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Ankunft von Flüchtlingen:So herzlich präsentiert sich München

Willkommensgrüße, Notunterkünfte, Spenden: München reagiert mit Hilfsbereitschaft auf die am Hauptbahnhof angekommenen Menschen. Doch es gibt auch Zwischentöne.

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Flüchtlinge kommen aus Ungarn am HBF München an

Quelle: Florian Peljak

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Viele Flüchtlinge haben einen Fußmarsch von Budapest Richtung Österreich hinter sich und sind körperlich total erschöpft, manche haben erkennbar Schmerzen beim Gehen. Doch kaum verlassen sie auf Gleis 26 am Starnberger Flügelbahnhof ihre Züge, werden sie von freundlichen Polizisten in die Schalterhalle geleitet, wo ihnen Freiwillige erst einmal stilles Wasser, Snacks und Obst anbieten, ebenso wärmende Kleidung gegen den überraschend kalten Münchner Wind an diesem Wochenende.

Flüchtlinge kommen aus Ungarn am HBF München an

Quelle: Florian Peljak

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Danach geht es noch zum kurzen medizinischen Screening auf den Bahnhofsvorplatz in Zelte des Katastrophenschutzes - und auch da machen die Flüchtlinge wieder die Erfahrung, herzlich aufgenommen zu werden: Männer der Freiwilligen Feuerwehr nehmen ihnen Taschen ab oder tragen erschöpfte Menschen die Treppen hinunter zu den Zelten.

Ankunft von Flüchtlingen am Bahnhof München

Quelle: dpa

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Die Helfer lächeln die Ankömmlinge an, die syrischen Flüchtlinge strahlen manchmal matt, aber voller Dankbarkeit zurück. Aus der "humanitären Herausforderung" wird ein großartiges und menschliches Mit- und Füreinander.

Flüchtlinge kommen aus Ungarn am HBF München an

Quelle: Florian Peljak

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Die Stimmung am Münchner Hauptbahnhof ist fröhlich und freundlich an diesem Wochenende. Doch es gibt auch Zwischentöne, natürlich. Politische Diskussionen. Zwei jüngere Paare stehen etwas abseits der applaudierenden Münchner, die die Flüchtlinge begrüßen. Wie soll das nun alles weitergehen in der EU, fragt einer der Männer. Was ist, wenn alle Flüchtlings-Korridore nur noch nach Deutschland weisen, der zweite. Ist das "der Fluch der guten Tat", von dem vorhin schon ein Mann gesprochen hat? Als Lohn für die Willkommenskultur tragen "wir" die größte Last? Und die meisten Kosten? Antworten hat in der Gruppe noch keiner.

Flüchtlinge in München

Quelle: dpa

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Ein Mann, der am Wochenende für viele Überraschungen gut ist: Christoph Hillenbrand, der Präsident der Regierung von Oberbayern, von Amts wegen also zuständig dafür, alle Flüchtlinge unterzubringen. Und da zaubert er en passant immer wieder etwas aus der Tasche. Die Tennishallen in Keferloh am Freitag. Am Samstagmorgen wird bekannt, dass in der Richelstraße in Neuhausen etwa 1200 Flüchtlinge in einer Halle unterkommen können für die erste Versorgung.

Flüchtlinge in Münchner Messe untergebracht

Quelle: dpa

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Etwas später dann der nächste Coup: In den Hallen der Münchner Messe sollen ebenfalls Menschen unterkommen. Auf einer Zeichnung, in der Hillenbrand die Verteilungswege aufgezeichnet hat, ist von "Tausenden Plätzen" die Rede.

Flüchtlinge, die am HBF aus Ungarn ankommen

Quelle: Florian Peljak

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Am Samstagabend sperrt die Polizei die Gleise zwischen Donnersbergerbrücke und Hirschgarten. Gegen 21 Uhr haben Polizisten Flüchtlinge gesehen, die die Gleise überqueren. Für die Bahngleise ist die Bundespolizei zuständig, sie schickt Streifen und einen Hubschrauber los. Auf der Stammstrecke fahren keine S-Bahnen mehr. Um 22:17 Uhr geben die Beamten die Gleise wieder frei, die Suche verlief erfolglos. "Das Phänomen kennen wir seit etwa zwei Monaten vermehrt", sagt Polizeisprecher Simon Hegewald. Manche Asylsuchende orientierten sich an den Gleisen, um von einem Ort zum anderen zu kommen. "Gerade ältere Flüchtlinge sind sich offenbar der Gefahren nicht bewusst, an Gleisen entlangzulaufen." So sei eine Mutter am Hirschgarten in die Gleise gesprungen, weil ihre Familie noch in der S-Bahn saß. Am Ostbahnhof kletterte eine afghanische Großmutter mit ihrem Enkel ins Gleis, um zum Hauptbahnhof zu laufen, wo sie ihre Familie treffen wollte. Manchmal, so Hegewald, liefen Flüchtlinge an Gleisen entlang, wenn sie sich nicht in Deutschland registrieren lassen und weiter wollten, etwa nach Schweden.

Flüchtlinge kommen aus Ungarn am HBF München an

Quelle: Florian Peljak

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Die Spendenbereitschaft der Münchner ist enorm. Sie ist sogar größer als die Kapazitäten der Helfer. Seit Tagen bitten Polizei, Organisationen und ehrenamtliche Helfer, doch bitte keine Spenden mehr zu bringen. Auf Twitter verweisen die Beamten stattdessen auf die Webseite "Willkommen in München", die Caritas und Stadtverwaltung betreiben. Derzeit ist nicht nur am Hauptbahnhof kein Platz für weitere Kleidung und Nahrung, auch die Lager der Hilfsorganisationen platzen aus allen Nähten. Bei der Diakonia der Inneren Mission hat das teils absurde Folgen: Hier werden Helfer sogar beschimpft, weil sie nichts mehr annehmen können - von enttäuschten Spendern, die zu den Lagerhallen an der Dachauer Straße und am Moosfeld kommen und unverrichteter Dinge nach Hause gehen müssen. "Es freut uns sehr, dass wir all die Sachen bekommen haben, und sie werden auch direkt an die Flüchtlinge weitergegeben", sagt Klaus Honigschnabel von der Inneren Mission. Die Innere Mission sucht dafür "langfristige Helfer". Dolmetscher, Ehrenamtliche, sie sollen helfen, all die Spenden zu sortieren (www.diakonia.de/fluechtlinge).

© SZ.de/ebri
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