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Corona-Krise:Hilfe aus dem Forschungsreaktor

In der vergangenen Woche hat Kreisbrandmeister Manfred Danner mit Hilfe des Freisinger THW die ersten 800 Liter Reinstwasser von Garching nach Moosburg gebracht. Die Lieferung ist allerdings schon verbraucht, weitere sollen folgen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Garchinger Entsalzungsanlage liefert Reinstwasser - das nimmt ein Moosburger Apotheker zur Herstellung von Desinfektionsmittel.

Der Vorgang dauert eine Stunde, er kostet fast nichts, und was am Ende herauskommt, ist eigentlich banal - in Zeiten wie diesen jedoch ein wertvoller, weil knapper Rohstoff: Am Garchinger Forschungsreaktor wird eine vorhandene Vollentsalzungsanlage eingesetzt, um sogenanntes Reinstwasser herzustellen. Dieses wiederum wird von einer Apotheke zu Desinfektionsmittel weiterverarbeitet, das einen bereits vorhandenen Lieferengpass bei Kliniken und Arztpraxen zu lindern hilft.

Die ungewöhnliche Initiative kam auf Betreiben des Freisinger Kreisbrandrats Manfred Danner zustande - er arbeitet am Garchinger Reaktor und ist als Kreisbrandrat zum Örtlichen Einsatzleiter für alle Katastrophenschutz-Maßnahmen bestellt. Der Forschungsreaktor benötigt das gereinigte Wasser für seine Kühl- und Lüftungs-Kreisläufe - allerdings kann die Entsalzungsanlage über den eigenen Bedarf hinaus produzieren, zumal im Moment, wo die Anlage gewartet wird. Manfred Danner musste zur Realisierung seiner Idee zunächst seinen Arbeitgeber überzeugen, was offensichtlich kein großes Problem war. Er selbst wohnt in Moosburg - und ist dort bekannt mit Edith Schmidt, die im Ort drei Apotheken betreibt. Sie erklärte sich bereit, das Desinfektionsmittel herzustellen. Nun fehlte nur noch der Alkohol. Ihn fand Danner bei der Schnapsbrennerei Rola in Niederhatzkofen bei Rottenburg an der Laaber, die sich bereit erklärte, statt Korn und Weinbrand medizinischen Alkohol herzustellen.

Die Produktion des Reinstwassers ist nicht sehr kompliziert - gewöhnliches Trinkwasser wird zunächst entkalkt und dann mit der Methode der Umkehrosmose von weiteren Metall-Ionen gereinigt. "Das Wasser, das dabei herauskommt", erklärt Malte Kress, der Leiter der Maschinentechnik, "ist noch mal sauberer als das destillierte, das man zum Beispiel in Bügeleisen verwendet". Es zum Desinfektionsmittel zu veredeln, ist noch einmal einfacher, sagt Daniel Schwinning, Filialleiter der Michaeli-Apotheke in Moosburg: "Eigentlich muss man nur den Alkohol reinschütten und umrühren." Das so entstandene Mittel wird im Freisinger Klinikum zur Flächen-Desinfektion eingesetzt. Theoretisch wäre es auch zum menschlichen Gebrauch geeignet, sagt Apotheker Schwinning, aber: "Da würde man dann noch Glyzerin zugeben, weil der Alkohol die Haut angreift."

In der vergangenen Woche hat Manfred Danner mit Hilfe des Freisinger THW die ersten 800 Liter Reinstwasser von Garching nach Moosburg gebracht - für 1000 Liter Desinfektionsmittel werden 300 Liter und 700 Kilogramm Alkohol benötigt. Die erste Lieferung ist allerdings schon verbraucht. Nun sollen am Donnerstag weitere 2000 Liter produziert und weiterverarbeitet werden; verteilt wird das fertige Mittel dann über das Landratsamt und die Kassenärztliche Vereinigung. Dem Forschungsreaktor entstehen durch die Produktion kaum Kosten, weshalb das Wasser kostenlos abgegeben wird, und auch Daniel Schwinning, der Apotheker, sagt: "Wir werden ganz sicher keine Rechnung schreiben."

Die "Forschungs-Neutronenquelle Heinz Maier-Leibnitz" - so heißt der Reaktor in Garching offiziell - hilft demnächst auch in anderer Sache beim Kampf gegen das Coronavirus: Wenn der Reaktor wieder angefahren wird und Wissenschaftler aus der ganzen Welt ihre Anträge stellen, mit ihm arbeiten zu dürfen, dann wird die zuständige Kommission, die die Messzeiten verteilt, Forschungsprojekte in Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie bevorzugt berücksichtigen. Die Garchinger Anlage könnte zum Beispiel dazu dienen, mit Hilfe eines dort vorhandenen sogenannten Diffraktometers die molekulare Struktur des Virus zu entschlüsseln - ein wichtiger Schritt bei der Suche nach einem Medikament oder Impfstoff gegen die Erkrankung.

© SZ vom 01.04.2020/vewo
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