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Flüchtlinge am Hauptbahnhof:Hilfe für die Helfer

Flüchtlinge in München

Eine Frau mit Kind auf dem Arm und weitere Flüchtlinge werden kurz nach ihrer Ankunft am Hauptbahnhof in München zu einem Zug gebracht, der sie in eine andere Stadt bringen soll.

(Foto: dpa)
  • Am Montag kamen noch 4457 Flüchtlinge am Münchner Hauptbahnhof an, für Dienstag rechnete die Regierung von Oberbayern mit 4300 Menschen.
  • Viele Flüchtlinge werden jetzt direkt mit Zügen in andere Städte gebracht.
  • Aus Bayern gab es deutliche Kritik an den Bundesbehörden.

Von Thomas Anlauf

Die Flüchtlingssituation am Hauptbahnhof hat sich am Dienstag weiter beruhigt. Kamen nach Angaben von Regierungspräsident Christoph Hillenbrand am Wochenende noch etwa 20 000 Asylbewerber an, so sank die Zahl am Montag auf 4457 Flüchtlinge, für Dienstag rechnete Hillenbrand dann mit 4300.

Der Regierungspräsident sprach von einer "kleinen Entspannung zum Durchschnaufen". Um die Lage weiter zu entschärfen, wurden am Dienstag zahlreiche Flüchtlinge mit Sonderzügen von München aus nach Berlin, Celle und Düsseldorf gebracht.

Ein Zug aus Salzburg wurde direkt nach Düsseldorf umgeleitet. Insgesamt sei München so um rund 2000 Geflüchtete entlastet worden. Weitere 1350 Asylbewerber wurden mit 27 Bussen zu anderen Standorten in Bayern und in andere Bundesländer gebracht. Dass noch am Dienstagabend ein Sonderzug nach Frankreich aufbrechen würde, schloss Hillenbrand aus.

Allerdings seien inzwischen Franzosen in München angekommen, die an einer Weiterverteilung arbeiten würden. Hillenbrand berichtete außerdem von einer Anfrage aus Wien, ob München zehn Busse mit Flüchtlingen aufnehmen könne. Das aber habe er abgelehnt. "München und Oberbayern können nicht die Probleme im weiteren Umkreis lösen."

Altes Osram-Gelände soll genutzt werden

Die Stadt sei "weiterhin stark belegt". Unterdessen stockt die Regierung von Oberbayern die Zahl der Übernachtungsplätze weiter auf - auf bislang 4700. In Dornach im Landkreis München wurde eine Notunterkunft mit bis zu 1500 Plätzen eingerichtet.

Eine Halle der Firma Osram soll bald als neues Quartier genutzt werden, auch mit Siemens ist die Stadt laut Sozialreferentin Brigitte Meier im Gespräch. Die Unternehmen wollen laut Meier "kein Geld damit verdienen, sie sagen aber: Kümmert euch um die Nachbarn". Hintergrund ist wohl auch, dass die beiden derzeit genutzten Messehallen bald wieder geräumt werden müssen. Auch die Turnhalle des Münchner Luisengymnasiums soll möglichst bald als Notquartier geschlossen werden.

Hilfe für die Helfer

Zugleich greift die Stadt den ehrenamtlichen Helfern unter die Arme: Wer sich am Hauptbahnhof oder in den Notquartieren engagiert, soll künftig psychologisch begleitet werden. Den Kleidersammlern von der Diakonia stellt die Stadt längerfristig eine große Lagerhalle in Thalkirchen zur Verfügung.

Scharfe Kritik übte Sozialreferentin Meier an der Haltung der Bundesbehörden. "Es müssen die Behörden auf nationaler Ebene endlich in einen anderen Modus kommen, der dem entspricht, was wir hier seit Tagen leisten", sagte sie.

Bislang übernimmt das bayerische Sozialministerium die Koordination der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen. "Eine gewisse Hilfe des Bundes wäre schon wünschenswert", sagte auch Simone Kohn vom Sozialministerium. Seit Freitag habe ihr Ministerium einen Krisenstab, "wir haben die bundesweite Verteilung der Flüchtlinge initiiert", sagte Kohn.

Man hoffe nun, dass möglichst bald andere Städte eine Drehkreuzfunktion übernehmen wie München. Gefunden sei aber noch keine.

© SZ vom 09.09.2015/doen/rus

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