze frei werden, teilt die Gemeinde mit. Außerdem müssen Badegäste ihre Kontaktdaten hinterlassen.

Neben den reinen Freibädern gibt es auch noch einige eigentlich als Hallenbäder konzipierte Anlagen mit Außenbereich, etwa in Ottobrunn, wo man im Phönix-Bad am Haidgraben schon seit Wochen einem möglichen Re-Start entgegenfiebert. Betriebsleiter Sebastian Weber und sein Team arbeiten an einem umfangreichen Hygienekonzept für Schwimmbad und Sauna.

Darüber hinaus wurde im Zuge der Fertigstellung der benachbarten Ferdinand-Leiß-Halle ein neuer barrierefreier Aufgang mit Rampe gebaut und eine "Piazza" gestaltet, ein mediterran geprägter Raum zwischen Halle und Bad. Dass es nun erst einmal nur für Freibäder losgeht, kommt für die Verantwortlichen nicht ganz überraschend. Und man wird auch keine Kompromisse machen: "Da jeder bei uns durch den Innenbereich müsste, um nach außen zu kommen, und wir bis auf eine Sauna-Außendusche, die kalt ist und ohne Sichtschutz, draußen keine Duschen, Umkleiden und Toiletten haben, greift die neue Lockerung bei uns leider nicht", sagt Stefanie Nytsch, im Phönix-Bad für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Ihr Kollege Steffen Volk spürt eine große Erwartungshaltung in der Bevölkerung, bremst jedoch überbordende Hoffnungen: Eine Badesaison "wie immer" werde es dieses Jahr nicht geben: "Den Leuten muss klar sein, dass man im Phönix-Bad nicht wirklich seinen Sommerurlaub verbringen, Junggesellenabschied feiern oder seine Kinder während der Ferien unterbringen können wird. Je mehr Leuten das klar ist, desto reibungsloser kann der Betrieb wieder anlaufen", so Volk.

Pullach, Freizeitbad, Hallenbad und Freibad

Noch verwaist: eine Umkleidekabine in Pullach.

(Foto: Angelika Bardehle)

Ähnlich äußern sich die Verantwortlichen der Stadtwerke Unterschleißheim, die das Freizeitbad Aquariush betreiben. "Man muss natürlich abwarten, wie genau die Richtlinien für den Betrieb aussehen und auch, welche Entscheidungen auf kommunalpolitischer Ebene gefällt werden, aber nach gegenwärtigem Stand werden wir das Aquariush vorerst nicht öffnen", sagt Stadtwerke-Chef Reinhard Reiter. Das habe logistische Gründe, schließlich sei das Außenbecken mit den aktuellen Abstandsregelungen lediglich für maximal 15 Personen zugelassen. Aber auch der wirtschaftliche Faktor spiele eine Rolle, schließlich sei zwar ein Schwimmbad immer defizitär, mit den gegenwärtigen Beschränkungen aber besonders, so Reiter.

Christian Kunz, Fachbereichsleiter für das Bad bei den Unterschleißheimer Stadtwerken, ergänzt: "Im Vordergrund soll laut Ministerpräsident Söder das sportliche Schwimmen stehen." Das sei aber nicht die Funktion des Thermalbeckens, das im Normalfall auf 34 Grad Wassertemperatur geheizt werde. "Da ist das Schwimmen nur bedingt möglich", sagt Kunz. Im Aquariush wurde die Zeit der Schließung genutzt, um die jährliche Revision und diverse Reinigungen und Instandhaltungsmaßnahmen, Wartungen und Reparaturen an den verschiedensten Aggregaten und Anlagen zu erledigen.

Ganz anders reagieren die Verantwortlichen im Freizeitpark Grünwald auf die neuen Lockerungen: "Wir haben ganz klar die Absicht, in enger Abstimmung mit dem TSV Grünwald am 8. Juni am Start zu sein", sagt Geschäftsführer Jörn-Torsten Verleger. Auch das dortige Schwimmbad hat zwar kein klassisches Außenbecken, sondern nur einen halbrunden Bereich im Freien, doch das würde ausreichen, um die "Kernaufgabe" (Verleger) zu erfüllen: "Wir können Schwimmkurse geben und auch Aquafitness anbieten, dafür ist dieses Becken bestens geeignet."

Pullach, Freizeitbad, Hallenbad und Freibad

Die große Schwimmhalle mit Whirlpool und Sauna bleiben in Pullach vorerst geschlossen, ebenso die Umkleiden für den Innenbereich.

(Foto: Angelika Bardehle)

Dieses Angebot nutzen auch einige Partner des Freizeitparks, wie der TSV Grünwald, die Aquatics Schwimmschule und die Schwimmschule Hennemann. Es wird keine Eintrittskarten an den Kassen geben, lediglich Kurse erhalten Zutritt. Die Kurse des Freizeitparks stünden allen offen, aber sie müssen vorher reserviert werden. Zugelassen werden wegen der Abstandsregelung nicht mehr als 15 Personen plus Trainer, schließlich habe man exakt 16 Einzelumkleiden und auch Duschen im Freien, so Verleger.

In Pullach hatte der Leiter des Freizeitbads, Stefan Lontzek, zunächst Überlegungen angestellt, die Außenbecken bereits in den Pfingstferien frei zu geben. Doch davon ist man in der Gemeinde schnell wieder abgekommen, weil nur etwa 50 Badegäste gleichzeitig das Bad hätten nutzen können und man mit einer Dreistunden-Regelung ein kompliziertes Verfahren geschaffen hätte. Geöffnet wird am 8. Juni zwar, allerdings nur die Liegewiese, der Spielplatz und das Beachvolleyballfeld. Auch eine kalte Dusche soll möglich sein. Der Eintritt kostet dann einen Euro.

Wenig optimistisch klingt Steffen Lenz, Chef der Riemerlinger Haie, der Schwimmabteilung des TSV Hohenbrunn. "Hygienepläne liegen vor, die können wir auch umsetzen, aber so lange die Hallenbäder geschlossen bleiben müssen, geht bei uns leider auch nichts." Derzeit sitzen die Leistungsschwimmer des Klubs auf dem Trockenen, sie werden aber mit der Öffnung der Freibäder zumindest wieder in fremden Gewässern trainieren können.

Sollte dann auch die Sperrung der Hallenbäder aufgehoben werden, könnte sich Lenz vorstellen, dass man auch das Riemerlinger Ozon-Hallenbad wie vor der Pandemie wieder an Sonntagen außerhalb der Ferien für den Publikumsverkehr öffnet. "Wir als Verein würden das wieder anleiern, aber es hängt natürlich von der Gemeinde ab", sagt der Abteilungsleiter. "Aber es wäre schon wichtig, wenn wir wieder Kindern das Schwimmen beibringen könnten."

© SZ vom 06.06.2020/wkr

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