Energiewende:Im Untergrund schlummert ein Potenzial von 1000 Megawatt

Energiewende: Die Energie-Wende Garching liefert seit 2011 Fernwärme in die Haushalte der Stadt.

Die Energie-Wende Garching liefert seit 2011 Fernwärme in die Haushalte der Stadt.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Ein Forschungsprojekt der TU und mehrerer Verbundpartner soll die Erschließung der Geothermie im Raum München voranbringen.

Es soll ein Meilenstein auf dem Weg zur nachhaltigen Energieversorgung sein - so stellt ein breites Bündnis von Akteuren aus Stadt und Landkreis München jedenfalls die jetzt eingegangene Zusammenarbeit dar, mit der die Nutzung der Tiefengeothermie in der Region weiter vorangebracht werden soll. Ziel sei, die Wärmeenergie im Untergrund durch eine Vielzahl neuer Projekte schnell und auf Basis einer gemeinsamen Nutzung des Thermalwasserreservoirs im Großraum München zu erschließen, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der sechs Verbundpartner. Zu dem Bündnis gehören die Technische Universität (TU) München, die Stadtwerke München, die Landeshauptstadt und der Landkreis München, die Energieagentur Ebersberg-München und der kommunale Versorger Energie-Wende Garching (EWH) als einer der Betreiber von Geothermie-Anlagen im Umland.

Die zentrale Grundlage für die geplante breite Geothermie-Nutzung soll zunächst eine großangelegte Seismik-Messkampagne liefern, die von der TU im Rahmen eines Forschungsvorhabens vorgenommen wird und für die jetzt ein Förderbescheid des Bundeswirtschaftsministeriums in Höhe von elf Millionen Euro vorliegt; die geschätzten Kosten des gesamten Vorhabens liegen bei etwa 20 Millionen Euro. Damit kann das Forschungsprojekt starten, das über vier Jahre laufen und den Weg für die regionale Umstellung auf eine klimaneutrale Wärmeversorgung bereiten soll.

In dem Projekt mit dem Namen Giga-M soll auf einer Fläche von insgesamt 1000 Quadratkilometern der Untergrund der Landeshauptstadt und des Münchner Umlands mit einer 3D-Seismik-Messung auf Erdwärme-Potenziale untersucht werden. Mit dem Forschungsvorhaben und bereits vorhandenen Daten soll dem Geothermie-Bündnis zufolge anschließend ein "detailliertes Tiefenmodell" für den gesamten Großraum München erstellt werden. Zudem sollten alle bereits bestehenden und geplanten Bohrungen in das Modell eingebunden und die "damit verbundene thermische Nutzung im Untergrund simuliert werden".

Aktuell wird das Thermalwasserreservoir im Großraum München bereits mit 42 Bohrungen genutzt, die thermische Gesamtleistung liegt nach Angaben des Geothermie-Bündnisses bei etwa 400 Megawatt. Insgesamt wird die Menge an Tiefenwärme, die durch neue Bohrungen erschlossen werden könnte, auf 1000 Megawatt geschätzt. "Diese riesige CO₂-freie Energiemenge muss erschlossen werden, wenn die regionale Wärmewende gelingen soll", so das Aktionsbündnis. Auf Basis "etablierter und sicherer Technologie" könne mittels Tiefengeothermie ein großer Teil der nötigen Wärme für Heizungen und Warmwasser im Großraum München bereitgestellt werden.

Damit das Potenzial möglichst schnell und interkommunal erschlossen und genutzt werden kann, wollen die Verbundpartner gemeinsame Rahmenbedingungen und wirtschaftliche Umsetzungsmodelle entwickeln. Dabei will man sich auch dem Problem fehlender Flächen für Bohrungen, Erzeugungsanlagen und Leitungen widmen.

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