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Coronakrise:Markt Schwaben: "Weiherspiele" abgesagt

Weiherspiele Markt Schwaben abgesagt
leere Zuschauerränge Kirchweiher

Menschenleer: So wird der Kirchweiher in Markt Schwaben diesen Sommer wohl bleiben. Das Freilufttheater dort wurde abgesagt.

(Foto: Veranstalter)

Die Markt Schwabener Tradition fällt aufgrund der Viruskrise dieses Jahr komplett ins Wasser.

Zunächst hatte man nur den Start des Vorverkaufs verschoben, nun hat der Theaterverein Markt Schwaben schweren Herzens beschlossen, dieses Jahr komplett auf seine "Weiherspiele" zu verzichten, wegen der Corona-Krise. Die Premiere des Freilichttheaters am Kirchweiher neben dem Rathaus war für den 3. Juli angesetzt. Auf dem Programm sollte die Komödie "Das Wirtshaus im Eberwald" stehen, angelehnt an Wilhelm Hauffs "Das Wirtshaus im Spessart". Außerdem geplant war das Kindertheater "Kasperl und die große Freiheit", ebenfalls auf der Seebühne.

"Niemand kann momentan vorhersehen, wie sich die Lage bis zum Sommer entwickelt", sagt der Vorsitzende Franz Stetter. "Auf den Tribünen haben bis zu 650 Zuschauer Platz. Deshalb ist aktuell unklar, wann und ob wir überhaupt eine Genehmigung für unsere 15 Vorstellungen bekommen hätten." Unter diesen Umständen sei eine Fortführung der Planungen, des Bühnenbaus sowie die Beauftragung diverser Handwerker und Dienstleister schlicht nicht zu verantworten, so Stetter.

Seit Herbst war der Verein bereits mit den Vorbereitungen des Mammutprojektes beschäftigt. Auch das Risiko einer weiteren Verzögerung der Probenarbeit wolle man nicht eingehen, betont Ferdinand Maurer, seit 2018 Regisseur und Autor der Weiherspiele. "Wir konnten bislang noch keine Probe abhalten." 17 Schauspieler standen schon voller Vorfreude in den Startlöchern, auch bei ihnen sei die Enttäuschung natürlich groß, so Maurer.

"Wir hoffen, im Sommer 2021 wieder spielen zu können"

Doch nicht alle Vorbereitungen sollen umsonst gewesen sein: Man will das geplante Freilichttheater um ein Jahr verschieben. "Wir hoffen, im Sommer 2021 wieder spielen zu können", so Stetter und Maurer. Dann dürfen sich die Zuschauer auf gleich zwei Uraufführungen freuen.

Eine schrullige Räuberbande, eine entführte Komtess, ein geiziger Graf und vieles mehr: Die Erzählung "Das Wirtshaus im Spessart" erreichte spätestens dank der Verfilmung mit Lieselotte Pulver im Jahr 1958 Kultcharakter. Mit seinem " Wirtshaus im Eberwald" möchte der Theaterverein der Räuberkomödie aber einen ganz neuen Anstrich verpassen. "Unsere Geschichte spielt nicht im Spessart, sondern in einem Wald irgendwo in Oberbayern Ende des 19. Jahrhunderts", erzählt Autor Maurer.

Und auch das Kindertheater unter der Leitung von Christa Hermannsgabner hat sich etwas Besonderes für die Seebühne ausgedacht: Die Geschichte "Kasperl und die große Freiheit" von Josef Parzefall und Richard Oehmann, besser bekannt als Dr. Döblingers geschmackvolles Kasperltheater, existiert aktuell lediglich als Hörspiel. Doch das Autoren-Duo persönlich genehmigte Hermannsgabner, sie erstmals auf eine Theaterbühne zu bringen.

Bereits seit 1984 finden die Weiherspiele regelmäßig unter freiem Himmel im Herzen Markt Schwabens statt. Bislang gab es nur zwei spielfreie Jahre: 1992 und 2017. Nun steht Markt Schwaben also der dritte Sommer in 36 Jahren bevor, in dem am Kirchweiher keine schwimmenden Bühnen mit liebevoll gestalteten Kulissen zu sehen, unterhaltsame Geschichten zu erleben und mitreißende wie gefühlvolle Lieder zu hören sind. Aber vielleicht lässt sich der ein oder andere treue Zuschauer doch mal einen Moment auf den stillen Rängen am Weiher nieder und schwelgt in Erinnerungen an vergangene Spieljahre - natürlich mit ausreichend Abstand.

© SZ vom 15.04.2020/koei
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Von Anja Blum

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