Pflege in München Eine moderne Kinderklinik funktioniert nicht ohne Personal

Imposanter Anblick: der erste Stock der neuen Kinderklinik steht. Doch gelöst sind die Probleme damit noch lange nicht.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • An zwei großen Neubauprojekten von Kinderkliniken in München wird derzeit gearbeitet - in Schwabing und in Großhadern.
  • Die Stiftung Kinderklinik setzt sich dafür ein, dass möglichst viele Personalwohnungen in Schwabing entstehen.
  • Insgesamt 800 Millionen Euro steckt das städtische Klinikum in die Neu- und Umbauten all seiner Standorte in den kommenden Jahren.
Von Inga Rahmsdorf

Klickt man auf "Notfallversorgung", färbt sich die gesamte Tabelle rot. Die Intensivstationen der fünf Münchner Kinderkliniken haben sich abgemeldet. Es ist der 28. Mai, 12 bis 21 Uhr. Die gleiche Situation zeigte sich am 23. Mai, 13 bis 20 Uhr, und am 16. Mai, 15 bis 22 Uhr. Während dieser Zeiten hatten alle Kinderkliniken ihre Intensivstationen auf Rot geschaltet. Damit signalisieren sie, dass sie keine freien Kapazitäten mehr haben.

Auf der Internetseite der Leitstelle Ivena, die frei zugänglich ist, kann man täglich verfolgen, wie häufig sich Kliniken in München in bestimmten Bereichen abmelden, weil sie keine Patienten mehr aufnehmen können. Besonders betroffen sind die Intensivstationen der Kinderkliniken, aber auch die Notaufnahmen für Erwachsene. In einzelnen Fällen kommt es vor, dass Patienten in andere Städte verlegt werden müssen, weil sie in München nicht mehr versorgt werden können. Häuser wie die städtischen und die universitären Kliniken haben allerdings einen Versorgungsauftrag. Oft machen sie das Unmögliche doch noch möglich. Dann kommt es zu sogenannten Zwangsbelegungen, geschlossene Betten werden geöffnet, Ärzte und Pfleger leisten weitere Überstunden und arbeiten an freien Tagen. Oder Patienten werden schneller von der Intensiv- auf andere Stationen verlegt.

Gesundheit in München Kinderkrebsstation in Not
Haunersche Kinderklinik

Kinderkrebsstation in Not

Schon 2005 wurde vor Personalproblemen in der Haunerschen Kinderklinik gewarnt. Nun sind sie derart massiv, dass krebskranke Kinder abgewiesen werden müssen.   Von Inga Rahmsdorf

Es müsse etwas geschehen und zwar dringend, sagt Armin Grübl, Leiter der Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Schwabing. Er führt durch das Treppenhaus der Kinderklinik, die bisher in einem der Altbauten untergebracht ist. Durch die Fenster blickt man auf die Baustelle der neuen Kinderklinik, die das städtische Klinikum gemeinsam mit der Klinik der Technischen Universität (TU) errichtet. Der erste Stock ist fertig, vier weitere sollen folgen. Auf dem Dach werden die Hubschrauber landen. Das Richtfest ist im Oktober geplant. 2020 soll der erste Neubau eingeweiht werden, 2022 der zweite. Dann wird der Altbau renoviert.

Die Baustelle in Schwabing ist eines von zwei großen Neubauprojekten von Kinderkliniken in München. Auch die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) plant seit Jahren ein neues Haunersches Kinderspital in Großhadern. Vor vier Jahren spendete der Sultan von Oman dafür schon 17 Millionen Euro. Der Baubeginn war für 2018 geplant. Dann geriet das Projekt ins Stocken. Nun rechne man mit einem Baubeginn Ende 2019 oder Anfang 2020, sagt ein Sprecher des Klinikums.

Doch die neuen, modernen Kliniken allein werden die Versorgungsengpässe in München nicht lösen. Das kann nur gelingen, wenn die Häuser mehr Pflegepersonal finden. Die Arbeitsbelastung gerade im Pflegebereich sei überall enorm hoch und der Mangel an Fachkräften wachse dramatisch, sagt Grübl. Die bayerische Wissenschaftsministerin Marion Kiechle hatte bei einem Besuch im Haunerschen im April angekündigt, noch vor Pfingsten einen Pflegegipfel einzuberufen, um Lösungen für den Personalmangel zu suchen. Der Gipfel soll am 19. Juni stattfinden, heißt es nun im Ministerium.

Kinderarzt Grübl will aber nicht nur über die Probleme reden, er kämpft auch dafür, dass sich etwas ändert. Mit Mitarbeitern des Schwabinger Klinikums, Eltern, Münchnern und prominenten Unterstützern engagiert er sich in der "Stiftung Kinderklinik Schwabing". Gemeinsam haben sie ein Konzept für einen Kindercampus entwickelt. Zentral in der Stadt, auf dem Areal mit den historischen Pavillonbauten, sollen Einrichtungen entstehen, die sich um kranke Kinder, Jugendliche und deren Familien kümmern. Und Grübl ist zuversichtlich: "Wir haben eine Zukunft und eine Vision."