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S-Bahn München:Der Ausbau ist halbherzig statt proaktiv

FREISING: Einfahrende S-Bahn S1 - Bahnhof

Die Verkehrsministerin will zunächst keinen viergleisigen Ausbau der S-4-Strecke.

(Foto: Johannes Simon)

Der Ausbau der S 4 soll Stückwerk bleiben. Das ist finanziell falsch und hilft der vielfach propagierten Verkehrswende nicht.

Kommentar von Peter Bierl

Der dreigleisige Ausbau der S 4 bis Eichenau ist einfach ungenügend. Zuzug in die Region findet permanent statt. Die größeren Kapazitäten für den Verkehr ins Allgäu und in die Schweiz, die vorhanden sind, nachdem die Strecke von Geltendorf bis Lindau endlich elektrifiziert ist, werden nicht voll ausgeschöpft, wenn Regional- und Fernzüge nur ein Gleis im Gegenverkehr befahren. Es sollen viele Menschen auf die Bahn umsteigen, um den Klimawandel zu bremsen und den Verkehrskollaps zu verhindern.

Wenn die bayerische Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) nun ankündigt, das Stückwerk so ausführen zu lassen, dass später ein viertes Gleis ohne größere Umbauten möglich sein soll, korrigiert sie den Murks nur partiell, den die Staatsregierung anrichtete, als sie den Ausbau 2014 amputierte. Denn die Kehrtwende ist halbherzig. Auch Schreyer bleibt dabei, erst in Zukunft seien vier Gleise rentabel, wenn die Zahl der Fahrgäste entsprechend gewachsen sei. Sicher lässt sich mit Zahlen jonglieren bis es passt, aber die Argumentation bleibt falsch. Besser wäre proaktiv zu handeln.

Die neuerliche Umplanung von drei auf vier Gleise soll den dreigleisigen Ausbau um weitere drei Jahre verzögern und um 35 Millionen Euro verteuern, dafür soll es später sehr viel günstiger werden, weil neue Brücken und Bahnsteige nicht wieder abgerissen werden müssen. Ganz nebenbei hat Schreyer damit alles Gerede der Staatsregierung, die bisherige dreigleisige Planung sei aufwärtskompatibel gewesen, als Lüge entlarvt.

Vor allem aber verhindert Schreyer bloß den einen Schildbürgerstreich, um den nächsten zu begehen. Alle Voraussetzungen für vier Gleise sollen geschaffen, aber bloß ein drittes verlegt werden. Es würde bedeuten, dass kurz nach der feierlichen Eröffnung das bürokratische Procedere um die Verlegung des vierten Gleises startet. Dann blockieren wieder Baustellen den Zugverkehr, weil Brücken erweitert, in Eichenau der zweite Außenbahnsteig demontiert und der Puchheimer Bahnhof barrierefrei umgebaut würde. Da wäre es wesentlich einfacher, billiger, für Pendler und die Umwelt schonender und besser, gleich vier Gleise zu verlegen.

© SZ vom 31.03.2021/vewo
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:Verkehrsministerin lehnt Ausbau der S-4-Strecke ab

Die Zahlen würden einen viergleisigen Ausbau nicht hergeben, sagt Kerstin Schreyer. Die Bahn AG soll den dreigleisigen Ausbau aber so umplanen, dass ein viertes Gleis ergänzt werden kann.

Von Peter Bierl

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