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Anonyme Drohbriefe:Polizeipräsenz soll Eltern beruhigen

Unterhachings Polizeichef Stefan Schraut.

(Foto: Claus Schunk)

Nach den rassistischen und antisemitischen Drohungen gegen Kindergartenkinder in Unterhaching fahren Beamte vermehrt Streife. Auch Rathäuser und Behörden haben ähnliche Briefe erhalten.

Nachdem elf Kindertageseinrichtungen in Unterhaching Drohbriefe mit rassistischen, antisemitischen und menschenverachtenden Inhalten in ihrem Postkasten gefunden haben, fährt die Polizei Streife vor allen Kindergärten, Krippen und Horten in der Gemeinde.

Der Antisemitismus-Beauftragte der bayerischen Staatsregierung, Ludwig Spaenle, sprach am Montag sowohl mit Unterhachings Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) als auch mit Charlotte Knobloch, der Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde in München und Oberbayern. "Wir dürfen nicht tatenlos zuschauen, dass kriminelle Personen unseren Kindern Gewalt androhen und sie gefährden", sagte Spaenle.

Eine akute Bedrohung besteht laut der Unterhachinger Gemeindeverwaltung nicht. Auch Unterhachings Polizeichef Stefan Schraut beruhigt: "Wir überwachen auch noch in den nächsten Tagen, ob sich etwas Auffälliges tut oder sich jemand der Einrichtung nähert, der nichts mit dem Kindergarten zu tun hat." Die Polizeipräsenz soll vor allem zur Beruhigung der Eltern und des Personals dienen. Anders als am Montag zunächst gemeldet, sind offenbar in Höhenkirchen-Siegertsbrunn und Taufkirchen keine Kindertagesstätten von den Drohungen betroffen. Ottobrunns Polizeichef Armin Ganserer hat seine Beamten nach eigenen Worten für das Thema ebenfalls sensibilisiert. Bisher sei in seinem Zuständigkeitsbereich aber noch kein Drohbrief aufgetaucht.

In Unterhaching hat die Gemeinde am Montag Eltern per Schreiben informiert. "Die Polizei ermittelt mit Hochdruck, geht aber davon aus, dass für alle Einrichtungen, für die Kinder und das pädagogische Personal keinerlei akute Gefährdung besteht", teilt Bürgermeister Panzer den Eltern darin mit. Er wirbt um "Vertrauen in die ermittelnden Beamten". Panzer hat selbst seinen Sohn im Kindergarten. "Da hat man als Eltern am Anfang schon ein mulmiges Gefühl."

Mit Hakenkreuz versehene Briefe

Das Polizeipräsidium München hatte am Montag über die mit einem Hakenkreuz versehenen Briefe informiert, in denen ein anonymer Verfasser Kinder mit ausländischen Wurzeln als "biologischem Müll" und "Dreck aus dem Nahen Osten" bezeichnet. Laut Polizei soll der Täter ein Ultimatum bis Montag, 10 Uhr, gesetzt haben. Wenn bis dahin nicht alle jüdischen und muslimischen Kinder aus den Kindergärten hinausgeworfen würden, wolle er vergiftete Süßigkeiten auslegen oder mit einem Lastwagen einen Anschlag auf Kindergartenausflüge verüben. Die Polizei kommt nach einer Analyse zu dem Schluss, dass diese drastischen Drohszenarien nicht ernst zunehmen sind.

"Wir haben zunächst auf diese erste Einschätzung gewartet und die Eltern dann informiert", sagt Unterhachings Rathaussprecher Simon Hötzl. Daraufhin habe man im Rathaus beschlossen, die Kitas am Montag ganz normal zu öffnen. "Es ist nicht festzustellen, dass weniger Kinder in den Kindergarten gekommen sind." Allerdings habe er viele Anrufe von Eltern bekommen, sagt Hötzl. Einige Eltern und Großeltern hätten sich gewünscht, früher von den Briefen zu erfahren. Barbara Scheruga etwa zeigte sich am Dienstag verärgert darüber, dass die Kindertagesstätte Arche Noah nicht bereits am Freitag die Nachricht weitergab.

Die Gelegenheit hätte sich geboten. Die Eltern der Vorschulkinder waren im Haus, am Abend blieben die Kinder zum Übernachten. Auch eine Nachtwanderung wurde unternommen. Dass der Informationsbrief erst am Montag kam, findet Scheruga enttäuschend. Die Familie habe sich "maßlos geärgert".

Gabriele Pilgrim, die Leiterin der Tagesstätte Froschkönig, ist schockiert wie alle ihre Kollegen, findet aber: "Die Gemeinde und die Polizei haben sofort reagiert. Die Beamten waren auch bei uns, das hat uns sehr geholfen." Seit Dienstag sei "die erste Panik weg", alle Kinder seien wieder am Morgen in der Einrichtung erschienen.

Die anonymen Drohbriefe an die Unterhachinger Kitas sind nicht die ersten im Landkreis. Bereits Anfang Juli hätten Behörden, Rathäuser und das Landratsamt Schreiben mit "volksverhetzendem Inhalt und bedrohlichem Charakter " erhalten, teilt das das Polizeipräsidium München mit. Darunter waren die Gemeindeverwaltungen von Unterhaching, Taufkirchen, Oberhaching, Sauerlach, Ottobrunn und Haar. Unterhachings Inspektionsleiter Schraut berichtet von rechtsradikalem Inhalt. Der Verfasser sei "total irre", die mehrere Seiten umfassenden Briefe seien "völlig verwirrt" geschrieben.

Im Schreiben an das Rathaus Unterhaching seien einzelne Mitarbeiter sowie Beamte der örtlichen Polizeiinspektion namentlich bedroht worden. Aus dem Haarer Rathaus heißt es, in dem Brief sei gefordert worden, "einzelne Personen" zu verhaften. Der Brief wurde am 6. Juli der Polizei übergeben. Auch das Landratsamt bestätigt den Eingang eines anonymen Schreibens. Zum Inhalt und zu Reaktionen unter den Mitarbeitern wollte man sich am Dienstag wegen der laufenden Ermittlungen der Polizei nicht äußern.