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Hilfe in der Krise:Niemand soll durchs Raster fallen

Corona und die Geschlechter

In der Krise sind viele Familien überfordert - auch finanziell.

(Foto: dpa)

Der Landkreis hat mit Wohlfahrtsverbänden einen Spendenfonds für Menschen eingerichtet, die durch die Corona-Krise in Not geraten sind. Unterstützung erhält nur, wer keine staatlichen Leistungen bekommt.

Von Iris Hilberth, Landkreis

Die Corona-Pandemie hat auch im Landkreis München viele Menschen in Existenznot gebracht: Jobverlust, lange andauernde Kurzarbeit oder zusätzliche Kosten für Familien durch Homeschooling können Gründe dafür sein. Nicht bei jedem greifen die vom Gesetzgeber auf den Weg gebrachten Hilfsprogramme.

Manche fallen ganz einfach durchs Netz, insbesondere Menschen, bei denen das Geld immer gerade so gereicht hat. Für sie hat der Landkreis jetzt gemeinsam mit den Wohlfahrtsverbänden und Nachbarschaftshilfen einen spendenfinanzierten Corona-Nothilfefonds ins Leben gerufen. Mit den Spendengeldern sollen die Träger der freien Wohlfahrt unverschuldet in Not geratenen Landkreisbürgern schnell und unbürokratisch helfen.

Zum Beispiel einer Witwe. Zu ihrer kleinen Rente hat sie sich in der Gastronomie in normalen Zeiten etwas dazu verdient, damit sie über die Runden kommt. Doch kellnern kann man derzeit bekanntlich nicht, kein Minijob für sie also seit einem Jahr, und das bringt sie in ernste finanzielle Schwierigkeiten. Oder die fünfköpfige Familie, der Vater in Kurzarbeit, der jüngste Sohn in der vierten Klasse, es geht um den Übertritt. Er würde es in die Realschule schon schaffen, mit ein bisschen Nachhilfe. Doch die kann sich die Familie nicht leisten.

Viele haben Angst, die Wohnung zu verlieren

Wenn alle ganztägig zu Hause sind, steigen die Nebenkosten für die Wohnung, auch die Digitalisierung reißt ein Loch in die Kasse. "In unseren sozialen Einrichtungen begegnen uns täglich sehr viele Menschen, die durch die Corona-Krise in soziale und finanzielle Not geraten sind", sagte Andrea Betz, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände bei einem Pressegespräch zum Start des Nothilfefonds. Viele hätten große Angst, ihre Wohnung zu verlieren oder sie sorgten sich um die Entwicklung ihrer Kinder, so Betz.

Mit den Corona-Nothilfefonds sollen diese Menschen nun wertvolle Einzelfallhilfe bekommen. "Wir wissen, dass das kein Allheilmittel ist, daher wollen wir nicht nur Geld geben, sondern auch eine Beratung dazu anbieten", sagte Betz, "es soll ein Zeichen sein, dass wir an alle Menschen denken, damit sich niemand abgehängt fühlt und an Corona verzweifelt." Landrat Christoph Göbel (CSU) zeigte sich froh darüber, dass die Wohlfahrtsverbände und Nachbarschaftshilfen bereit waren, in einer spontanen und trägerübergreifenden Aktion initiativ zu werden.

Immobilienbesitzer sollen nicht profitieren

"Wir wissen, dass es im Landkreis viele Menschen gibt, die für staatliche Hilfen zu viel, für das Leben im Landkreis München aber zu wenig haben. Und die trägt es in der Pandemie aus der Kurve", sagte Göbel. Der Fonds sei ausdrücklich nicht für diejenigen gedacht, die Hilfen bekämen. Denn dann würde die Spende davon abgezogen, "und der Staat spart sich was, das wollen wir nicht", betonte der Landrat. Auch diejenigen, die Schwierigkeiten bekommen, in der Krise die Raten für ihre teure Immobilie abzuzahlen, sollen nichts aus diesem neuen Topf bekommen. "Es geht nicht um Menschen, bei denen Vermögensposten dagegen stehen, sondern um diejenigen, die auf nichts zurückgreifen können", sagte Göbel.

Der Landrat ist zuversichtlich, dass sich das von der Sparkasse kostenlos zur Verfügung gestellte Spendenkonto bald füllen wird. "Es gibt sehr viel Spendenbereitschaft, Menschen, die finanziellen Spielraum haben und wissen, es gibt Not", so Göbel. Er sieht in dieser Gemeinschaftsaktion den Beweis für eine solidarische Gesellschaft im Landkreis München. So könne man Hilfe vor Ort leisten und wisse auch, dass sie dort zu hundert Prozent und unbürokratisch ankomme. Es handele sich nicht um Geld der öffentlichen Hand, stellte er klar, der Landkreis trage allerdings die Verwaltungskosten. So hatte es der Kreistag kürzlich beschlossen.

Landkreisbürger, die durch die Pandemie in finanzielle Not geraten sind, können sich per E-Mail (coronanothilfelandkreismuenchen@web.de) melden oder an eine ihnen bekannten Beratungsstelle der Wohlfahrtsverbände wenden. Beteiligt sind die Caritas im Landkreis München, die Arbeiterwohlfahrt München-Land, der Paritätische Oberbayern, die Diakonie München und Oberbayern, der Kreisverband München des Bayerischen Roten Kreuzes, die Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern und die Arbeitsgemeinschaft der Nachbarschaftshilfen im Landkreis München.

Die Gewährung von Zuschüssen erfolgt ausschließlich durch sie, die Wohlfahrtsverbände und Träger prüfen auch die Bedürftigkeit der potenziellen Spendenempfänger. Die Spenden sind immer zweckgebunden, zum Beispiel für Reparaturen oder Geräte fürs Homeschooling. Empfänger müssen gegebenenfalls in der Lage sein, dies nachzuweisen. Bei einer finanziellen Hilfe bis zu 500 Euro können die Berater selbst entscheiden, geht es um höhere Summen, wird die Geschäftsführung mit einbezogen.

Der Corona-Nothilfefonds des Landkreises München wird zunächst befristet bis zum 31. Dezember 2021 eingerichtet. Sollte mehr Geld eingehen, als an die durch die Pandemie bedürftig gewordenen Bürgerinnen und Bürger ausgezahlt werden kann, sollen finanzielle Leistungen auch anderen Bedürftigen im Landkreis zugutekommen, die nicht primär aufgrund der Corona-Pandemie in Schwierigkeiten geraten sind, zum Beispiel über die Tafeln und Tische im Landkreis, die Obdachlosenberatungen oder Sozialberatungen.

Weitere Informationen unter www.landkreis-muenchen.de/coronanothilfe; Spendenkonto: Coronanothilfe LK München, Kontoinhaber: Arbeiterwohlfahrt Kreisverband München-Land e.V., IBAN: DE61 7025 0150 0029 6183 86, Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg

© SZ vom 30.03.2021
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