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Internationales Figuren-Theater-Festival:Im Körper von Fremden

Internationales Figurentheater Festival 2021

In „Bei Vollmond spricht man nicht“ bricht eine Puppen-Prinzessin zur Heldinnenreise auf.

(Foto: Klaus Zinnecker)

Das Internationale Figuren-Theater-Festival in Franken zeigt zwanzig innovative Projekte. Diese bieten kontaktlose Begegnungen am Telefon, Kurzfilme und Live-Streams.

Von Barbara Hordych

Welch poetische Blüten ein banaler Verhörer treiben kann, zeigt das Stück "Bei Vollmond spricht man nicht". Der Titel, eine Verballhornung der Ermahnung "Mit vollem Mund spricht man nicht", gehört zu einer Produktion des Theaters Zitadelle aus Berlin und entzückte bereits im vergangenen Herbst in der Pasinger Fabrik die Zuschauer: Es erzählt eine klassische Heldenreise weiblicher Prägung, in der eine kleine Puppen-Prinzessin ihrem Schauspieler-Vater-König gegenüber darauf beharrt, die eigentlich nur für Jungs vorgesehene "Mutprobenreise" anzutreten. Die Aufführungen am 14. und 15. Mai werden aus der Schaubude Berlin live gestreamt (15 und 11 Uhr).

Wohin die Reise auch führen mag, das Publikum darf sich trotz vieler auf den Sommer verschobener Aufführungen auf so manche spannende, wenn auch kontaktlose Begegnung freuen bei dem 22. Internationalen Figurentheaterfestival Erlangen/Nürnberg/Fürth. Vom 7. bis zum 16. Mai laden zwanzig Projekte dazu ein, die ganze Bandbreite dessen zu entdecken, was sich an innovativen und kreativen Formaten im Bereich des virtuellen Theaters in den letzten Monaten entwickelt hat. Compagnien aus Deutschland, El Salvador, Frankreich, Israel, Österreich, Türkei, den USA und der Schweiz präsentieren ein umfangreiches städteübergreifendes Programm, das Begegnungen am Telefon umfasst, Instagames, interaktive Performances, Installationen und Kurzfilme.

Internationales Figurentheater Festival 2021

Der Kurzfilm „Lockdown of Angry Wife“ erzählt aus dem Pandemie-Alltag einer Comic-Figur.

(Foto: Angry Wife)

Im Film Lockdown of Angry Wife wird etwa eine Geschichte über Depression, Einsamkeit, Aggression sowie den Umgang damit erzählt. Angry Wife zwingt sich in der Corona-Krise zur Selbstisolation und erlebt die Zeit im Lockdown zwischen dem Alleinsein und dem Wunsch nach menschlichen Begegnungen. Die Comic-Figur Angry Wife, geschaffen von der Nürnberger Künstlerin V. Solner, wurde mit Stop-Motion-Technik für den zehnminütigen Film animiert, der während des Festivals jederzeit frei zugänglich im Glashaus in Nürnberg zu sehen ist.

Ausgangspunkt für die Performance "Be Arielle F" des Schweizer Künstlers und Videofilmers Simon Senn war der Kauf der digitalen Kopie eines weiblichen Körpers auf einer Internetplattform. Mit dem Einsatz von Virtual Reality Technologien ist es ihm gelungen, die 3D-Darstellung des weiblichen Körpers selbst zu verkörpern - indem er mit seinem Körper in den Avatar schlüpft. Eine Suche beginnt, geleitet von der Frage: Wer ist die Frau, die ihren Körper für zwölf Dollar "verkaufte"? Die Vorstellungen werden am 11. und 13. Mai, jeweils 20 Uhr, live gestreamt.

Pressebilder: Figurentheaterfestival.
Vermerk: Be Arielle

Credit: Simon Senn

Das Foto ist für den Titel im aktuellen Extra eingeplant, die Rechte sind print und online freigegeben.

Der Schweizer Videofilmer Simon Penn schlüpft in „Be Arielle F“ in den Körper eines weiblichen Avatars.

(Foto: Simon Senn)

In dem Stück "Alarm im Streichelzoo" von der Münchner Schauburg schlüpfen sogar Schauspieler in fremde Körper - in Hamster-Ganzkörper-Kostüme. Via Live-Stream verfolgen die Zuschauer, wie ein Tierpfleger seltsame Spielchen mit den fiependen Fellbergen treibt, sie einen nach dem anderen für Versuche an ein Labor ausliefert. Oder doch nicht? Denn über das Schicksal der Hamster, von denen in der Onlineversion des Stücks jeder sein eigenes Zoom-Fenster erhält, kann am 15. Mai um 16 Uhr das zugeschaltete Publikum entscheiden.

22. Internationales Figuren-Theater-Festival Erlangen/Nürnberg/Fürth, Fr., 7., bis So., 16. Mai, Programm online und interaktiv unter www.figurentheaterfestival.de

© SZ vom 06.05.2021/van
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