Geschichten-App aus Eching:"Erzähl mir was!"

oswald

Wolfgang Oswald, hier mit seinem kleinen Sohn, hat sich selbst beigebracht, die App "Erzähl was!" zu programmieren. Verfügbar ist sie sowohl für Apple als auch für Android.

(Foto: Sophie Linckersdorff)

Der Echinger Wolfgang Oswald hat eine kostenlose Handy-App entwickelt, mit der sich Eltern Geschichten für Kinder zusammenstellen können. Wählen kann man aus unterschiedlichen Protagonisten, Ereignissen und Orten.

Von Klaus Bachhuber, Eching

Soll es in der Gute-Nacht-Geschichte heute über Hexen gehen oder Ritter oder sollen gar Ninja-Kämpfer Abenteuer bestehen? Piraten? Ok, also Piraten. Eine Geschichte mit der Schatzsuche oder ein Abenteuer auf der Insel? Oder heute mal ein Wettrennen, auf Fahrrädern, gegen die Wikinger? Na, das wär doch mal was ... Drei Klicks auf dem Smartphone und Papa oder Mama sind präpariert. Wow, Fietje hat gerade eine klasse Idee: "Wir nehmen unsere Raketen-Booster mit. Mit denen können wir, wenn nötig, noch den Turbo zünden. Das sollte uns, falls es eng wird, als erste über die Ziellinie bringen." Und los geht die wilde Jagd! Und morgen dann vielleicht lieber das Abenteuer, das die besten Freunde bei einem Krankentransport erleben?

Mit der App "Erzähl was!" haben Eltern nun ein schier unerschöpfliches Reservoir an Vorlesegeschichten zur Hand, fürs Bettgehen, im Auto auf der Reise und wann auch immer der ultimative Befehl ertönt: Erzähl mir was! Der Echinger Wolfgang Oswald kennt die Bitten von seinem Sohn, und er erfüllt sie seit Jahren regelmäßig. In der Zeit des Corona-Lockdowns bereitete er seine erfundenen Geschichten dann zur Hilfe-App für andere Eltern auf.

Die Textbausteine sind handgemacht, nicht von Künstlicher Intelligenz erzeugt

Kind oder Vorleser können aus sechs Protagonisten wählen, bei denen dann wieder jeweils unter drei abenteuerlichen Ereignissen und unter drei möglichen Orten des Geschehens. Die App stellt dann die Bausteine der Geschichte zusammen, die für etwa fünf Vorleseminuten gut ist, geeignet für Kinder von drei bis sieben Jahren.

Die Textbausteine sind handgemacht, nicht von Künstlicher Intelligenz bereitgestellt. "Das ist alles mein Hirnschmalz, das ich da reingesteckt hab", erzählt Oswald. Der 38-Jährige hat sich die Geschichten ausgedacht, die Bausteine zurecht geschrieben und die Übergänge und Schnittstellen passend gemacht. "Wie halt die Kinderbücher so sind", beschreibt er die Inhalte. "Die Geschichten zu überlegen und die Anschlüsse passend zu machen, war die Hauptarbeit", schildert er. Die App zu programmieren, hat er sich selbst beigebracht.

Vorlesen und Geschichten erzählen regt die Vorstellungskraft der Kinder an

An seiner Erfindung verdient Oswald nichts, die App ist gratis. "Mein Ziel mit der App ist es, möglichst vielen Kindern zu ermöglichen, dass sie von ihren Eltern Geschichten erzählt bekommen", sagt er. Er wisse eben aus der eigenen Familie, "wie viel Freude es Kindern bereitet, wenn sie spannende Geschichten erzählt oder vorgelesen bekommen". In Zeiten von Lockdown, Homeoffice- und Homeschooling-Phasen und geschlossenen Betreuungseinrichtungen sei dies noch wichtiger geworden. "Erzähl was!" ist bereits sowohl für Apple als auch für Android in den App-Stores zum kostenlosen Download verfügbar.

Vorlesen und Geschichten erzählen rege die Vorstellungskraft der Kinder an, steigerten die Konzentrationsfähigkeit der Kleinen und geben ihnen die Möglichkeit, zum Kuscheln und zur Ruhe zu kommen, hat Oswald sein Hobby mit Daten aus einschlägigen Studien hinterlegt. Mindestens ein Drittel der Eltern lese aber selten oder nie ihren Kindern Geschichten vor. "Oft fehlt es einfach nur am Lesestoff", glaubt Oswald. Mit seiner App hofft er, hier eine einfache Lösung geschaffen zu haben.

Es gibt jetzt auch eine Übersetzung auf Englisch unter dem Namen "Tale Today"

Oswald stammt aus der Nähe von Passau, seit 2011 lebt er mit seiner Familie in Eching. Bei einem Unternehmen in München ist er verantwortlich für digitale Geschäftsmodelle. Im Echinger Kindergarten "Haus für Kinder St. Andreas", das sein Sohn besucht, engagiert er sich im Elternbeirat.

"Erzähl was!" wird laufend bearbeitet, etwa Tippfehler korrigiert. Zudem hat Oswald jetzt auch eine Übersetzung auf Englisch unter dem Namen "Tale Today" aufgelegt. Zu einer Erweiterung um neue Helden, neue Abenteuer und damit neue Kombinationsmöglichkeiten für Geschichten hat er bereits Ideen, allerdings lässt sich das nicht über einfache Erweiterungen bewerkstelligen. Hierfür müsste das Programm völlig neu aufgesetzt werden und als Hobby dauert das dann halt etwas.

Infos zur App gibt es unter erzaehlwas.com.

© SZ vom 26.05.2021/van/ilos
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