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Ostergottesdienste in Corona-Zeiten:"Eine Kirche muss in der Krise da sein"

Möglicherweise werden Gotteshäuser über Ostern geschlossen sein. Im Bild: ein Gottesdienst im Freisinger Mariendom vergangenen Mai.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Pfarrer Karin Volke-Klink von der Kirchengemeinde Oberallershausen und Stephan Rauscher vom Pfarrverband Holledau über Ostern und möglicherweise geschlossene Gotteshäuser.

Von Maike Velden und Johanna Pichler, Freising

Bei der Ministerpräsidentenkonferenz am Montagabend lautete der Appell: keine Präsenzgottesdienste zu Ostern. Der Bund-Länder-Beschluss empfahl den Kirchen und Religionsgemeinschaften wegen der steigenden Zahl der Corona-Infektionen, dass Gottesdienste nur virtuell stattfinden sollten. Was sagen Vertreter der evangelischen und katholischen Kirchen aus dem Landkreis Freising dazu? Die SZ Freising hat Karin Volke-Klink, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde in Oberallershausen, und den katholischen Pfarradministrator Stephan Rauscher befragt.

SZ: Die Ostergottesdienste könnten jetzt schon zum zweiten Mal hintereinander ausfallen. Wie belastend ist das für gläubige Christen?

Karin Volke-Klink: Das ist eine große Belastung und bedeutet für uns Planungsunsicherheit. Man muss sich mit der Situation arrangieren und andere Möglichkeiten finden. An den Osterfeiertagen gibt es Online-Gottesdienste, das ist eine gute Möglichkeit, mit der sich alle arrangieren können und müssen.

Stephan Rauscher: Das ist sehr belastend! Absolut. Ostern ist ja das wichtigste Fest für uns Christen und der Mensch ist nun mal ein religiöses Wesen. Wir haben Verständnis dafür, dass wir die Zahlen nach unten bringen müssen und die Kirchen setzen auch alle Auflagen um. Trotzdem haben wir den Auftrag, Hoffnung zu geben. Wir sind kein Online-Anbieter und auch keine Cyber-Religion, sondern eine lebendige Glaubensgemeinschaft und da gehört eben das Miteinander dazu.

Welche Alternativen zum Gottesdienst gibt es?

Karin Volke-Klink: Gottesdienste sind ein wichtiger Bestandteil des Glaubens. Sie geben Hoffnung. Wir haben die Online-Gottesdienste auf Youtube gestellt, auch zum Live-Verfolgen. Da schauen zwischen 80 und 200 Menschen zu, das ist auf jeden Fall mehr als in Präsenz. So viele Menschen passen sonst gar nicht in unsere Kirche rein.

Stephan Rauscher: Online-Angebote haben wir sowieso schon. Momentan gehen wir davon aus, dass Präsenzgottesdienste möglich sein werden. Wir werden jeden Gottesdienst öfter anbieten und zusätzlich das Online-Angebot haben. Wenn die Kirchen voll sind, kann man also trotzdem mitfeiern. In den Kirchen werden auch QR-Codes ausgelegt, über die man zu einem Online-Impuls gelangt. Alleine oder mit der Familie kann man somit den Kreuzweg gehen und sich Impulse und Videos an den einzelnen Stationen ansehen. Es wird auch Zettel geben, auf denen man seine Sorgen loswerden darf. Diese werden dann im Osterfeuer verbrannt Wir wollen für alle etwas planen, egal ob man alleine ist oder mit der Familie feiert.

Wie würden Sie darauf reagieren, wenn Gottesdienste an Ostern ausfallen müssen?

Stephan Rauscher: Ich wäre sehr traurig. Wir sind gut aufgestellt und es würde nicht alles wegfallen. Trotzdem ist der Mensch ein soziales Wesen und braucht ein Gegenüber. Ich würde es sehr bedauern, denn Ostern ist ja auch unser wichtigstes Fest. Karin Volke-Klink: Noch ist die Situation unsicher. Es gibt genug Gründe, Gottesdienste stattfinden zu lassen und genauso viele Gründe dagegen. Wir haben ein Hygienekonzept eingeübt. Ich kann auch verstehen, wenn die Kirche geschlossen bleiben muss, da ja fast alle Einrichtungen zubleiben müssen. Wir als Gemeinde und Kirche müssen da als Vorbild voran gehen und uns richtig verhalten.

Was bedeuten geschlossene Kirchentüren für gläubige Christen?

Karin Volke-Klink: Den Glauben kann man auch zuhause ausleben. Gottesdienste sind ein wichtiger Bestandteil, aber gerade in Krisenzeiten trägt der Glaube, den man erlernt hat. Krisenzeiten wie die Pandemie stärken den Glauben. Nur weil Gottesdienste ausfallen, verlieren gläubige Christinnen und Christen ihren Glauben nicht. Außerdem teilen wir in unserer Gemeinde zusammen mit dem Pfarrbrief einen "Gottesdienst in der Tüte" für alle Familien mit Kindern bis elf Jahren aus. Darin sind Stationen, wie eine Kerze zur Vorbereitung, Gebete, Lieder und eine Geschichte. Die kann man sich auch online anhören und zuhause einen eigenen kleinen Gottesdienst feiern.

Stephan Rauscher: Für mich als Priester bedeuten geschlossene Kirchentüren Kapitulation. Eine Kirche muss offen und vor allem in der Krise da sein. Sie muss ein Ort sein, an dem man sich zur Ruhe setzen kann, den Alltag für einen Moment verlassen zu können, um in eine andere Wirklichkeit einzutauchen. Offene Kirchentüren sollen zeigen, dass Gott da ist und auf dich wartet. Geschlossene Kirchentüren sind ein fatales Signal für Christen. Wir haben immer versucht, die Kirchen zu jedem Zeitpunkt offen zu halten, auch ohne Gottesdienste.

© SZ vom 25.03.2021
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