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Meine Hauszeit:Laptop und Jogginghose

Landtagsabgeordnete der Grünen, Claudia Köhler, im Homeoffice in Unterhaching

Claudia Köhler.

(Foto: privat)

Die Abgeordnete Claudia Köhler von den Grünen macht am Esstisch Politik.

Von Iris Hilberth, Unterhaching

Am ersten Tag saßen sich Claudia Köhler und ihr Mann am Esstisch mit Laptops und Jogginghosen gegenüber. Kleine Freiheiten in einer Zeit, in der auch Landtagsabgeordnete bei ihrer täglichen Arbeit nur noch auf digitalem Weg das Wohnzimmer verlassen. Die Schlabberkleidung ließen die Köhlers aber schnell wieder bleiben.

An den gemeinsamen Arbeitsplatz haben sich die beiden Unterhachinger inzwischen gewöhnt - obwohl sie beruflich nichts verbindet. "Aber ein normales deutsches Reihenhaus hat zwei Kinderzimmer und ein Arbeitszimmer", sagt die Grünen-Politikerin. Die Köhlers aber haben drei Söhne. Also macht Claudia Köhler vom Wohnzimmertisch aus Politik.

Nur ein Fünftel der Abgeordneten nimmt an Sitzungen teil

Wer Bilder aus dem Landtag sieht, dem fallen die vielen freien Plätze auf. Nur ein Fünftel der Abgeordneten nimmt an Sitzungen teil. So haben es die Fraktionen mit Landtagspräsidentin Ilse Aigner vereinbart, um in der Corona-Krise weit auseinanderrücken zu können. Köhler wird in den kommenden Tagen wieder im Plenum sitzen, da sie von ihrer Fraktion ausgewählt wurde, wenn der Entwurf des zweiten Schutzschirms zur Debatte steht. Dann wird sie statt per Videokonferenz erstmals wieder direkt zu den Kollegen sprechen.

In den vergangenen vier Wochen hat sie vom Esstisch aus an Fraktionssitzungen und täglich diversen Telefonkonferenzen mit Mitarbeitern im Landtagsbüro und mit Kollegen des Haushaltsausschusses teilgenommen. Es geht um Milliarden an Steuermitteln, um das Infektionsschutzgesetzt, um Ausgangsbeschränkungen - die Verantwortung ist groß.

Technische Probleme habe es am Anfang genauso gegeben wie bei anderen Leuten auch. "Gut, dass ich Praktikanten und Kinder habe, die sich technisch auskennen", sagt Köhler. So hätten bald auch Videos und Facebook-Townhalls aus dem Reihenhaus geklappt.

Claudia Köhler ist eine Abgeordnete, die in normalen Zeiten gefühlt immer und überall präsent ist. Da das derzeit nicht geht, muss vieles am Telefon, per Facebook, Twitter und mit einem neuen Newsletter erläutert und diskutiert werden. "Information und Kommunikation sind ganz wichtig", sagt Köhler, sie habe daher auch alle wichtigen Institutionen wie Rettungsdienste, Kliniken, Ärzte, Helferkeise und Unternehmen abgefragt. Viele Maßnahmen könnten erst in der Praxis bewertet werden, hat sie festgestellt.

"Bei mir rühren sich Unternehmer, Therapie-Praxen-Betreiber und andere Selbständige, um Infos über Soforthilfen und Kredite zu bekommen oder konstruktive Vorschläge einzubringen. Gerade bei den Krediten gestaltet es sich nicht einfach", sagt sie. Dann muss sie ihr "Büro" kurzzeitig räumen. Sohn Daniel bringt das Mittagessen.

An dieser Stelle berichten wir in nächster Zeit von Menschen und ihrem Leben während der Corona-Pandemie. Wenn auch Sie etwas zu erzählen haben, was anderen vielleicht sogar Mut macht oder zum Nachmachen dient, schicken Sie uns eine E-Mail (gerne auch mit Foto) an: lkr-muenchen@sueddeutsche.de.

© SZ vom 15.04.2020

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