Forum Humor:Wenn zwei sich streiten - lacht am Ende Bernried?

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Ehemalige Viehmarkt-Bank in München, 2017

Ist die ehemalige Viehbank im Münchner Schlachthofviertel als Standort für das Forum Humor und Komische Kunst noch eine realistische Option? Bernried am Starnberger See empfiehlt sich als Alternative.

(Foto: Stephan Rumpf)

München zeigt sich bei den Planungen für das Forum Humor wenig kooperativ. Die Organisatoren fassen nun die Gemeinde am Starnberger See als Standort ins Auge.

Von Rosanna Großmann und Susanne Hermanski, Bernried

Reinhard Wittmann ist verärgert. Seit Jahren kämpft er gemeinsam mit Gerhard Polt, Peter Gaymann und manch anderer Größe der Kabarettisten-, Komiker- und Karikaturisten-Szene der Stadt München um einen idealen Ort für das "Forum Humor". Fast ebenso lang ist dafür schon die alte Viehbank auf dem Münchner Schlachthofgelände im Gespräch. Nun hat die Stadtverwaltung bekanntgegeben, sie wolle die kulturelle Nutzung des Gebäudes erst einmal öffentlich ausschreiben - und nicht dem Forum Humor direkt den Zuschlag dafür geben. Ein langwieriger Prozess mit ungewissem Ausgang, der mindestens ein bis zwei weitere Jahre Zeit in Anspruch nehme, glaubt Wittmann, und geradewegs dazu erdacht sei, um den Verein endgültig zu entmutigen. Und das nach allem, was die Aktivisten schon investiert haben. Dazu gehört auch eine Machbarkeitsstudie, die sie auf eigene Kosten für das sanierungsbedürftige Haus erstellen ließen.

Doch Wittmann, Polt und Co. zeigen sich kampfesbereit: "Wir verlieren auch dadurch nicht die Lust an dem Projekt", sagt Wittmann. "Erst recht nicht, nachdem das neue Münchner Volkstheater in direkter Nachbarschaft fertig ist. Wie produktiv das Zusammenspiel sein könnte, kann man jetzt sehen." Ein Ausstiegsszenario hat er trotzdem ebenfalls schon in der Tasche: Bernried, einer der idyllischsten Orte am Starnberger See und Sitz des Buchheim Museums, beheimatet gerade das erste Sommerfestival des Forums Humor, mit einer Open-Air-Ausstellung und vielerlei Veranstaltungen. "Dort empfängt man uns mit offenen Armen", sagt Wittmann.

An diesem Donnerstag wird im Kommunalausschuss des Münchner Stadtrats darüber verhandelt werden. Die SPD-Fraktionsvorsitzende Anne Hübner bemüht sich unterdessen bereits, die Wogen zu glätten. Immerhin steht das Bekenntnis der Partei zu dem Projekt sogar im Koalitionsvertrag mit den Münchner Grünen. "Wir stehen weiterhin voll und ganz zum Forum Humor in der Viehbank", sagt Hübner. "Wir werden darauf drängen, dass die Prozesse es eben nicht bremsen, auch wenn die Verwaltung sie für juristisch geboten hält. Wir sind in der Lage, da konkrete Vorgaben zu machen. Etwa eine Ausschreibung bis spätestens vor Weihnachten und eine Entscheidung, die spätestens ein halbes Jahr später zu folgen hat." Und Hübner ergänzt, sie könne sich durchaus vorstellen, dass in dem Gebäude neben dem Forum Humor am Ende noch zusätzliche "Partner aus der Münchner Kreativwirtschaft Platz finden".

In der Spätsommeridylle des Bernrieder Klosters der Missionsbenediktinerinnen tagten unterdessen an diesem Montag das Forum Humor und die Bayerische Museumsakademie. Gemeinsam ging man nicht etwa der Frage nach, ob die Münchner diesmal vielleicht nicht zuletzt lachten, sondern die Bernrieder - gemäß Tagungstitel diskutierte man vielmehr launig: "Lässt sich Humor in Vitrinen sperren?" Dass den Planern des Forums Humor nichts ferner liegt, ist offenkundig bei diesem Humor-Festival. Auf ganz Bernried verteilt, stellen 23 Künstler aus. Eine Installation des Kabarettisten David Berlinghof etwa lockt Besucher und Zufallspassanten ans Seeufer - wo sie auf ansteckendes Gelächter im "Lachwald" stoßen, das die Flanierenden zwischen den Bäumen auslösen.

"In Bernried haben wir im Vergleich zu München ganz andere Bedingungen", sagt Wittmann, "wir müssten das Projekt neu denken." Denn das Ausstellungskonzept, das Nicola Lepp und Susanne Wernsing auf der Tagung ebenfalls vorstellten, ist maßgeschneidert für das Haus im Schlachthofviertel. Demzufolge ist aber auch dort der Humor gerade nicht in Glaskästen zu bestaunen. Es werde keine bestehende Sammlung ausgestellt. "Besucher können vielmehr selbst etwas produzieren, das zum Lachen bringt", erläuterte Wernsing das Konzept aus Versuchsanordnungen und Übungen. Ein Besuch im Museum erhalte eher "Aufführungscharakter". Einen Parcours mit 21 kleinen, sich ergänzenden Etappen habe man dafür erdacht. Mechanismen des Komischen wie Ansteckung, Entfremdung, Erschütterung, Entladung und Verzerrung seien darin aufgegriffen.

Bernrieds Bürgermeister sieht im Forum Humor einen Tourismus-Magneten

Des Weiteren gehört zum Konzept des Forums die Zusammenarbeit mit Protagonisten aus den Bereichen Kabarett, Comic, Film, Comedy, Theater, Karikatur und Literatur, besonders mit jungen Akteuren. Dafür solle es Workshops und eine eigene kleine Probebühne geben. Wittmann ist die Kooperation mit der regionalen und lokalen Komikszene wichtig. Titanic-Mitherausgeber und "Caricatura"-Museumsleiter Achim Frenz, der ebenfalls nach Bernried gereist war, hielt unterdessen auf der Tagung schon die Flagge des gesamtdeutschen Humors hoch. Er besitze Beweise, dass der durchaus "erstklassig" sei - und damit reif für das ersehnte Forum.

Und was sagt Bernrieds Bürgermeister Georg Malterer dazu, dass seine Gemeinde plötzlich zum Daueraufenthalt des Forums Humor avancieren könnte? Er würde sich freuen über die zusätzlichen Touristen, die das Haus des Humors anziehen könnte, meint er. Also bleibt abzuwarten, wer in dieser Causa zuletzt lacht.

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