Schule und Corona:Nachsitzen in den Ferien

Schule und Corona: Für manche Schüler beginnen oder enden die großen Ferien mit zusätzlichen Hausaufgaben.

Für manche Schüler beginnen oder enden die großen Ferien mit zusätzlichen Hausaufgaben.

(Foto: Christian Endt)

Homeschooling und Wechselunterricht haben bei vielen Kindern und Jugendlichen Wissenslücken verursacht. Förderkurse sollen helfen, diese bis September zu schließen. Doch das Angebot wird unterschiedlich angenommen.

Von Irmengard Gnau und Bernhard Lohr

Das Schuljahr ist zu Ende, die Sommerferien sind da. Doch für manche Schüler geht es jetzt in die Verlängerung. Denn Corona hat bei vielen tiefe Wissenslücken gerissen, die nun in einer vom Kultusministerium initiierten so genannten Sommerschule möglichst verkleinert werden sollen.

Die Initiative "Gemeinsam Brücken bauen" soll das mit schulischen Angeboten in der ersten und in der letzten Ferienwoche ermöglichen. Dafür wurden zusätzlich zum Normalbetrieb Lernstand-Erhebungen angestellt, es wurde Personal rekrutiert und Konzepte mussten aufgestellt werden. Bei Schulleitern, Schülern und Eltern kam das unterschiedlich gut an.

An der Josef-Breher-Mittelschule in Pullach etwa haben nur zwei Familien Interesse an einem Programm in den Sommerferien bekundet. Rektor Harun Lehrer hat dafür Verständnis: "Das Schuljahr war für die Schülerinnen und Schüler sehr anstrengend, sie haben sich ihre Sommerferien redlich verdient." Lehrer setzt stattdessen auf zusätzliche Förderstunden im neuen Schuljahr; auch dafür stellt das Ministerium Geld zur Verfügung.

Schulleiter Lehrer macht deutlichen Förderbedarf aus, insbesondere in Deutsch, aber auch in anderen Kernfächern wie Mathe und Englisch. Außerdem sei die Sozialkompetenz in der Corona-Zeit zu kurz gekommen - dem will die Schule im Herbst gezielt entgegenwirken, etwa mit zusätzlichen Schullandheimfahrten oder Erlebnispädagogik.

Die Grundschule an der Friedensstraße in Ottobrunn setzt auf Sprachförderung, teils mit spielerischem Ansatz. In der ersten Ferienwoche bietet die Schulsozialarbeiterin Spiele im Schulgarten an, bei denen die Kinder sich unterhalten können. In der letzten Ferienwoche gibt eine Lehrerin des Kollegiums drei Tage Deutschförderung. Man habe gezielt Familien angeschrieben, für deren Kinder es besonders wichtig sei, im Sprachrhythmus zu bleiben, sagt Rektorin Gesine Clotz. Die Resonanz sei gut.

Die Grundschule am Jagdfeld in Haar hat zunächst den Bedarf an Zusatzunterricht ermittelt, dann wurden Eltern angesprochen. Schulleiterin Carolin Friedl hat ein Konzept für die letzte Ferienwoche erstellt. Eingebunden sind Lehrer und Personal aus der Hausaufgabenbetreuung. "Wir sind guten Mutes, dass das klappt." Friedl findet es "sinnvoll" Defizite auf diese Weise anzugehen.

Am Lise-Meitner-Gymnasium in Unterhaching werden etwa hundert Schülerinnen und Schüler die Sommerschule besuchen, berichtet Schulleiterin Michaela Trinder. Freilich soll das Programm kein reines Pauken werden; in der ersten Woche können vor allem jüngere Schüler vormittags Kurse in den Kernfächern besuchen, nachmittags ein Rahmenprogramm mit kreativen, spielerischen und sportlichen Elementen zur Stärkung sozialer Kompetenzen.

In der letzten Ferienwoche soll es dann Crashkurse in Kernfächern geben, die nach dem individuellen Bedarf gewählt werden konnten. Die Sommerschule sei auch von den Eltern begrüßt worden, sagt Trinder. Zusätzlich gibt es am LMGU seit Schuljahresbeginn in allen Jahrgangsstufen und nahezu allen Kernfächern Förderkurse, die im kommenden Schuljahr nach Möglichkeit fortgesetzt werden sollen.

Das Förderprogramm am Gymnasium Ottobrunn ist stark nachgefragt. Mehr als 180 Schüler der Klassen 5 bis 10 haben sich dem Vernehmen nach angemeldet, um in der ersten und letzten Ferienwoche gezielt individuelle Lernrückstände aufzuarbeiten. Dafür hat die Schulleitung Schüler der älteren Jahrgänge als Nachhilfetutoren rekrutiert sowie ehemalige Lehrkräfte.

Mit Lernstandserhebungen hat das Werner-Heisenberg-Gymnasium in Garching vor den Ferien versucht herauszufinden, wo Bedarf besteht. Daran ausgerichtet will die Schule ihr Angebot gestalten, wobei in der ersten Ferienwoche vor allem soziale Aspekte im Vordergrund stehen sollen - Fußball spielen etwa oder Selbstverteidigungskurse.

Genügend Personal für die Sommerschule zu finden und das auch noch relativ kurzfristig, das hat viele der Schulen vor eine Herausforderung gestellt. Im Mai hat das Kultusministerium seine Initiative vorgestellt, doch das Programm musste jede Schule selbst erst zusammenstellen. Lehrerinnen und Lehrer sollen sich eigentlich wie die Schüler in den Sommerferien erholen können von dem anstrengenden Corona-Schuljahr. Das Unterhachinger Gymnasium hat neben Studenten und Praktikanten auch ehemalige, bereits pensionierte Kolleginnen und Kollegen für das Programm gewinnen können, außerdem meldeten sich viele ältere Schüler als Tutoren, berichtet Schulleiterin Michaela Trinder.

An der Johann-Andreas-Schmeller-Realschule in Ismaning engagiert sich das Lehrerkollegium größtenteils selbst. Auf freiwilliger Basis, wie Konrektorin Ina Langer betont, bieten die Lehrerinnen und Lehrer in der ersten und letzten Ferienwoche an die 70 Kurse an, von harten Themen wie Bilanzbuchhaltung und Rechtschreibung bis zu Themen wie "Lernen lernen", Poesie und ein Bilderbuch selbst gestalten. Die Nachfrage der Schüler ist sehr groß, es gab etwa 375 Kursanmeldungen.

Ob das Sommerprogramm coronabedingte Verluste ausgleichen kann? "Es ist ein Baustein", sagt Grundschulrektorin Clotz aus Ottobrunn. "Aber es wird die Lücken allein nicht schließen. Wir müssen weiter genau hinschauen, wo Kinder sind, die zusätzliche Unterstützung brauchen." Michaela Trinder vom Gymnasium in Unterhaching sieht in der Sommerschule ebenfalls nur "einen Baustein auf dem Weg, der vor uns liegt".

© SZ vom 02.08.2021/wkr
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