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Hallbergmoos:"Pferde-Bäume" für ein besseres Klima

Naturstall, Pferde-Bäume

Hanns Ullstein hofft auf Nachahmer beim Pflanzen der Pferde-Bäume. Wer sich auf der Homepage registriert, erhält die "Naturstall"-Plakette.

(Foto: Andreas Gebert)

Haustiere sind schlecht für die CO₂-Bilanz - Hanns Ullstein initiiert deshalb auf einem Reitstallgelände zum Ausgleich eine Pflanzaktion. Sein eigentliches Ziel aber sind Natur-Ställe.

Nicht nur Konsum und Verkehr, auch Haustiere spielen eine Rolle bei der CO₂-Bilanz des Menschen. Ganz schlecht schneiden Pferdebesitzer ab, wegen der Fahrten zum Stall. Laut einer Studie des Schweizer Unternehmens ESU-Services, das auf Ökobilanzierung spezialisiert ist, schlägt ein Pferd pro Jahr mit einer Belastung zu Buche, die einer 21 500 Kilometer langen Autofahrt entspricht. Durchschnittlich legt ein deutsches Auto gut 13 000 Kilometer im Jahr zurück.

Ein Pferde-Baum muss acht bis zehn Jahre alt sein, damit er genug CO₂ bindet

Hier einen Ausgleich zu schaffen, das ist die Mission, der sich Hanns Ullstein verschrieben hat. Für jedes Pferd einen Baum, heißt die Devise, die der 82-Jährige aufgestellt hat. Vorige Woche ist die erste Aktion gelaufen, fünf Reiter aus dem Hallbergmooser Bewegungsstall Zeilhofer haben fünf Obstbäume auf einer kleinen Wiese zwischen den Koppeln und neben die Reithalle gepflanzt. Wobei Ullstein Wert darauf legt, dass ein Pferde-Baum mindestens acht bis zehn Jahre alt ist, damit er eine entsprechende Ökobilanz vorweisen kann.

Die Tatsache, dass die "Pferde-Bäume" mithelfen, das klimaschädliche CO₂ wieder zu binden, ist jedoch nur ein Baustein. Was Ullstein letztendlich vorschwebt, ist der "Natur-Stall". Eine natürliche und artgerechte Haltung von Pferden, nach Möglichkeit ohne Plastik-Abfall, ein sparsamer Umgang mit Wasser, der Einsatz erneuerbarer Energien und ausschließlich Bio-Futter. "Es geht da nicht mehr nur um die Pferde", sagt Ullstein, "es geht um unser Dasein".

Deshalb ist er der Hallbergmooser Stallbesitzerin Eva Zeilhofer dankbar, dass sie den ersten Schritt gemacht hat. "Die Haltung hier in kleinen Gruppen in Offenstallhaltung ist schon sehr natürlich", lobt er und mit den Pferde-Bäumen sei es wohl der erste Pensionsstall in Deutschland, der sich auf den Weg zum klimafreundlichen Natur-Stall mache. Hanns Ullstein selbst hat dafür eine Tafel gebaut, auf der der erste Stern prangt. Werden alle siebe Bausteine verwirklicht, gibt es drei Sterne.

Damit die Aktion möglichst viele Nachahmer findet, hat er sich eine Homepage machen lassen. Unter Star-stall.de kann man sich nicht nur informieren und beteiligen, sondern erhält auch einen Überblick, welche Pferdeställe schon dabei sind. "Es gibt 1,3 Millionen Pferde in Deutschland, stellen Sie sich das mal vor, eine Million neue Bäume!", schwärmt er.

Schon in den 1980er Jahren warb Hanns Ullstein für eine artgerechte Pferdehaltung

Für eine Sache zu kämpfen, ist nichts Neues im Leben des 82-Jährigen, der auf Gut Wildschwaige östlich von Hallbergmoos bei Oberding wohnt. Dort hat er sich in den 1980er Jahren der artgerechten Pferdehaltung verschrieben, gilt als Papst der natürlichen Pferdehaltung, raus aus den Einzelboxen und hin zur Freiluft-Haltung in Gruppen. Vor über 30 Jahren gründete er die Laufstall-Arbeitsgemeinschaft, deren Vorsitzender er 16 Jahre lang war. Ullstein hält zahlreiche Patente zu Pferdehaltung und -fütterung und war einer der Ersten, die das Wanderreiten in Deutschland publik gemacht haben. Als 1966 der Erste Trekking-Club Deutschland gegründet wurde, war Hans Ullstein der erste Vorsitzende. Gut möglich, dass er jetzt wieder einen Trend setzt.

© SZ vom 29.10.2019
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