Solarenergie:Das eigene Haus als Kraftwerk

Solarenergie: Vorbildfunktion: Mit ihren Solarpaneelen am Balkon zeigen Karin Feiler und Ewald Edelsbrunner, dass jeder mit wenig Aufwand seinen Strom selbst umweltfreundlich produzieren kann.

Vorbildfunktion: Mit ihren Solarpaneelen am Balkon zeigen Karin Feiler und Ewald Edelsbrunner, dass jeder mit wenig Aufwand seinen Strom selbst umweltfreundlich produzieren kann.

(Foto: Claus Schunk)

Karin Feiler und Ewald Edelsbrunner aus Feldkirchen zeigen, wie einfach es ist, sich mit regenerativem, CO₂-freien Strom zu versorgen. Seit sie an ihrem Balkon selbst eine Solaranlage installiert haben, fühlen sich Nachbarn zum Nachmachen animiert.

Von Anna-Maria Salmen, Feldkirchen

Nicht erst im Bundestagswahlkampf ist die Energiewende ein zentrales Thema, seit Jahren wird Solarstrom immer beliebter. Dennoch wagen viele nicht, selbst eine Anlage am eigenen Haus oder an der Wohnung zu installieren. Zu massiv sind oft die Bedenken wegen der Anschaffungskosten, der Bürokratie oder des Platzmangels. "Die Hürde ist groß", sagt Karin Feiler. Gemeinsam mit ihrem Mann Ewald Edelsbrunner möchte die Mitbegründerin der Feldkirchner Umweltgruppe zeigen, dass man auch unkomplizierter und risikoloser selbst umweltfreundlichen Strom erzeugen kann. Die beiden laden Interessierte zu Informationsveranstaltungen in ihren Garten ein, um ihnen ihre eigene kleine Solaranlage zu demonstrieren - ihr Balkonkraftwerk, wie sie es nennen.

Erst im vergangenen Dezember begann das Ehepaar mit dem Einbau der Solarmodule, wie Feiler erzählt. Hintergrund waren die Empfehlungen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: Angesichts der Corona-Pandemie wurde geraten, eine bestimmte Menge an Lebensmitteln und Wasser vorrätig zu halten.

Feiler und Edelsbrunner dachten noch einen Schritt weiter. "Es kam die Frage auf: Wie kocht man, wenn es länger keinen Strom geben sollte?", sagt Feiler. Ihr technikversierter Mann entwickelte die Idee, Solarpaneele auf dem Dach des kleinen Schuppens zu installieren. Innerhalb kurzer Zeit war eine Inselanlage errichtet. "Die war aber noch komplett unrentabel", sagt Feiler lachend.

Dennoch, der Anstoß war da und das Ehepaar beschäftigte sich immer weiter mit der Thematik. Inspiriert von München Solar 2030, einer Initiative von Ehrenamtlichen zur Information über Solarenergie, bauten sie im Frühjahr die Inselanlage um. Sie montierten ein Solarmodul an ihrem Balkon, kürzlich kam ein zweites hinzu. Bereits in den wenigen Monaten seit der Inbetriebnahme sind die Vorteile des Balkonkraftwerks deutlich sichtbar, wie die beiden erzählen.

Anders als bei einer großen Solaranlage auf dem Dach sei die Montage deutlich einfacher - wer mit einer Bohrmaschine umgehen könne, könne die Module mit geringem Aufwand selbst einbauen. Lediglich acht Stunden dauerte die Installation nach Angaben Edelsbrunners. Viel Platz benötige man nicht, selbst Mieter in Etagenwohnungen könnten an ihren Balkonen Module anbringen, sofern sie die Genehmigung ihres Vermieters erhalten. Auch die Kosten würden sich mit 680 Euro für zwei Module in Grenzen halten.

Eine App zeigt, wie viel Strom gerade erzeugt wird

In einer App kann Edelsbrunner jederzeit sehen, wie viel Strom seine Anlage produziert. An diesem Abend, nach einem spätsommerlichen Tag, ist die Sonne bereits hinter den Bäumen verschwunden, kein Strahl erreicht mehr den Garten des Ehepaars. Acht Watt erzeugt das Balkonkraftwerk dennoch, liest Edelsbrunner ab. Selbst der Rückblick auf die Augustwochen zeigt Erstaunliches: Sogar an Regentagen war der Ertrag nicht bei null Watt, zwar deutlich geringer als bei sommerlichem Wetter, aber durchaus vorhanden.

Das Wissen, wann ihre Anlage am meisten Strom erzeugt, motiviert die beiden Feldkirchner eigener Aussage nach, ihr Verhalten zu ändern. "Man schaut dann schon, dass man zum Beispiel nur noch in der Mittagszeit die Waschmaschine einschaltet", sagt Feiler. Insgesamt rechnen die beiden bei einer Anlagenlaufzeit von 20 Jahren - ein durchaus realistischer Zeitraum - mit einem Ertrag von 650 Kilowattstunden pro Jahr. Die Produktion des eigenen Stroms ist zudem deutlich günstiger als der Bezug von Netzstrom, sagt Feiler. Die Anschaffungskosten der Anlage würden sich demnach bereits nach wenigen Jahren amortisieren.

"Es lohnt sich also nicht nur aus Umweltschutzgründen, sondern auch finanziell. Man kann sehr viel Geld sparen", sagt Feiler. Die Feldkirchnerin konnte in ihrem Wohngebiet bereits eine Art Sogwirkung beobachten: Neugierde sei durchaus vorhanden, viele würden nun selbst den Einbau von Solarmodulen in Erwägung ziehen. Um noch mehr Interessierten die Hemmung vor der Installation der eigenen Solaranlage zu nehmen, will das Ehepaar künftig häufiger Informationsveranstaltungen im Garten organisieren.

© SZ vom 16.09.2021/sab
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