Münchner Westen:Warum die Erdbeerwiese angeknabbert werden soll

Münchner Westen: Begehrte Baureserve: der vorhandene Sportplatz an der Erdbeerwiese.

Begehrte Baureserve: der vorhandene Sportplatz an der Erdbeerwiese.

(Foto: Florian Peljak)

Eine neue Beschlussvorlage will eine Schule und eine Feuerwehrwache auf dem Areal des SV Untermenzing ermöglichen. Auf der Erdbeerwiese sollen dafür Sportplätze entstehen, auch ein Park ist geplant. Wie der Vorschlag im Detail aussieht - und warum Bebauungsgegner ihn jetzt schon ablehnen.

Von Ellen Draxel

Der Streit um die "Erdbeerwiese" in Obermenzing ebbt nicht ab. Seit Jahren ringen Vertreter der Kommune nun schon mit Stadträten, Lokalpolitikern und Bürgern aus Pasing-Obermenzing wie aus Allach-Untermenzing darum, eine Lösung für die Platznot am Schulzentrum an der Pfarrer-Grimm-Straße und zugleich einen neuen Standort für die Berufsfeuerwehr zu finden. Doch eine Einigung kam nie zustande. Jetzt will die Stadt Nägel mit Köpfen machen.

Eine von der Verwaltung als "Kompromiss" verstandene Beschlussvorlage, die im Januar dem Stadtrat vorgelegt werden soll, sieht eine Änderung des Flächennutzungsplans sowie die Aufstellung eines Bebauungsplans für den Bereich Von-Kahr-/Weinschenkstraße, Bauseweinallee/Prof.-Eichmann-Straße und Inselmühlweg. Damit sollen die planungsrechtlichen Voraussetzungen für den Neubau der Feuerwache, einer Schule und Sporteinrichtungen in dem Gebiet ermöglicht werden. Das Ziel ist außerdem die Realisierung eines "Quartierparks".

Bewusst offen gelassen wird in der Festsetzung die Schulart - im Vorfeld hatte man bereits eine Variante mit dem Bau einer Grundschule als auch eine zweite mit der Realisierung einer Realschule untersucht. Rasenspielfelder müssten in beiden Fällen auf der sogenannten Erdbeerwiese südlich der Weinschenkstraße angelegt werden, teils auch für den SV Untermenzing als Vereins-Kompensationsflächen. Hochbauten sollen auf dieser Teilfläche aber ausgeschlossen sein. Für die Mehrheit im Bezirksausschuss Pasing-Obermenzing ist die Vorlage dennoch nicht zustimmungsfähig. "Das Erdbeerfeld ist von jeglicher Bebauung freizuhalten, damit sein klimatischer und ökologischer Wert als Frischluft- und Kaltluftschneise erhalten bleibt", fordern einmal mehr die Stadtteilvertreter mit Ausnahme der Sozialdemokraten.

Auf und neben Kunstrasenplätzen erhöht sich die Temperatur, sagt eine Studie

Ihm sei, sagte CSU-Fraktionssprecher Sven Wackermann in der jüngsten Sitzung des Gremiums, "nicht ganz klar, wie Kunstrasenplätze das Grün aufwerten" sollen, das bisher als Ackerfläche genutzt werde. "Da kommt", erklärte er seinen Kollegen, "kein ökologisches Feld hin, sondern eine Plastikwiese." Außerdem würden entlang der benachbarten Wohnbauten drei Meter hohe Lärmschutzwände hochgezogen, das sei ein "ganz massiver Eingriff". Thorsten Kellermann von den Grünen findet es "schon immer wieder erstaunlich, dass man bei der Stadt Grünflächen als indirektes Bauerwartungsland erachtet". Kellermann verwies auf ein Schreiben des Bundes der Münchner Bürgerinitiativen, das die Lokalpolitiker kurz zuvor erreicht hatte.

In dem Schreiben nimmt der Autor Bezug auf eine Studie des Fraunhofer-Instituts von 2021 zu Kunstrasenplätzen und ihren Auswirkungen auf die Umgebung. Demnach erhöht sich die Temperatur neben diesen Plätzen um bis zu vier Grad - und auf dem Platz selbst wird die Temperatur noch um ein Vielfaches höher. "Das bedeutet", so der Autor, "dass wir hier kein Kaltluftentstehungsgebiet mehr haben wie jetzt, sondern im Gegenteil ein großes Heizungsfeld für die darüber strömende Luft an heißen Tagen".

Während Obermenzing protestiert, wird aus Untermenzing ein anderes Votum erwartet

Für die SPD dagegen sind Sportfelder "keine Bebauung". Stattdessen gebe es mit dieser Vorlage "endlich eine Lösung für die Schulkinder aus den Stadtbezirken 21 und 23 unter annähernd klimaneutralen Bedingungen", so Constanze Söllner-Schaar. Und für die Feuerwehr, die schon mit den Füßen scharre, sei das der schnellste Weg für einen Neubau. Sowohl Pasings als auch Allachs Lokalpolitiker hatten bislang immer einen Alternativstandort für die Feuerwehr am Pasinger Heuweg favorisiert, doch dieses Grundstück ist aus Sicht der Branddirektion wenig ideal. In erster Linie, weil man von dort aus in zehn Minuten weniger relevante Gebiete erreicht als von der Von-Kahr-Straße aus. Vor allem aber, betont die Feuerwehr, gehöre das Areal der Kommune nicht und stelle daher ein "Entwicklungsrisiko" dar. "Einen langwierigen Planungszeitraum mit unsicherem Ausgang können wir uns auf Grund der Bedarfslage leider nicht leisten", so die Branddirektion.

Nichtsdestotrotz plädiert der Bezirksausschuss Pasing-Obermenzing nahezu einstimmig dafür, dass das Kommunalreferat "Verhandlungen zum Ankauf der nötigen Flächen aufnimmt". Außerdem soll der Grundstückskauf für ein Areal an der Zwiedeneckstraße forciert werden. Die Fläche wäre ideal für eine Erweiterung des Schulcampus, grenzt sie doch an die Pfarrer-Grimm-Straße an. In dieser Woche werden nun Allach-Untermenzings Stadtteilvertreter um ihre Meinung gebeten. Laut Gremiumschef Pascal Fuckerieder (SPD) ist an diesem Abend "von einem anderen Votum als in Pasing auszugehen".

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