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Weiherspiele:Nach dem "Brandner Kasper" überzeugt auch "Sommernachtstrauma"

Weiherspiele 2019 Markt Schwaben

Die phantasievolle Adaption eines klassischen Stücks, ein aufwändig gestaltete Bühnenbild und vor allem ein sehr engagiertes Team - das ist das Erfolgsrezept, welches heuer wieder zahlreiche Besucher an den Klosterweiher lockte: 7000 Leute wollten das "Sommernachtstrauma" sehen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Der Theaterverein Markt Schwaben beweist auch in diesem Jahr, dass der Neustart der "Weiherspiele" gelungen ist.

"Die Arbeit, die uns freut, wird zum Vergnügen", meinte einst William Shakespeare. Und beim Markt Schwabener Theaterverein würden das wahrscheinlich die meisten sofort unterschreiben. Denn die "Weiherspiele" sind zwar mit enormen Anstrengungen verbunden, doch voll besetzte Ränge, viele Lacher und noch mehr Applaus lassen alle Mühsal rasch vergessen.

Diesen Sommer haben die neuen Macher bereits zum zweiten Mal bewiesen, dass das Freilichttheater am Kirchweiher seine Krise mit einem klugen Konzept überwunden und einen formidablen Neustart hingelegt hat. Nach dem bayerischen "Brandner Kaspar" 2018 konnte das große Ensemble heuer mit einem köstlichen "Sommernachtstrauma" frei nach Shakespeare überzeugen. Es war das erste Mal, dass am Weiher große klassische Literatur zu sehen war. "Dass wir uns das getraut haben, finde ich super", freut sich der Vereinsvorsitzende Franz Stetter.

Natürlich sei diese Wahl mit einem gewissen Risiko verbunden gewesen, sagt der künstlerische Leiter Ferdinand Maurer, "denn es hätte schon sein können, dass der Name Shakespeare einige abschreckt." Dramatische Hochkultur, komplizierte Sprache und Handlungsstränge - all das erwarteten die Besucher eben nicht von ihren Weiherspielen. Doch das war beim "Sommernachtstrauma" auch nicht geboten, vielmehr hat der Theaterverein das Stück - auch im Original des englischen Dichters eine lockere Komödie - in ein modernes, unterhaltsames Gewand gekleidet. "Der Weg zum Weiher ist es auch 2019 wieder wert!", schwärmte der Kritiker der Ebersberger SZ.

Die Bedenken bezüglich des Stücks hätten sich jedenfalls schnell in Wohlgefallen aufgelöst, sagt Maurer. "Wir haben ganz viele, sehr, sehr gute Rückmeldungen bekommen." Einigen Besuchern habe das "Sommernachtstrauma" sogar noch besser gefallen als der bayerische Klassiker im vergangenen Jahr. "Ein älterer Herr zum Beispiel hat gesagt, dass dies der beste Weiher aller Zeiten sei, und er noch nie so viel gelacht habe." Na, wenn das kein Kompliment ist.

Weiherspiele 2019 Markt Schwaben

Feenkönigin Titania verliebt sich in den eselsköpfigen Nick - ein sicherer Lacher seit 420 Jahren.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Besucherzahlen nicht ganz so gut wie beim "Brandner Kaspar"

Auch Maurer selbst, der nicht nur mitgespielt hat, sondern auch für das Skript zuständig war und Regie geführt hat, zeigt sich mit der Inszenierung zufrieden. "Ich war diesmal schon ein bisschen nervös, weil ich nicht genau wusste, wie das Publikum reagieren wird - aber es ist alles super aufgegangen. Die wichtigen Lacher kamen, und sogar noch ein paar mehr!" Das habe sich schon bei der Generalprobe vor 400 Menschen gezeigt, die laut Maurer sehr gut lief - ohne deswegen ein schlechtes Omen zu sein. Sehr gut angekommen sei auch die neue Bewirtung durch das Brauhaus Schweiger: "Der Biergarten war eigentlich immer voll."

Die Auslastung der Ränge war zwar mit etwa 80 Prozent insgesamt heuer nicht ganz so exzellent wie beim "Brandner Kaspar", Stetter spricht von 7000 Besuchern (möglich gewesen wären etwa 9000), doch das sei vor allem der anfangs oftmals unsicheren Wetterlage geschuldet. "Wenn es deswegen ein paar schlechter besuchte Vorstellungen gibt, holt man das einfach nicht mehr auf."

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Dabei hat der Theaterverein durchaus Chuzpe bewiesen: Nach einer unnötig abgesagten Vorstellung, "es hing eine dicke Gewitterwolke über Markt Schwaben, doch um 20 Uhr riss der Himmel dann plötzlich auf", erzählt Maurer, wartete man das nächste Mal bis abends mit der Entscheidung - und konnte dann ohne einen Tropfen Regen spielen. Insgesamt fiel nur eine einzige Aufführung komplett ins Wasser, in der knapp fünfwöchigen Spielzeit gab es demnach 14 Termine.

Erstmals mit am Start: Eine Zimmerei aus Anzing

Bemerkenswert ist, dass die meisten der aktuellen Darsteller ursprünglich der vereinseigene Talentschmiede entstammen, also dem Markt Schwabener Kindertheater und der Jungen Bühne von Marga Kappl. Wie gut und wichtig deren Arbeit ist, zeigte sich auch wieder beim diesjährigen Familientheater am Weiher: Der Nachwuchs überzeugte auf der Bühne der "Großen" mit einer ganz besonderen, humorvollen Version von "Robin Hood".

Die Kassenlage des Theatervereins, der vor dem Neuanfang mit dem "Brandner Kaspar" finanziell durchaus ins Trudeln geraten war, dürfte nach dieser Saison weiterhin stabil sein. Eine ausführliche Bilanz steht zwar noch aus, doch Stetter ist zuversichtlich: "Das müsste ohne Verluste geklappt haben", sagt er. Zu verdanken ist das vor allem dem großen Engagement des Weiher-Teams, denn zum neuen Konzept gehört auch ein immenser Anteil an Eigenleistung rund um die Seebühne, um Kosten zu sparen.

Nur in einem Punkt ist man heuer davon abgerückt: Eine Zimmerei aus Anzing übernahm den Aufbau der beiden hohen Bühnengerüste. "Das haben die ganz toll gemacht, ich hoffe, dass wir diese Zusammenarbeit im kommenden Jahr fortsetzen können", sagt der Vorsitzende Stetter, der als ehemaliger Raumausstatter auch für alles Handwerkliche verantwortlich zeichnet.

Vor ihm liegen jetzt noch mindestens drei Wochen, in denen er tagtäglich mit dem Abbau am See beschäftigt sein wird, im Herbst starten dann schon wieder die Planungen für 2020. Deswegen, sagt Stetter, würde er die Aufgaben in der kommenden Saison doch gerne auf noch mehr Schultern verteilen: "Die Weiherspiele sind großartig - aber ich kann einfach nicht mein ganzes Leben dafür opfern." Sonst nämlich bleibt von dem Vergnügen, das diese Arbeit macht, nicht mehr viel übrig. Und das wäre jammerschade.

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