Suche nach Tobias D.:Ermittler finden Leiche im Echinger See

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Suche nach Tobias D.: Tobias D. wurde seit dem Besuch der "Brass Wiesn" am Freitag vermisst.

Tobias D. wurde seit dem Besuch der "Brass Wiesn" am Freitag vermisst.

(Foto: privat)

Am Dienstagabend wurde eine Leiche aus dem Echinger See geborgen, bei der es sich laut Polizei mit hoher Wahrscheinlichkeit um den vermissten Tobias D. handelt. Freunde und die Polizei hatten am Dienstag noch einmal alles versucht, um den 25-Jährigen zu finden.

Von Charline Schreiber, Regina Bluhme und Isabel Bernstein, Eching

Der seit Freitag vermisste Tobias D. aus Eichenried ist vermutlich tot. Am Dienstagabend sei eine tote Person im Echinger See aufgefunden worden, bei der es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um den nach der "Brass Wiesn" verschwundenen 25-Jährigen handele, teilte das Polizeipräsidium Oberbayern Nord kurz nach 21 Uhr mit.

Rettungskräfte wurden laut Pressemitteilung gegen 18.45 Uhr über einen auf dem See treibenden leblosen jungen Mann informiert. Badegäste brachten ihn noch vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes an Land. Dort konnte der Notarzt nur noch den Tod des Mannes feststellen.

Sowohl Aussehen als auch Bekleidung und persönliche Gegenstände des Toten stimmten mit der Beschreibung des seit Freitag vermissten Tobias D. überein, so die Polizei. Die Kriminalpolizei Erding hat die Ermittlungen zur Klärung der Todesursache übernommen.

Den ganzen Dienstag über hatten Freunde, freiwillige Helfer und ein Großaufgebot der Polizei in einer beispiellosen Aktion noch nach dem 25-jährigen Tobias D. gesucht. Der junge Mann war am Freitag nach dem Besuch der Echinger Brass Wiesn spurlos verschwunden. Die Hilfsaufrufe in den Social-Media-Kanälen sprengten zwischenzeitlich alle Dimensionen, Millionen von Menschen teilten die Suchaufrufe. Auf dem Gelände selber hatten sich allein am Montag gut 500 private Helfer eingefunden. Am Dienstag durchkämmten 70 Beamte und Beamtinnen der Polizei den Campingplatz und den Uferbereich des Sees. "Wir drehen jeden Stein um", erklärte Andreas Aichele, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern-Nord, bei einem Pressetermin am Dienstag vor Ort. Doch die Suche nach Tobias D. blieb zunächst ohne Erfolg.

Im Minutentakt wurde die Zahl der Unterstützer auf Instagram und Tiktok größer

Der Mann aus Moosinning im Landkreis Erding war am Freitagabend mit Freunden bei der Echinger Brass Wiesn, seitdem fehlte jede Spur von ihm. Seine Freunde hatten ihn gegen 21 Uhr aus den Augen verloren, kurz darauf brach auch der telefonische Kontakt ab. Am Samstagmorgen meldeten sie ihn dann als vermisst.

Nach einer breit angelegten Suchaktion der Polizei und privater Helfer postete die Freundin des 25-Jährigen, Anna Milena Lux, am Montag auf Instagram fünf Bilder des Vermissten - der Beitrag hatte am Dienstagmorgen rund 75 000 Likes und mehr als 1500 Kommentare. Ihrem Account, dem zuvor nur ein paar Hundert Menschen folgten, folgten nun fast 70 000. Im Minutentakt kamen mehr dazu. Die Tiktokerin Charlotte Schüler, eine Freundin des Vermissten, hatte zu dem Zeitpunkt sieben Videos auf Tiktok hochgeladen. Das Meistgeklickte davon hatte 2,1 Millionen Aufrufe.

Mit verweinten Augen und zitternder Stimme filmte sie sich, rief ihre Follower zur Mithilfe auf. Dabei lautet ihr erster Satz fast immer "Bitte scrollt jetzt nicht weiter, hier kommen nochmal die wichtigsten Infos zu Tobi" oder "Nicht weiter scrollen, wenn ihr aus München und Umgebung kommt." Der Videohintergrund war dabei immer ein Foto von D., der in Tracht in die Kamera lächelt. "Die neue Theorie ist, dass er Richtung Stadt gegangen ist während des Unwetters am Freitag und vielleicht einen Unterschlupf gesucht hat und nicht mehr rauskommt", so Schüler in einem ihrer Videos. Sie rief Echinger Bürger dazu auf, private Grundstücke zu prüfen, in Hütten oder Scheunen nachzuschauen, vergeblich, wie man nun weiß.

Einer der Beiträge wurde mehr als 16 500 Mal geteilt

Auch D.s Freundin Anna Milena Lux postete regelmäßig Aufrufe zur Suchaktion und neue Informationen in ihre Story auf Instagram, sprach Suchaufrufe in Fernsehkameras. Auf Facebook teilte Lux das erste Mal am Samstag, um 15.12 Uhr eine Vermisstenmeldung. Achtmal hatte sie sich dort gemeldet, Kartenbilder von Suchstandorten und Informationen zu ihrem Freund gepostet. Einer der Beiträge wurde mehr als 16 500 Mal geteilt.

Polizeisprecher Andreas Aichele stand am späten Dienstagvormittag vor seinem Wagen im halb abgebauten Backstage-Bereich des Festivals und deutete vor einem Pulk von Journalisten und Journalistinnen auf die Kühlerhaube. Dort war eine farbige Karte vom Gelände aufgeklebt - blau der See, grün das Gebüsch und braun der große Campingplatz.

Noch einmal wurde das Gelände rund um das Festivalgelände der Brass Wiesn abgesucht und zudem auf dem Campingplatz "jeder Stein einzeln umgedreht", wie Aichele sagte. Bereitschaftspolizei sowie Kräfte aus Nürnberg und München, insgesamt circa 70 Polizisten und Polizistinnen waren im Einsatz. Auch der Uferbereich des Sees wurde am Dienstag intensiv abgesucht. Es soll ausgeschlossen werden, dass der 25-Jährige dort liege, vielleicht "in einer misslichen Lage", so Aichele. "Wir wollen sicher sein: Hier kann er nicht sein." Der See selbst war bereits per Hubschrauber abgesucht worden, wobei sehr gute und sehr tiefe Aufnahmen gemacht worden seien, so Aichele. Aber leider habe sich auch hier kein Hinweis auf den Verbleib von Tobias D. ergeben - bis er nun von den Schwimmern gefunden wurde. Aicheles am Nachmittag geäußerte Hoffnung, dass man den Vermissten lebend finden werde, erfüllte sich nicht.

Suche nach Tobias D.: Gegen 8 Uhr am Dienstag waren die Polizeiwagen am Campingplatz der Brass Wiesn angerückt.

Gegen 8 Uhr am Dienstag waren die Polizeiwagen am Campingplatz der Brass Wiesn angerückt.

(Foto: Marco Einfeldt)
Suche nach Tobias D.: Akribisch haben die Bereitschaftspolizisten in einer langen Kette das Gelände abgesucht - ohne Erfolg.

Akribisch haben die Bereitschaftspolizisten in einer langen Kette das Gelände abgesucht - ohne Erfolg.

(Foto: Marco Einfeldt)
Suche nach Tobias D.: Auch am Parkplatz des nahen Hollerner Sees hatten Helferinnen und Helfer einen Stützpunkt eingerichtet.

Auch am Parkplatz des nahen Hollerner Sees hatten Helferinnen und Helfer einen Stützpunkt eingerichtet.

(Foto: Marco Einfeldt)
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