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Parteiaustritte bei Unterhachings Grünen:"Uns geht es nicht um Weltpolitik"

Gertraud Schubert und Christa Helming (von links) kehren den Grünen den Rücken. In der Kommunalpolitik wollen sie weiter mitmischen.

(Foto: Schunk, Bardehle)

Die beiden ausgetretenen Unterhachinger Grünen-Gemeinderätinnen kritisieren die Ausrichtung des Ortsverbands.

24 Jahre ist es her, da stand ein Meteorologe in Christa Helmings Unterhachinger Buchhandlung. Man unterhielt sich übers Wetter und schließlich sagte der Kunde: "Frau Helming, wir werden unseren Kindern später nicht sagen können, wir hätten nichts vom Klimawandel gewusst." Helming erinnert sich heute noch gut an diese Begegnung.

Für sie war diese der Anlass, bei den Grünen einzutreten, und prompt wurde sie auch in den Gemeinderat gewählt. Mittlerweile ist sie Dritte Bürgermeisterin. Bei den Grünen allerdings ist sie nicht mehr. Nur einen Tag bevor die Unterhachinger Grünen am Montagabend ihre Liste für den Gemeinderat aufgestellt haben, sind Helming sowie die langjährige Gemeinderätin Gertraud Schubert aus der Partei ausgetreten.

Was wie ein Paukenschlag mitten im Kommunalwahlkampf wirkt, ist laut Helming und Schubert ein Entschluss, der lange gereift ist. "Wir haben uns das nicht einfach gemacht", sagt Helming. "Es hat uns viele schlaflose Nächte gekostet", formuliert es Schubert. Sie hätten sich schon lange nicht mehr zugehörig gefühlt zu den Unterhachinger Grünen.

Das i-Tüpfelchen sei dann der Antrag zur Ausrufung des Klimanotstands im Gemeinderat gewesen, sagen beide. "Da denke ich an die Notstandsgesetze", sagt Helming, sie vermisse jegliche Sensibilität. Auch Schubert hat dieser Antrag sehr verärgert. "Ich habe selbst am Klimaschutzkonzept der Gemeinde mitgearbeitet", sagt sie und findet Unterhaching sei auf einem guten Weg. Für die beiden Gemeinderätinnen war dieser Antrag symptomatisch für die Entwicklung der Unterhachinger Grünen. Es gehe immer mehr um Landes- und Bundespolitik, auch die Flut von Anträgen, die es früher nicht gegeben habe, erinnere sie an die Grünen im Landtag. Helming und Schubert haben da oft nicht mitgemacht. "Uns geht es nicht um Weltpolitik, wir sind keine Extrem-Grünen, eher Realos und beschränken uns auf die Gemeinde", so Schubert.

Entfernt von den Kernthemen

Für den Vorstand des Ortsverbands kommt der Rückzug nicht überraschend. "Es fehlte schon länger die Unterstützung bei zentralen Grünen-Themen", sagt die Vorsitzende Claudia Köhler und zählt neben der Bekämpfung der Klimakrise auch den Masterplan für die Kinderbetreuung, die ökologischen Standards bei Bauvorhaben und die Anforderungen an eine "Fairtrade-Gemeinde" dazu. Beide Gemeinderätinnen hätten sich zu sehr von den Kernthemen der Grünen entfernt und zu wenig in den vergangenen Wahlkämpfen engagiert.

Über den Vorwurf des schlechten Klimas aufgrund mangelnden Vertrauens und fehlender Offenheit, den die beiden in ihrer schriftlichen Erklärung an den Kreisverband geäußert hatten, habe sie sich sehr gewundert, sagt Köhler. "Ortsverband und Fraktion haben seit 2014 viel enger zusammengearbeitet als früher", so die Landtagsabgeordnete. Es herrsche ein sehr gutes Klima, zudem könnten die Grünen fast jede Woche ein neues Mitglied begrüßen. Dass sie nun auch zwei verloren haben, bedauere sie, sagt Köhler und fordert die beiden auf, Amt und Mandat zurückzugeben.

Gerne hätten Helming und Schubert erneut für die Grünen kandidiert - auf zwei der ersten zehn Plätze. "Im Herzen sind wir immer noch Grüne und kämpfen für grüne Ideen", sagt Schubert, die seit Jahrzehnten im Bund Naturschutz engagiert ist. Aber man habe sie schon vor geraumer Zeit gefragt, wie sie sich ihren Abschied vorstellten. Die Parteifreunde wollten sie loswerden, sind sie überzeugt und vor allem deshalb so empört, weil sie sich - beide knapp über 70 Jahre alt - als die Wegbereiter des Erfolgs der Grünen sehen.

Zu alt für die Kommunalpolitik fühlen sie sich keinesfalls. Im Gegenteil: "Es gibt viele Senioren in Unterhaching und wir haben mit Kindern und Enkelkindern Kontakt zu drei Generationen", sagt Christa Helming. Sie will Dritte Bürgermeisterin bleiben, ihr Mandat wollen beide behalten und wahrscheinlich auch wieder zur Wahl antreten.

Ob sie sich einer anderen Partei anschließen oder selbst eine Wählergruppe gründen, lassen sie noch offen. Hobby-Schriftstellerin Gertraud Schubert verrät nur so viel: "In meinen Krimis gibt es eine Initiative Lebenswertes Unterhaching."