Erstes Münchner Drag-Festival:Eine Stadt verwandelt sich

Lesezeit: 2 min

"Drag-Daddy" der Münchner Szene: Ruby Tuesday hat das Festival kuratiert. (Foto: Verena Gremmer)

"Go Drag! Munich" spielt fünf Tage lang im Theater, in Ausstellungen, Lesungen und Filmen mit den Geschlechterrollen. Workshops und ein Flohmarkt helfen jedermann und -frau bei der Transformation.

Von Michael Zirnstein

Die beiden Kuratorinnen sehen schon mal nicht normal aus. Also normal in dem Sinn, wie man sich einen Drag-Künstler vorstellt. Bridge Markland hat sich den Kopf kahl geschoren und trägt einen zerschlissenen Kreuzritter-Umhang. Und Ruby Tuesday hat sich kantige Gesichtszüge geschminkt und einen pink glitzernden Moustache angeklebt. Sie stellt sich als "professioneller Gender-Clown" vor. Und wer sich nun wundere über Drag-Kings wie sie (oder ihn), und was das nun schon wieder für eine neue Masche sei, dem würde sie entgegenhalten, dass es "Hosenrollen" schon seit Ewigkeiten am Theater gebe.

Aber bemerkenswert ist das durchaus: Da gibt es heuer zum ersten Mal das "Go Drag!"-Festival in einer "Munich"-Edition, und im Mittelpunkt steht nicht das längst im TV-Hauptabendprogramm angekommene Spiel mit der prallen Weiblichkeit schillernder "Drag Queens". Sondern man fokussiert sich auf Drag-Kings, die männliches Verhalten und Aussehen zur Schau stellen, und Drag-Quings, also Gender-hybride Kunstfiguren. Letztlich soll das Festival aber möglichst viele Facetten dieser Subkultur beleuchten: fünf Tage lang, vom 1. bis zum 5. Mai, mit 30 Veranstaltungen an acht Orten.

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"München hat eine lebendige und vielfältige Drag-Szene", sagte der Zweite Bürgermeister Münchens und Schirmherr des Festivals, Dominik Krause, am Donnerstag bei der Programm-Präsentation im Gasteig HP8. Die Stadt unterstützt "Go Drag! Munich" mit 50000 Euro aus dem Etat für Gender-Gleichstellung. Schon an der Liste der beteiligten Institutionen - vom Gasteig über die Stadtbibliothek bis zur Kunsthalle und dem NS-Dokuzentrum - sehe man, so Krause, "dass München auf so ein Festival gewartet hat".

Ihre besten Moves bringt "Drag Race Germany"-Gewinnerin Pandora Nox den Teilnehmern ihres Workshops bei. (Foto: Pixelcoma)

In Berlin startete Brigde Markland "Go Drag!" 2002. "Ein My später", so Ruby Tuesday, sei es nun hier angekommen. Initiiert haben das Jan Geiger und Judith Huber vom Pathos Theater. Es habe sich etwas an der Selbstverständlichkeit queerer Künste verändert, sagt Geiger, das zeige sich daran, dass das Festival nicht nur an Nischenorten stattfinde. "Sind wir schon im Mainstream angekommen?" Seine rhetorische Frage erübrigt sich vielleicht, wenn man an die auch von der AfD ausgeschlachteten Proteste gegen eine Drag-Lesung für Kinder 2023 in München zurückdenkt. "Ich glaube, das ist noch ein weiter Weg", befand Geiger also, "und das ist vielleicht auch nicht das Ziel". Wichtiger sei "ohne Angst verschieden sein zu können".

Co-Kuratoron Bridge Markland zeigt unter anderem ihr Puppen-Playback-Stück "Nathan in the Box". (Foto: Bernd Ott)

Auf jeden Fall divers ist das Programm: Ruby Tuesday, "Drag-Daddy" der Münchner Szene, hat zum Beispiel eine Spezialausgabe von Münchens "einziger Herrenimitator.Innen-Revue Kings of Munich" zusammengestellt (3. Mai, Drehleier). Sie empfiehlt auch die beiden Sonderführungen der Stilikone Perry Stroika durch die "Viktor & Rolf"-Schau in der Kunsthalle (4. Mai). Bridge Markland wird unter anderem "Nathan der Weise" als "One-Women-Puppen-Verwandlungs-Playback-Show" mit dem Lessing-Text und Pop-Zitaten von Antilopen Gang bis Frank Zappa inszenieren (5. Mai, Gasteig HP8). Majic Dyke aus Kenia klärt in einer Lesung über LGBTQ-Rechte in ihrer Heimat auf (3. Mai, Pathos). Claire Dowie, 68 Jahre alt und aus London, verwandelt sich in ihrem Klassiker "H to he" während eines bissigen Monologs in einen Mann (3. Mai, Gasteig). Und Cora Frost, einst in München zur Chanson-Legende gewachsen, kehrt als Peter Frost aus Berlin für ein Konzert zurück (4. Mai, Schwere Reiter).

Der Film "Man for a day" läuft am 5. Mai im Projektor-Saal des Gasteig HP8. (Foto: Go Drag Munich)

Nun ist der Titel "Go Drag!" aber durchaus als Aufforderung oder Ermunterung zu verstehen. Wer also selbst mit den Geschlechterrollen spielen möchte, bekommt von Alex Cameltoe Make-up-Tipps (3. Mai), lernt die "besten Moves" von "Drag Race Germany"-Gewinnerin Pandora Nox (1. Mai) und kann sich beim Drag-Flohmarkt am 5. Mai im Pathos mit dem nötigen Fummel ausstatten.

Go Drag! Munich, 1. bis 5. Mai, Programm unter godragmunich.de

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