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Immer mehr Leerstand:In der Maximilianstraße wird München zur Geisterstadt

Ehemalige Schicki-Treff-Ecke: Maximilianstraße/Altstadtring

Auch das Vorstadt-Café Centro im Campari-Haus hat dichtgemacht.

(Foto: Florian Peljak)

Ob Schumann's, Café Roma oder Bar München: Die Maximilianstraße war dort, wo sie den Altstadtring kreuzt, lange Zeit ein gesellschaftlicher Hotspot. Derzeit wirkt die Ecke geradezu verwaist.

Könnte man das Eigenschaftswort "tot" steigern, denn wäre hier die töteste Ecke der Innenstadt. Es weitet sich zwar die Maximilianstraße beim Altstadtring zu einem urbanen Platz mit geradezu herrlichem Blick auf das Maximilianeum. Aber der bietet derzeit auch ein Bild des Jammers.

Münchens Luxus-Einkaufsmeile ist noch mit dem Gucci-Flagship-Store und der Dependance der Pariser Designermodemarke Maison Margiela vertreten. Aber direkt daneben sperren schon seit Monaten Bauzäune und Schuttcontainer die Häuser ab. Das Café im Süden des Platzes ist seit Wochen geschlossen, die Tische und Stühle sind auf der Terrasse zusammengeräumt, auf dem Tisch neben dem Eingang steht eine halb volle Weißweinflasche: Lugana natürlich, der Münchner Hauswein.

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Auf beiden Seiten der Maximilianstraße geht es in die Unterführung unter den Altstadtring. Die längst funktionslos gewordenen Rolltreppen sind mit großen Kübeln voller zerrupfter Palmen zugestellt. Es sieht aus wie auf den Bildern verlassener Geisterstädte, wie man sie aus dem Internet kennt. Würde jetzt noch jemand eine brennende Mülltonne hinstellen, an der sich Obdachlose wärmen, würde man sich gar nicht so besonders wundern.

Dabei war diese Ecke der Altstadt vor gar nicht so langer Zeit das, was man heute einen gesellschaftlichen Hotspot nennt. Am südlichen Ende befand sich das Schumann's, jene legendäre Bar, wo sich jener Teil der Münchner Schickeria traf, der sich zu den Künstlern und Kreativen, zu den Dichtern und manchmal auch zu den Denkern zählte.

Stets etwas missmutig bewacht von Charles Schumann, der analog zum Münchner Jahrhundertkoch Eckart Witzigmann eigentlich den Titel "Jahrhundert-Barkeeper" tragen müsste. Auf der anderen Seite aber befand sich das Café Roma mit seiner ausladenden Sonnenterrasse. Hier ging's weniger ums intellektuelle Auftrumpfen. Hier galt man eher was, wenn man beim FC Bayern spielte oder lange blonde Haare hatte sowie ein kurzes, schwarzes Kleid und einen anhimmelte, der beim FC Bayern spielte. So in der Richtung.

Es herrschte jedenfalls reges Treiben an dieser Ecke. Und auch unter dem Ring war wesentlich mehr los. Das Lenbachhaus zeigte dort im sogenannten Kunstforum bis 1995 gar internationale Kunst von Blinky Palermo oder Joseph Beuys, aber auch große Namen aus der Kunstszene der Stadt wie Gerhard Merz und Beate Passow.

Heute gibt das städtische Kulturreferat dort jungen Künstlern Gelegenheit, ihre meist multimedialen Werke zu zeigen. Ob sich aber jemand dort runtertraut, außer zur Eröffnung oder zur Abschlussveranstaltung? Die durchaus geräumige Unterführung wirkt recht verlassen; von einer Deckenverstrebung hängt ein Paar verknoteter Turnschuhe, wohl noch ein Überbleibsel von einer sommerlichen Kunststudentenfete.

Mit den Lokalitäten ging es bergab

Oben sieht es derzeit nicht viel besser aus. Ende November hat das Vorstadt-Café Centro im Campari-Haus an der Südecke dichtgemacht, es befindet sich im Insolvenzverfahren. Die beiden Brüder Giovanni Antonio und Michele Macari mussten zum selben Zeitpunkt auch ihr Vorstadt-Café in der Türkenstraße 83 schließen, eine typische In-Kneipe, die lange Zeit ein beliebter Frühstückstreff in der Maxvorstadt war, aber auch als Bar funktioniert hatte.

Dann ging's bergab, auch im Ableger an der Maximilianstraße. "Grund für die jeweilige Schließung war die fristlose Kündigung der Mietverträge aufgrund von Zahlungsrückständen", sagt Insolvenzverwalter Thomas Unterstein. Bevor vom Gericht die Insolvenzverwaltung angeordnet wurde, hatte es bereits Räumungsklagen gegeben, "die in erster Instanz zugunsten der jeweiligen Vermieterinnen entschieden wurden". Beide Lokale könnten nicht weiterbetrieben werden, weil die Vermieter nicht zu einem neuen Mietvertrag bereit sind, so der Insolvenzverwalter.

Zwei Häuser weiter, an der Maximilianstraße 36, war bis Mitte vergangenen Jahres die Bar München. Sie folgte 2003 auf das Schumann's, das an den Odeonsplatz umgezogen war. Der Laden lief zwar ganz gut, aber dann kam es zum Streit mit dem Vermieter, es folgte die Kündigung. Jetzt wird umgebaut, seit einem halben Jahr. Container stehen auf dem Gehsteig hinter einem vergitterten Bauzaun und Plastikplanen. Eine Bar oder ein Restaurant wird hier angeblich nicht mehr einziehen. Dem Vernehmen nach soll nun ein Einzelhändler reinkommen.

Auf der anderen Straßenseite fast spiegelbildlich die gleiche Ansicht: Auch hier, im Haus Maximilianstraße 33, ein Bauzaun rund um das Erdgeschoss, Container, schwere Baumaschinen. Hier, wo viele Jahre eine Teppichhandlung war, wird sogar schon sehr viel länger umgebaut. Der Szene-Gastronom Gabriel Lewy, einstiger Betreiber des Café Roma im heutigen Gucci-Store und mehrerer anderer In-Lokale, will die Vergangenheit wieder aufleben lassen, im dann neuen Café Roma, fast an alter Stelle.

Das Haus gehört der Stadt, vor fünf Jahren bereits bekam er den Zuschlag, die Räume zu übernehmen. Doch dann gab es Probleme bei der Sanierung, der Stadtrat befasste sich mit der Statik des Hauses. Seither wird saniert und umgebaut, immer wieder musste Lewy die Eröffnung verschieben. "Jetzt sind wir aber mit dem Rohbau fertig", sagt er am Telefon. Ende März, Anfang April könne man vermutlich aufsperren.

Das hatte Gabriel Lewy vor zwei Jahren allerdings auch schon gehofft. Wenn's diesmal klappt, wäre das sicher nicht von Nachteil für die verlassenste Ecke der Altstadt. Bevor dort noch brennende Ölfässer aufgestellt werden.

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