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Flughafen München:Die Pleite von Air Berlin ändert einiges am Flughafen München

Die Start- und Landerechte von Air Berlin sind heiß begehrt.

(Foto: Marco Einfeldt)
  • Was passiert nach der Pleite der Fluglinie Air Berlin mit deren Start- und Landerechten? Einen Großteil würde gerne die Lufthansa übernehmen.
  • Die Zahl der Starts ist noch nicht gesichert. Zuvor muss noch die Europäische Wettbewerbskommission zustimmen.
  • Die Vergabe der Flugslots dauert noch an. Wie sich die Pleite konkret auf die Flugbewegungen in München auswirkt, kann man darum noch nicht sagen.

Von Andreas Schubert

Der allerletzte Flug der Air Berlin ist längst ausgebucht. Am kommenden Freitagabend um 21.35 Uhr hebt die Maschine im Erdinger Moos in Richtung Berlin ab. Und mit dem Winterflugplan, der am Sonntag in Kraft tritt, wird wegen der Air-Berlin-Insolvenz einiges anders am Münchner Airport. Die Fluglinie Eurowings übernehme im Laufe der Winterflugsaison zahlreiche Dienste der Air Berlin, teilt die Flughafengesellschaft FMG mit.

Insgesamt will Eurowings, die Billigtochter der Lufthansa, mehr als 150-mal pro Woche von München aus starten, vorher waren es 89 wöchentliche Flüge. Viele Verbindungen soll auch die Lufthansa übernehmen, die ihr Angebot um insgesamt 160 zusätzliche Flüge pro Woche ausweiten will. Allein die Hälfte davon soll die früheren Air-Berlin-Ziele Berlin, Düsseldorf, Hamburg und Köln ansteuern.

Die Zahl der Starts ist allerdings noch nicht gesichert. Denn der Übernahme der Air-Berlin-Flüge muss noch die Europäische Wettbewerbskommission zustimmen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hofft, dass sich sein Unternehmen im Januar den Großteil der Air-Berlin-Flotte einverleiben kann. Er rechnet aber mit Auflagen durch die EU-Kommission und erklärte sich bereit, "im vernünftigen Maße" bestimmte Start- und Landerechte abzugeben.

Laut Spohr kann die Lufthansa nur etwa drei Viertel der Air-Berlin-Flüge auffangen, das gelte auch für München, sagt eine Sprecherin. Wie es nun genau weiter geht und wer die Slots von Air Berlin, also die Start- und Landeberechtigungen übernimmt, wird erst Mitte November in Frankfurt beschlossen.

Dort sitzt die Flughafenkoordination, die zentral die Slots für Flughäfen wie München vergibt, also für jene, bei denen mehr Nachfrage nach Slots besteht, als es die Kapazität hergibt. Die Vergabe erfolgt nach EU-Vorschriften, wonach etwa ein Handel mit besonders attraktiven Slots verboten ist. In den USA ist das anders, dort können die Start- und Landerechte gehandelt werden - was Airlines im Übrigen auch für Europa fordern.

Da die Vergaben noch offen sind, kann man nach Angaben eines FMG-Sprechers noch nicht sagen, wie sich die Air-Berlin-Pleite konkret auf die Flugbewegungen im Erdinger Moos auswirkt. Für die guten Slots und die stets gut nachgefragten Air-Berlin-Ziele gebe es diverse Interessenten, nicht nur die Lufthansa samt ihrer Billigtochter.

Feststehen dürfte aber, dass das Wachstum des Flughafens nun doch nicht so groß ausfällt, wie noch im Frühjahr angenommen. Die Prognose von drei bis vier Prozent für 2017 tendiert nach Angaben des FMG-Sprechers wegen der Flugausfälle von Air Berlin nun "eher gegen drei". Auch für nächstes Jahr gehe man von einem Wachstum aus - über die Höhe könne man derzeit noch nicht spekulieren.

Im Winterflugplan, der bis 24. März gilt, gibt es noch diverse weitere Neuerungen. Um nur zwei Beispiel zu nennen: Erstmals fliegt auch der Billiganbieter Ryanair von München aus zweimal täglich in die irische Hauptstadt Dublin. Und bei den Langstreckenverbindungen nimmt Condor drei neue Verbindungen ins Programm: Nach Martinique, nach Dubai und ins brasilianische Recife.

© SZ vom 26.10.2017/bhi
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