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Kommentar zur IAA in München:Zugeständnisse statt Dialog

Im Münchner Zentrum wird der IAA kaum jemand entgehen können. Gerade deshalb hätte vor einer solchen Entscheidung ein Austausch mit den Bürgern stattfinden müssen

Das klingt alles ganz wunderbar: Die Auto-Messe IAA mausert sich zu einer Mobilitätsmesse, bei der es nicht mehr nur um Pferdestärken und dicke Autos geht, sondern um Nachhaltigkeit und die Abkehr vom klimaschädlichen Verbrennungsmotor. Die Stadt und der Freistaat stellen dazu öffentliche Flächen, sogenannte Open Spaces, zur Verfügung, damit alle mit den "Mobilitätsdienstleistern", als welche sich die Autobauer heute gern präsentieren, in den Dialog treten können. Das ist zukunftsweisend und der heutigen Zeit angemessen.

Über die Orte kann man allerdings streiten. Ursprünglich war dafür vor allem der Olympiapark vorgesehen, der sich seit vielen Jahren als Fläche für Events aller Art bewährt hat. Er ist großflächig, gut zu erreichen - und noch immer ein attraktives Aushängeschild der Stadt. Stattdessen sollen nun große Teile des Zentrums als Ausstellungsfläche herhalten - inklusive Hofgarten, Residenz und Marstallplatz. Der Olympiapark wurde wegen "Vorbehalten" der Aussteller verworfen. Auch wenn es keiner aussprechen will, dürfte die Nähe zur BMW-Zentrale ein Problem gewesen sein, obwohl der Hersteller angeboten hatte, sein weithin sichtbares Logo während der Messe zu verbergen.

Schon klar: Wegen der Corona-Krise kann die Stadt nächstes Jahr alles brauchen, was der Wirtschaft nützt. Und da ist es besser, lieber Zugeständnisse an die Veranstalter zu machen, als die Messe in letzter Minute doch noch zu verlieren. Trotzdem hätte vorab ein Dialog stattfinden müssen - nicht mit den Autobauern, sondern mit den Bürgern. Auch wenn sich die Macher sicher etwas einfallen lassen werden, um den strengen Richtlinien der Stadt für die Nutzung öffentlicher Plätze gerecht zu werden: Die IAA bleibt eine riesige Werbeveranstaltung, die nun die schönsten Flecken der Stadt tagelang belegen darf. Wer sich dafür interessiert, wäre sicher gern in den Olympiapark gefahren. Jetzt kommen die Münchner an der Messe kaum vorbei - ob sie wollen oder nicht.

© SZ vom 08.05.2020
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