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Landratsamt Ebersberg:Sparkassengebäude: Der Fehlkauf wird zum Rettungsanker

Finanzruine Sparkassenplatz EBE

Die ehemalige Kreissparkasse in Ebersberg soll von Montag an wieder als Bürogebäude genutzt werden.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Das ehemalige Bankhaus in Ebersberg war für den Landkreis als neuen Eigentümer bislang mit viel Frust verbunden. Durch die Corona-Krise ändert sich so manches.

Der Kauf des ehemaligen Hauptsitzes der Kreissparkasse durch den Landkreis macht diesem seit gut zwei Jahren viel Ärger. Das als Dependance für das chronisch überbelegte Landratsamt an der Eichthalstraße gedachte Gebäude kann wegen diverser Baumängel nicht genutzt werden. Zumindest galt dies bis jetzt, denn vom kommenden Montag an wird die alte Kreissparkasse genau das sein, was der Landkreis von Anfang an damit vorhatte: ein Bürogebäude für seine Mitarbeiter.

Möglich macht das die Corona-Krise, genauer der deswegen ausgerufene Katastrophenfall durch den Freistaat, erklärte Landrat Robert Niedergesäß am Donnerstag. Dadurch seien viele Verwaltungsvorgänge einfacher - oder entfielen komplett. So braucht es für die Nutzung der alten Sparkasse keine Baugenehmigung. Was ausdrücklich nicht heiße, dass diese Nutzung nun gefährlich sei, betonte der Landrat. Man habe das Gebäude zusammen mit dem Grafinger Architekten Niko Rinkes, der den Landkreis schon bei der Einrichtung des Notfallkrankenhauses in der Dr.-Wintrich-Halle unterstützt hat, und einem Brandschutzexperten auf die Nutzbarkeit überprüft: "Es ist sichergestellt, dass das Gebäude im Brandfall evakuiert werden kann, ohne dass Gefahr besteht", so Niedergesäß.

Wozu sicher auch beiträgt, dass jetzt nicht jedes Büro im Haus besetzt werden soll. Geplant ist zunächst, dass die Mitarbeiter der sogenannten Contact-Tracing-Teams in der alten Sparkasse arbeiten. Dabei handelt es sich um Studenten, Beamtenanwärter oder Lehrer, die sich beim Bezirk - dieser ist zuständig - für die Aufgabe gemeldet haben. Diese besteht darin, bei jedem Neuinfizierten dessen Kontaktpersonen der vergangenen Tage herauszufinden und unter Quarantäne zu stellen.

Auch die Gesundheit der Kontaktpersonen zu überprüfen gehört zum Aufgabenbereich, dies erfolgt durch tägliche Anrufe und der Frage, ob jemand coronatypische Symptome zeigt. Pro 20 000 Einwohner ist ein fünfköpfiges Team zuständig, für den Landkreis Ebersberg bedeutet dies 35 Contact-Tracer. Wobei es auch etwas mehr werden könnten, erläuterte Brigitte Keller, Leiterin der Zentralabteilung im Landratsamt, da nicht alle neuen Mitarbeiter in Vollzeit tätig seien. Bis zu 50 Arbeitsplätze stünden aber auf jeden Fall in den alten Sparkassenbüros zur Verfügung.

Einige davon sollen auch von Mitarbeitern genutzt werden, die derzeit noch im eigentlichen Landratsamt arbeiten. Geplant ist, dass etwa die mit der Wirtschaftsförderung betrauten Kollegen ins "Corona-Gebäude", so Niedergesäß, umziehen. Derzeit stockt der Landkreis diesen Bereich massiv auf, vor allem die Beratung für Gewerbetreibende sei jetzt wichtig, sagt der Landrat. Die Firmen benötigten schnell Informationen, wie sich die stetig ändernde Lage auf ihren Bereich auswirkt und wo es welche Unterstützung gibt.

Überhaupt ist derzeit ein gutes Drittel der Mitarbeiter im Landratsamt - 191 von 560 - mit Dingen beschäftigt, die mit Corona zu tun haben. Fast die Hälfte der Belegschaft, derzeit 305 Personen, arbeitet mittlerweile im Home-Office, vor der Krise waren es rund 40. Dadurch sei es möglich, die Abstandsregeln im Gebäude einzuhalten, sagt Niedergesäß, sodass in jedem Büro nur ein Mitarbeiter sitzt. Auch deswegen komme das Sparkassengebäude sehr gelegen, so könne man die Belegung an der Eichthalstraße verringern.

Ohnehin habe sich der 2018 für 12,1 Millionen Euro erworbene Bau seit Beginn der Krise schon sehr nützlich gemacht. Das Ende März eingerichtet Diagnostikzentrum nutzt Teile des Gebäudes, etwa zur Lagerung von Material und Ausrüstung, außerdem ist eine täglich geöffnete Corona-Bereitschaftspraxis dort untergebracht. Und die politischen Gremien des Kreistags können ebenfalls unter Einhaltung der Abstandsregeln tagen, im Sparkassensaal ist dazu genug Platz.

"Ich habe keine Ahnung, wo wir das alles unterbringen würden, wenn wir das Gebäude nicht hätten", sagt Keller. Der Landrat verweist allerdings darauf, dass die derzeitige Nutzung der alten Kreissparkasse keine Auswirkungen auf die einst vom Landratsamt geplante hat: "Es ist endlich", sobald der Katastrophenfall aufgehoben sei, oder die Tracing-Teams nach ihrer Einarbeitung ins Home-Office wechseln, werde das Sparkassengebäude nicht mehr als Bürogebäude genutzt werden.

© SZ vom 08.05.2020/koei
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