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Schwaig im Landkreis Erding:Wie ein bayerisches Dorf die Energiewende in China unterstützen soll

Gemeinde Schwaig

Tradition und Moderne: Der Dorfplatz von Schwaig mit Brunnen und weiß-blauer Bank. Das Gebäude dahinter hat eine Solaranlage auf dem Dach.

(Foto: Stephan Görlich)

Die kleine Ortschaft Schwaig ist Teil eines Forschungsprojekts des Bundes. Die Uni Wuppertal führt ab Mitte Juni eine Studie vor Ort durch.

Von Regina Bluhme, Oberding

Die Gemeinde Oberding im Erdinger Moos ist als Anrainer des Flughafens München so einiges an internationalen Kontakten gewohnt. Jetzt aber wird der ganz große Bogen gespannt: Es geht um Schwaig und die Energiewende in China. Die Oberdinger Ortschaft ist Teil einer Studie für ein ambitioniertes Bundesprojekt, das zur kohlenstoffarmen Energiepolitik in der asiatischen Großmacht beitragen soll. Im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit analysiert die Universität Wuppertal am Beispiel von Schwaig den Stand der Dinge bei Photovoltaik oder E-Mobilität. Zum Vergleich wird parallel dazu ein Dorf in China untersucht.

Am Dienstag stellte Michael Popp von der Bergischen Universität Wuppertal die Studie im Rahmen des "Sino-German Energy Transition Project" im Gemeinderat vor. Untersucht werden soll das Potenzial für die Energiewende in einem deutschen Dorf. Als es galt, die passende Region zu ermitteln, "da mussten wir sofort an Oberding denken", erklärte Michael Popp vom Lehrstuhl für Elektrische Energieversorgungstechnik. Und an das E-Werk Schweiger in der Ortschaft Schwaig.

Der Betrieb arbeitet mit dem intelligenten Netzleitsystem "iNES", das an der Bergischen Universität Wuppertal mit der SAG GmbH entwickelt wurde. Daher offensichtlich der Kontakt. "Wir wussten: Hier laufen die Dinge in die richtige Richtung." Bei der Photovoltaik liege die Gemeinde über dem Bundesschnitt, lobte der Oberingenieur aus Wuppertal. Nicht ohne Grunde habe man sich für den Deutschen Solarpreis beworben. Für Schwaig als Forschungsobjekt spreche zudem die Bevölkerungs- und Firmenstruktur. "Die Einwohnerzahl passt auch genau für eine vernünftige Stichprobe", so Popp.

Um einen Vergleich zu haben, wo die Dinge offensichtlich noch nicht in die richtige Richtung laufen, wird gleichzeitig und parallel zu Schwaig "ein ländliches chinesisches Dorf" in der Provinz Jiangsu untersucht, wo noch Kohle verfeuert werde, "wo man von Energiewende noch nicht zu sprechen mag", wie Michael Popp bemerkte.

Ziel der Studie sei es, Rückschlüsse auf Energieverbrauch, Mobilitätsverhalten und den Möglichkeiten für den Ausbau der Sektorkopplung, das heißt der Erzeugung erneuerbaren Stroms vor Ort, zu erhalten. Dabei interessiert die Forscher auch, wie es um die E-Mobilität und die Lademöglichkeiten bestellt ist. Für die Studie von Schwaig habe das Wuppertal Institut im Auftrag der Uni bereits einige Recherchen betrieben, öffentlich zugängliche Daten und Studien "runtergebrochen", die jedoch nur vorläufige Modell böten, so Popp.

Um diese zu "schärfen", sollen jetzt aus erster Hand Daten gesammelt werden. Von Mitte Juni an bis 1. Juli läuft die Umfrage, die an alle Haushalte in Schwaig und alle Unternehmen, außer Gewerbe am Flughafen, per Post verschickt wird. Alle Daten und Informationen werden anonym erhoben, betonte Michael Popp auf Nachfrage.

Das gesamte Projekt soll voraussichtlich 2022 beendet sein

Gefragt wird zum Beispiel, wie viele Autos es pro Haushalt gibt, ob E-Autos gefahren werden und wo diese getankt werden, was die Teilnehmer von elektrischen Wärmepumpen und Photovoltaik halten, welche Heizungsart sie haben, wie sie ihren Stromverbrauch einschätzen. Die Studie werde wohl bis Ende des Jahres ausgewertet sein, schätzte Michael Popp. Das gesamte Projekt werde wohl 2022 beendet sein. Eines sei sicher: Bei der Vorstellung des Sino-German Projects auf Bundesebene werde er "die eine oder andere Bemerkung zur Unterstützung durch Oberding und das E-Werk Schweiger fallen lassen".

Dass Schwaig einmal einen Betrag zur Energiewende in China leisten wird, ließ die Oberdinger Gemeinderäte am Dienstag zumindest äußerlich unbeeindruckt. Damit auch alles seine Ordnung hat, musste das Gremium der Befragung und der Verwendung des Gemeindewappens auf dem Anschreiben zustimmen. Bürgermeister Bernhard Mücke (CSU) sagte seine Unterstützung zu und erklärte, er befürworte das Projekt und das taten auch die übrigen Gemeinderäte, und zwar einstimmig.

© SZ vom 10.06.2021/wean
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