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Helfer in München:So funktioniert Flüchtlingshilfe am besten

Flüchtlinge kommen aus Ungarn am HBF München an

Münchner Hauptbahnhof 2015, Sinnbild der Willkommenskultur.

(Foto: Florian Peljak)
  • Interessantes Ergebnis einer aktuellen Studie: Es sind die kleinen Initiativen, die den Flüchtlingen am meisten helfen. Verbände und die Politik sind zunächst zweitrangig.
  • Die "alten Hasen" werden auch in Zukunft einspringen, wenn Hilfe benötigt wird.
  • Nicht nur müssen künftig alle Seiten besser kooperieren, auch müssen Flüchtlingshelfer besser unterstützt werden.

Von Inga Rahmsdorf

Die Bilder vom Münchner Hauptbahnhof gingen um die Welt: Menschen, die Wasser und Decken verteilen, Dolmetscher, die übersetzen, Ärzte, die Flüchtlinge untersuchen. Der große Einsatz vieler Münchner Anfang September war beeindruckend. Für kurze Zeit standen sie im Licht der Weltöffentlichkeit. Mittlerweile sind die Kamerateams abgezogen, es ist ruhiger am Hauptbahnhof geworden, die Grenzkontrollen wurden verschärft, Züge werden um die Stadt herum geleitet. Doch die Arbeit der Menschen, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren, geht weiter - meist weitgehend unbeachtet im Hintergrund.

Was wird in Zukunft bleiben von der Hilfsbereitschaft, von der Weltstadt mit Herz, als die München gefeiert wurde? Wird das Engagement anhalten? Und wie wird sich die Flüchtlingsarbeit in Zukunft verändern?

Viele engagierte Bürger haben geholfen

Die Willkommenskultur, die sich am Münchner Bahnhof gezeigt hat, sei weder den großen Verbänden noch der Politik zu verdanken, sagt Gerd Mutz, Professor an der Hochschule München: "Sie wurde getragen von den vielen kleinen Initiativen, Gruppen und Freiwilligen, die sich schon seit Jahren in der Flüchtlingshilfe engagieren." Ja, es hätten viele Menschen mitgeholfen, die zum ersten Mal dabei waren.

Und auch eine Bundeskanzlerin, die die Grenzen öffnete, und ein Oberbürgermeister, der an den Hauptbahnhof kam und signalisierte, dass er das Engagement unterstütze, hätten diese Willkommenskultur befördert, so der Sozialwissenschaftler. Aber letztlich seien es die erfahrenen Münchner gewesen, "die alten Hasen", die sich schon seit Langem in der Flüchtlingshilfe engagieren, die all das koordiniert und auf die Beine gestellt hätten. Es seien die gleichen Freiwilligen gewesen, die bereits in den vergangenen Jahren den Hauptanteil der Integration von Flüchtlingen geleistet hätten.

Viele würden spontan wieder helfen

Gerd Mutz hat in Kooperation mit dem Munich Institut of Social Sciences das Engagement für Flüchtlinge in München untersucht, mehr als 130 Gespräche und Interviews geführt und die Ergebnisse diese Woche in einer Studie veröffentlicht. "Wir waren überrascht, wie viele kleine Initiativen und Gruppen es bereits gibt, die sich in allen möglichen Bereichen der Flüchtlingshilfe engagieren." Von der Tanzgruppe bis hin zu Patenschaften.

Eigentlich hatten Mutz und seine Kollegen bereits im Juni ihre Interviews beendet. Als dann Anfang September der Hauptbahnhof zum Schauplatz der Flüchtlingshilfe wurde, weiteten sie ihr Forschungsprojekt aus. Und trafen dort viele Helfer, die sie schon aus den früheren Befragungen kannten. Mutz geht davon aus, dass sich diese schnelle und spontane Hilfe wieder aktivieren ließe, falls erneut Tausende Flüchtlinge in München ankommen sollten.

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