bedeckt München 10°

Landkreis Ebersberg:Jeder fünfte ist arm trotz Arbeit

Feldarbeit im Herbst

Symbolfoto.

(Foto: Jens Büttner/picture alliance/dpa)

5100 Vollzeit-Beschäftigte im Kreis Ebersberg arbeiten für Niedriglohn. Betroffen sind vor allem drei Branchen.

Aktuell arbeiten im Landkreis Ebersberg 19 Prozent aller Vollzeit-Beschäftigten oder rund 5100 Personen im Niedriglohnsektor. Diese erzielen trotz voller Stundenzahl ein Einkommen unterhalb der amtlichen Niedriglohnschwelle von derzeit 2350 Euro brutto im Monat. Darauf hat die Gewerkschaft IG Bau hingewiesen. Die Zahlen gehen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Fraktion im Bundestag hervor.

"Dass selbst eine Vollzeitstelle häufig nicht ausreicht, um finanziell halbwegs abgesichert zu sein, ist alarmierend", sagt Michael Müller, Bezirksvorsitzender der IG Bau Oberbayern. In der Region zählten unter anderem die Landwirtschaft, die Gebäudereinigung und die Floristik zu den Branchen, in denen besonders wenig gezahlt werde. Grund dafür sei auch die schwindende Tarifbindung. "Je mehr Firmen aus Tarifverträgen aussteigen, desto schlechtere Karten haben die Beschäftigten. Es droht eine immer tiefere Spaltung des Arbeitsmarktes", warnt Müller.

Diese werde durch die Corona-Pandemie teils verschärft: Beschäftigte im Handwerk könnten nur selten Homeoffice machen. Wegen hoher Mieten in den Städten müssten sie zudem oft weite Pendelwege in Kauf nehmen. Der Gewerkschafter ruft die Unternehmen im Landkreis Ebersberg dazu auf, sich zu Mitbestimmung und Tarifautonomie zu bekennen: "Die Sozialpartnerschaft ist ein Erfolgsmodell, das den Beschäftigten - und den Betrieben - über Jahrzehnte wachsenden Wohlstand beschert hat." Laut der Hans-Böckler-Stiftung steige in tarifgebundenen Unternehmen auch die Produktivität, Mitarbeiter seien motivierter.

"Aber auch die Politik ist am Zug. Sie sollte mehr für die Tarifbindung tun", erklärt Müller am Beispiel des Maler- und Lackiererhandwerk: Dort haben Gesellen Anspruch auf tariflichen Mindestlohn von 13,50 Euro pro Stunde. Diese Untergrenze wurde von der Politik für die ganze Branche zur Pflicht gemacht. Der gesetzliche Mindestlohn liegt aktuell bei 9,35 Euro pro Stunde. "Klar ist aber auch: Je mehr Menschen sich in den Gewerkschaften engagieren, desto mehr lässt sich gegenüber den Arbeitgebern herausholen", so Müller.

© SZ vom 12.10.2020/koei

Bauer sucht Haus
:Behörde: Landwirt soll in Holzscheune wohnen

Ein Jungbauer aus Markt Schwaben möchte mit Frau und Kindern neben seine Weide ziehen. Darf er - wenn er vorher sechs Monate in einem Stadel haust.

Von Korbinian Eisenberger

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite