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Ernte in Fürstenfeldbruck:Apfelernte fällt gering aus

Schönes Exemplar: An einem Baum auf dem Gelände der Familie Wolf in Maisach hängt ein reifer Apfel zum Selberpflücken. Der Spaß für Kinder und Erwachsene ist in diesem Jahr aber geringer als sonst, denn die Bäume tragen weniger Früchte.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Frost und Trockenheit im Frühjahr setzen den Obstbäumen stark zu. Außerdem benötigten bestimmte Sorten nach dem vergangenen ertragreichen Jahr eine Regenerationspause, sagt Andreas Knoll vom Kreisverband für Gartenbau

Von Christina Strobl, Fürstenfeldbruck

Er ist des Deutschen liebstes Obst, die ideale Pause für zwischendurch und ganz nebenbei noch eine Vitaminbombe: der Apfel. Besonders den Kindern wird er gerne in die Schultasche gesteckt, bevor sie das Haus verlassen, damit die Milchzähne auch etwas Gesundes zu beißen haben. Doch zum Schulanfang im September könnte die beliebte Pausenbrot-Beilage etwas knapper ausfallen als üblich. Denn die diesjährige Apfelernte fällt bei den meisten Landwirten gering aus.

Ursache dafür sei der späte Frost, sagt Manfred Wolf, Inhaber des Apfelfeldes Maisach. Denn dieser habe die Blüten geschädigt, als sich diese gerade in ihrer ganzen Pracht im Frühjahr hatte zeigen wollen. Wenn in dieser Phase der Reife Temperaturen unter null Grad herrschen, wenn auch nur für eine Nacht, wird irreparabler Schaden an der Apfelblüte verursacht. "Nächte mit acht, neun Grad Minus sind einfach zu kalt für die Blüten der Bäume", erklärt Wolf.

Normalerweise werden Anfang August die ersten Frühapfelsorten geerntet, um diese dann im zum Feld gehörenden Hofladen in Ebersried bei Odelzhausen zu verkaufen. Dass auch in dieser Saison überhaupt Äpfel über den Hofladentresen gehen können, ist, laut dem Apfelbauern, nur dem kleineren Zweitfeld zu verdanken: "Vor allem in Maisach sieht es in diesem Jahr sehr schlecht aus, was die Ernte betrifft." Rita Multerer, Vorsitzende der Solidargemeinschaft "Brucker Land", kann dem nur zustimmen. "Frühäpfel haben wir zwar relativ viele", sagt Multerer. "Dafür fällt die Ernte der Lageräpfel in diesem Jahr aber fast komplett aus."

Dass sich ein apfelarmer Herbst anbahnt bestätigt auch der Vorsitzende des Kreisverbands für Gartenbau und Landespflege, Andreas Knoll. Auch ihm ist der Mangel an verzehrbaren Äpfeln bereits aufgefallen: "Teilweise ist an den Bäumen sehr viel dran, oder eben gar nichts." Ein "Dazwischen" gebe es kaum. Doch für Knoll ist nicht ausschließlich der späte Frost der Verursacher dessen. Für ihn ist die Situation auch dadurch erklärbar, dass die Obstbäume im vergangenen Jahr Massen an Früchten trugen. Gewisse Sorten würden sich erst regenerieren müssen, damit sie in der kommenden Saison wieder Äpfel hervorbrächten. "Das sagt einfach die Natur", so Knoll. Hinzu kommt, dass die vergangenen beiden Jahre durch Trockenheit gezeichnet waren. Der Kreisverbandsvorsitzende erklärt: "Das war genau die Zeit, in der die Bäume viel Wasser brauchen, dass sie sich wieder erholen können." Kurz gesagt: die Apfelbäume seien derzeit gestresst und können aufgrund dessen, nicht so viele Früchte liefern, wie im vergangenen Jahr.

Eine Garantie dafür, dass die Ernte im kommenden Jahr besser ausfällt, gibt es laut Knoll dennoch nicht. Alles sei eine Frage der Temperaturen: "Es kommt voll und ganz auf das Wetter im nächsten Jahr an." Dies gilt sowohl für die Grad Celsius, die es während der Blütezeit hat, als auch auf die in den Monaten, die darauf folgen. Gebe es beispielsweise auch in der kommenden Saison wieder derartige Dürreperioden oder späten Frost, sei es durchaus möglich, dass die Bäume erneut kaum Früchte produzieren könnten. Der Hauptgrund des alljährlichen Bangens um die Apfelernte ist: "Der Klimawandel macht sich für mich auf jeden Fall bemerkbar", resümiert Andreas Knoll. Eine zuverlässige Prognose könne daher zum jetzigen Zeitpunkt nicht gegeben werden. Ob der Apfel also weiterhin der gesunde Pausenbegleiter vieler Schulkinder bleiben wird, kann nur die Zukunft zeigen.

© SZ vom 04.09.2020

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