Radverkehr Langsam zum Schnellweg

Derzeit werden die Radler an der Kugleralm durch Kopfsteinpflaster und ein Tempolimit ausgebremst.

(Foto: Claus Schunk)

Bis die erhoffte kreuzungsfreie Radverbindung von Oberhaching zum Münchner Altstadtring fertig ist, können noch zehn Jahre vergehen. In der Gemeinde setzt man daher auf einfacher zu verwirklichende Alternativen.

Von Michael Morosow, Oberhaching

Wenn es nach dem Wunsch des Landratsamtes geht, dann werden dereinst fünf Radschnellverbindungen mit hohen Standards das Umland mit der Landeshauptstadt verbinden. Wenn die Radfahrer selbst entscheiden könnten, würden sie beim Komfort der Fahrbahnen Abstriche machen und lieber bereits vorhandene Wege asphaltieren.

"Hauptsache, ich erleb' das noch", sagte ein Oberhachinger Radfahrer am Montagabend am Rande einer Veranstaltung im Bürgersaal, wo ein mit einer Machbarkeitsstudie beauftragtes Planer-Konsortium das Projekt und die einzelnen Arbeitsschritte vorstellte. Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach - dieses Motto gilt nicht zuletzt für Rathaussprecher Alexander Maierhöfer: "Wir wollen keine vier Meter breiten Radwege, wir brauchen auch keine Machbarkeitsstudie, auf den Bestandswegen könnten wir gleich loslegen", sagte Maierhöfer.

Die "Taube auf dem Dach" stellte Dennis Stocksmeier von der Planersocietät den circa 50 Besuchern vor: eine direkte, umwegfreie Linienführung zwischen Oberhaching und dem Münchner Altstadtring, auf der täglich mindestens 2000 Radfahrer unterwegs sind, eine mindestens vier Meter breite Straße, möglichst wenig durch den Kfz-Verkehr beeinträchtigt, mit hoher Belagsqualität und einer steigungsarmen Trassierung.

Eine sichere Befahrbarkeit soll auch bei Tempo 30 noch garantiert sein. Der Nachteil dieser De-luxe-Ausführung: Sie steckt noch in den Kinderschuhen, Grundstücksfragen sind noch nicht geklärt, allerlei Genehmigungen müssen noch eingeholt werden. Mit einer Verwirklichung einer solchen Radautobahn rechnet auch Stocksmeier nicht bis in "zwei bis drei Jahren", eine Frage einer Besucherin, ob es denn zehn Jahre dauern könnte, verneinte er nicht.

Wenn man so will, dann war die Veranstaltung für die Besucher weniger wichtig als für Stocksmeier und zwei weitere Referentinnen von der Planersocietät. Die Besucher erfuhren recht viel Allgemeines zu Radschnellverbindungen, die Planer holten sich für ihre Arbeit wichtige Ideen und Anregungen über mögliche Trassenführungen, neuralgische Punkte und andere ortsspezifische Details ein. "Sie sind die Experten vor Ort", sagte denn auch Dennis Stocksmeier.

Und so blickten die Besucher auf die an die Wand gebeamte Landkarte und auf die zwei zur Untersuchung anstehenden Trassenführungen - die eine entlang der Bahnstrecke, die andere mitten durch den Wald. Und am Ende versammelten sich alle Interessenten gruppenweise vor drei Stellwänden, zogen die ein oder andere Linie und erklärten den Planern, was hier und dort zu beachten sei.

Zum Beispiel, dass bei der Waldtrasse vor der Nussbaum-Ranch ein Unfallschwerpunkt ist, weil viele zu schnell auf dem Kopfsteinpflaster durch die Bahnunterführung fahren. Die Planer notierten eifrig sämtliche Informationen und wissen nun auch, dass an der Ausflugsgaststätte Kugler-Alm "ein absolutes Chaos" herrscht, zumal nach der von Bürgermeister Stefan Schelle (CSU) angeordneten Verlegung von Kopfsteinpflaster, womit er rasende Rennradler ausbremsen wollte. "Die Radler fahren jetzt über den Gehweg", merkte eine Besucherin an.

Was die Streckenführung durch den Wald angeht, zeigt sich Rathaussprecher Alexander Maierhöfer aber ohnehin wenig zuversichtlich. Ihm fehle die Fantasie, wie der Weg nur halbwegs direkt verlaufen solle. "Wir reden über Wunschkorridore und sehen nicht, was schon da ist", sagte der Referent des Bürgermeisters.

Der sprichwörtliche "Spatz in der Hand" wäre Maierhöfer aktuell lieber. Eine Machbarkeitsstudie für eine Radschnellverbindung zu erstellen sei okay, "aber wir haben Radhauptverbindungen, die schon in der Mache sind", sagte Maierhöfer und verwies auf die geplante Radverbindung zwischen Holzkirchen und Oberhaching, für die bereits eine Förderungszusage für den Abschnitt Sauerlach-Deisenhofen vorliege.

Die Strecke soll in insgesamt drei Abschnitten am Ende von Holzkirchen bis nach München führen und eine einfache Radverbindung sein, keine aufwendige Radschnellverbindung. Diese Idee ist vier Jahre alt und stammt von den Bürgermeistern im Hachinger Tal. Im Jahr 2015 hatten sie sich zusammengeschlossen, um Berufspendlern eine attraktive Fahrradroute anbieten zu können. Bestehende Wege einfach asphaltieren, lautete ihr einfaches Konzept - ein zu einfaches offenbar, um die Qualitätsansprüche einer Radschnellverbindung zu erfüllen.