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Pullach:Tausendfreund und ihre Feinde

Susanna Tausendfreund ist seit fünf Jahren Bürgermeisterin der Isartalgemeinde Pullach. Genauso lange ist die Grüne im Gemeinderat ohne eigene Mehrheit.

(Foto: Claus Schunk)

CSU und WIP wollen das Pullacher Rathaus zurückerobern. Anders als vor fünf Jahren kann sich die Grünen-Bürgermeisterin nicht einmal der Unterstützung durch die SPD sicher sein.

Als Susanna Tausendfreund (Grüne) kurz vor ihrem sensationellen Wahlsieg im Jahr 2014 nach ihrem größten politischen Erfolg gefragt wurde, antwortete sie spaßeshalber: die Abschaffung des Badekappenzwangs im Pullacher Hallenbad. Die Wählerinnen und Wähler hatten ihr offenbar für die Zukunft viel mehr zugetraut, jedenfalls gewann sie damals in der Stichwahl um das Bürgermeisteramt klar gegen den Konkurrenten von der CSU, Andreas Most. Diese Schlappe nagt heute noch an den Christsozialen, die zuvor über Jahrzehnte das Sagen hatten in der Isartalgemeinde. Nun wollen sie mit Macht den Bürgermeistersessel zurückerobern und glauben, in Christine Eisenmann die richtige Kandidatin für diesen Kraftakt gefunden zu haben. "Es wird spannend", sagt Most.

"Es ist keine gmahte Wiese mehr", sagt aber auch Reinhard Vennekold, Fraktionsvorsitzender der 2013 entstandenen Gruppierung "Wir in Pullach". Vor fünf Jahren hatte die WIP keinen Bürgermeisterkandidaten ins Rennen geschickt, konnte dafür aber mit ihrer Liste punkten. Mit fünf Vertretern stellt die WIP heute die stärkste Fraktion im Pullacher Gemeinderat. Und dieses Mal will die Gruppierung auch den Bürgermeistersessel erobern. Wer dazu den Hut in den Ring werfen wird, steht indes laut Vennekold noch nicht fest.

Die neue Konstellation verheißt auf den ersten Blick also nichts Gutes für Susanna Tausendfreund. Vor fünf Jahren noch hatten WIP-Sympathisanten vor der Stichwahl für die Grünen-Politikerin geworben und ausdrücklich nicht für CSU-Mann Most. Das war damals auch nicht verwunderlich, waren doch kurz zuvor drei CSU-Gemeinderäte nach internen Differenzen ins Lager der WIP gewechselt. Wenn Tausendfreund heute im Kreis des Gemeinderats nach möglichen Fürsprechern Ausschau hält, dann bleibt ihr Blick allein auf ihrer eigenen Fraktion heften. "Selbstverständlich stehen wir hinter ihr, sechs Jahre intensiver und erfolgreicher Einsatz für Pullach sollen fortgesetzt werden", sagt der Grünen-Fraktionsvorsitzende, Fabian Müller-Klug.

"Es wird spannend werden" - das sagt auch Johannes Burges von der FDP. Ob sich die Freidemokraten auch im Bürgermeisterwahlkampf positionieren werden wie 2014, als Alexander Betz für sie antrat,

darüber hält sich Burges aber momentan noch bedeckt.

Bleibt noch die SPD-Fraktion, die 2014 mit Holger Ptacek antrat und als dieser im ersten Wahlkampf auf der Strecke geblieben war, in der Stichwahl Tausendfreund den Rücken stärkte. Ob die SPD wiederum einen eigenen Kandidaten küren werde, sei noch nicht entschieden, sagte Ptacek. Und offen ist derzeit wohl auch noch, ob Tausendfreund, sollte die SPD von einem eigenen Kandidaten absehen, abermals mit einer Fürsprache durch die Roten rechnen kann.

"Da muss sie uns schon was anbieten", sagt Ptacek und wird in der Folge noch deutlicher. Außer zwei Wohnbauprojekten sei in der laufenden Amtsperiode nichts vorangebracht worden. "Der Gemeinderat ist wie ein Ventilator, der macht viel Wind und dreht sich um sich selbst", sagt Ptacek und ergänzt: "Ja, das kann man als Kritik an der Bürgermeisterin begreifen." Tausendfreund könnte den Schwarzen Peter jetzt an das ganze Gremium zurückgeben, das nicht von ungefähr unter vorgehaltener Hand Debattierklub genannt wird und nicht selten bereits beschlossene Maßnahmen ein weiteres Mal ins Gremium bringt. Dazu wolle sie demnächst "ernsthaft" mit den Fraktionen reden. Was ihr aber vor allem missfalle, das sei der respektlose Umgang von Gemeinderäten mit Rathausbediensteten. "Die arbeiten nach bestem Wissen und Gewissen und dann wird grundlegend die Arbeit der Verwaltung in Frage gestellt und es werden Leute persönlich angegriffen", sagt die Grünenpolitikerin.

Ihre Bilanz sei nicht so schlecht, zumal angesichts dessen, dass sie keine Mehrheit hinter sich habe. Viele Projekte befänden sich in der Entstehung, einige ständen kurz vor dem Abschluss, verteidigt sich Tausendfreund, nach deren Sicht der Wahlkampf schon längst im Gemeinderat begonnen hat. "Ich hoffe, dass der Wahlkampf auf sachlicher und nicht auf persönlicher Ebene geführt wird und kein Thema emotionell hochgekocht wird", sagt dazu Reinhard Vennekold.

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