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Grünwald:Ein Fall fürs Ordnungsamt

Damit es so sauber aussieht an den Mülleimern am Luitpoldweg, zieht die "Handmannschaft" des Wertstoffhofs inzwischen drei Mal statt ein Mal am Tag los. Die gestohlenen Stühle kann sie nicht wieder besorgen

(Foto: Claus Schunk)

Laute Isarpartys, Berge von Müll, Flaschenkisten vor den Häusern, Hundekot in Tüten: In der Gemeinde schlagen Ausflügler und Einheimische coronabedingt über die Stränge.

Von Claudia Wessel, Grünwald

Schon vor hundert Jahren war Grünwald ein beliebter Ausflugsort der Münchner, den diese seinerzeit meist mit der 1910 eingerichteten Trambahn erreichten. Nun erlebt die Gemeinde ein Revival als Erholungsziel, aber der eher unangenehmen Art, wie in der Sitzung des Gemeinderats am Dienstagabend deutlich wurde. Denn durch die vielen Ausflügler, aber auch durch Partys von Jugendlichen, die wegen der Corona-Maßnahmen immer noch nicht in Clubs feiern können, hat sich die Müllmenge in der Gemeinde mehr als verdoppelt, wie Bürgermeister Jan Neusiedl (CSU) auf Anfrage seiner Parteifreundin Barbara Portenlänger-Braunisch und einiger weiterer Gemeinderäte mitteilte. Und die nagelneuen Stühle aus dem Luitpoldweg wurden sofort geklaut - Stückpreis 180 Euro.

"Das sind ganze Heuschreckenschwärme, die in Wörnbrunn einfallen", sagte Neusiedl. Diese hinterließen rund um die Parkbänke allerlei Dinge. "Auch viel Plastik, wenn man sich vorstellt, was aufgrund von Corona alles an Plastik produziert wird", sagte der Bürgermeister. Sogar Hausmüll werde neuerdings säckeweise neben öffentlichen Müllbehältern abgeladen. Die Straßenreinigung müsse inzwischen auch am Samstag und Sonntag unterwegs sein. Doch nicht nur in Wörnbrunn und an anderen gemütlichen Stellen im Ort, sondern auch an der Isar zeigten sich die Folgen der Partys von Jugendlichen.

Dorthin müsse der Wertstoffhof inzwischen drei bis viermal am Tag fahren, die Neun-Kubikmeter-Container des Wertstoffhofes reichten im Vorjahr für eine Woche, in diesem für zwei Tage. "Ein Kollateralschaden der Corona-Krise", so Neusiedl. Ein Ärgernis seien auch die vielen Radler, die zum einen die Fußgänger auf dem Hochuferweg mit ihrer schnellen Fahrweise erschrecken, zum anderen am Rathausplatz im Geschäft einkaufen und dann "ihre Kippen in den Marienbrunnen werfen".

Auch die Mengen an Glas in den vor den Häusern abgestellten Sammelbehältern, die regelmäßig von der Gemeinde abgeholt werden, seien extrem gestiegen. Laut Neusiedl eindeutig dadurch, dass wochenlang alle Familien zu Hause gefeiert haben. Viele Bewohner haben sich in letzter Zeit bereits beschwert, dass die Kisten voller Flaschen nicht abgeholt würden. Daran war nun wiederum eine weitere Regel schuld, wie Neusiedl erklärte: "Die Firma hat mitgeteilt, dass sie nur noch Kisten mitnimmt, auf denen so etwas steht wie: ,Ich bin eine Wertstoffkiste der Gemeinde Grünwald'."

Hinterlassenschaften von Vierbeinern machen Probleme

Ärger mit Müll entsteht aber auch durch während der Coronazeit ausgiebig in heimischen Wiesen flanierenden Hundebesitzern. Für manche Verhaltensweisen dieser Menschen hat Neusiedl kein Verständnis. So etwa gebe es Leute, die zwar die Hinterlassenschaften ihres Hundes in eine der Tüten stecken, die die Gemeinde an diversen Standorten bereitstellt, die sie dann aber trotzdem nicht bis zum nächsten Müllbehälter tragen, sondern irgendwo fallen lassen. Ein ebenfalls neues Problem durch Corona sind die herumliegenden Masken. Hier vermutet Neusiedl allerdings, dass sie nicht absichtlich weggeworfen, sondern verloren werden, denn er hat auch schon wiederverwendbare Stoffmasken auf der Straße gesichtet.

Nicht nur die Müllberge, auch die Ruhestörung ist ein Problem. Von "lautstarken Saufgelagen" an der Isar haben Anwohner einigen Gemeinderäten berichtet. Doch auch die ausgiebigen Feiern daheim im Garten können für die Nachbarn störend werden. Seit Wochen bittet daher das Ordnungsamt im Amtsblatt im Isaranzeiger um "Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe". So etwa darf Musik im Freien zwischen 22 und 6 Uhr morgens nicht gespielt werden.

© SZ vom 02.07.2020
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