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Ebersberg:Wie ein Museum aus der Asche

Hannes Müller leitet seit Dezember das Waldmuseum.

(Foto: Christian Endt)

Nach dem Brand im Dezember kehrt in das Ebersberger Museum Wald und Umwelt Leben zurück. Kommende Woche startet die erste Sonderausstellung seit dem Feuer.

Das Gebäude an der Ludwigshöhe ist zu großen Teilen noch mit einer durchsichtigen Baufolie umhüllt, ein Gerüst sichert die historischen Wände vor dem Einsturz und auf dem Parkplatz stehen mehrere Container, in denen sich Sperrmüll stapelt. Die Spuren des verheerenden Brandes vom Dezember vergangenes Jahres sind dem Ebersberger Museum Wald und Umwelt noch deutlich anzusehen - zumindest von außen. Ins Innere der Einrichtung kehrt nach und nach das Leben zurück, nun wird die erste Ausstellung nach dem Feuer eröffnen.

Hannes Müller steigt vorsichtig die engen Holztreppen des historischen Jägerhäusels hoch. Neben dem Knarzen der Treppe ist vor allem das monotone Surren der Bautrockner zu hören, die überall in dem Gebäude verteilt stehen. Oben angelangt, wird das Ausmaß des Brandes schließlich sichtbar. "Der Dachstuhl hat am meisten abbekommen", sagt der Museumsleiter und blickt hoch zur provisorischen Dachkonstruktion. Bis vor wenigen Wochen waren hier noch Folien angebracht, die zumindest verhindern sollten, dass Regenwasser in das Gebäude dringt. Inzwischen sorgt ein Überbau aus Wellblech für etwas solideren Schutz. Wann das Gebäude aber wieder in seinem ursprünglichen Zustand sein wird, kann im Moment niemand sagen. Sicher ist nur, dass es lange dauern wird.

Kurz vor Weihnachten hatte das Waldmuseum Feuer gefangen, die Kriminalpolizei ermittelt immer noch wegen des Verdachts der Brandstiftung. Etwa 120 Feuerwehrleute waren an jenem Abend im Einsatz, um der Flammen Herr zu werden. Und tatsächlich konnten sie Schlimmeres verhindern: Der geschätzte Schaden liegt zwar nach wie vor bei etwa einer Million Euro, die teils recht wertvollen Exponate der Dauerausstellung blieben aber weitestgehend heil, darunter auch die Holzbibliothek, die Candid Huber Ende des 18. Jahrhunderts geschaffen hat. Die Stücke lagern nun im Archiv und warten darauf, nach und nach wieder in das Gebäude einziehen zu können. "Ich hoffe, dass wir zumindest eine Art Übergangsausstellung im Erdgeschoss schaffen können", sagt Museumsleiter Müller.

Bis das gesamte Haus wieder bespielt werden kann, wird es dagegen noch dauern. Sicher ist, dass das Waldmuseum nie mehr dasselbe sein wird. Laut Müller war es ohnehin geplant, das aus den 90er Jahren stammende Konzept an die heutige Zeit anzupassen. Just eine Woche vor dem Feuer habe es noch einen Rundgang gegeben, bei dem man geschaut habe, wie sich die Ausstellung verändern ließe. Dann wurde man vor vollendete Tatsachen gestellt. Wie das neue Konzept aussehen soll, kann Müller derzeit noch nicht sagen. Fest steht, dass den Kern weiterhin die Themen Umwelt, Waldnutzung und die Holzbibliothek bilden sollen. Wie der Rest gestaltet wird, soll nun ein Arbeitskreis, bestehend aus Ebersberger Stadträten, Förderkreismitgliedern und Museumsmitarbeitern, eruieren.

Momentan deutet im Gebäudeinneren jedenfalls nurmehr wenig darauf hin, dass hier bis vor kurzem noch eine Dauerausstellung untergebracht war. Die durch das Löschwasser feucht gewordenen Gipswände im neueren Gebäudeteil sind abgetragen und geben den Blick auf Rohrleitungen und unverputzten Beton frei. "Der Geruch hier war brutal", sagt Hannes Müller über die ersten Wochen nach dem Feuer. Inzwischen ist der Gestank verflogen, nur dünne Rinnspuren an den Wänden und der teils gewellte Holzfußboden lassen noch erahnen, wie sich das Wasser vom Dachstuhl herab seinen Weg durch das Gebäude gebahnt hat.

Bis auf die surrenden Trockenmaschinen sind die Räume nun allesamt leer. Richtig viel Arbeit ist es Müller zufolge gewesen, die ganzen Exponate abzubauen und ordnungsgemäß zu verstauen. "Die Fachkräfte haben da wirklich im Akkord gearbeitet", so der Museumsleiter. Eine Sanierungsfirma sei alleine drei, vier Wochen mit der Grundreinigung und dem Abbau der Vitrinen beschäftigt gewesen. Deren Überreste liegen nun im Sperrmüllcontainer draußen am Parkplatz.

Der erste Aussteller nach dem Großbrand wird Volker Patalong sein. Er zeigt Fotografien von Bäumen in Verbindung mit poetischen Texten.

(Foto: Christian Endt)

Doch beim Waldmuseum blickt man bereits nach vorne: Noch in diesem Monat wird es ein Treffen mit Architekten und Denkmalschützern geben, um sich erste Gedanken über die Sanierung des Gebäudes zu machen. Ein Grobkonzept soll Müller zufolge in den nächsten Monaten erstellt werden, und auch der Dachstuhl steht heuer noch auf der Agenda. "Wir können froh sein, wenn wir das dieses Jahr noch hinbekommen." Schließlich müsse man sich bei der Sanierung eng mit dem Denkmalschutz abstimmen.

Während also am Gebäude die Arbeiten langsam anlaufen, wird auch der Museumsbetrieb fortgesetzt. Nun steht die erste Sonderausstellung seit dem Brand auf dem Programm. Der Freisinger Förster und Naturpädagoge Volker Patalong wird von kommenden Donnerstag an im Keller des Waldmuseums unter dem Titel "Bäume - Begegnungsorte für die Seele" Fotografien in Kombination mit poetischen Texten präsentieren. Zwar hat auch das Kellergeschoss einen Wasserschaden von den Löscharbeiten davongetragen, inzwischen seien hier aber alle Belastungen beseitigt, so dass einer Wiedereröffnung des Gebäudeteils nichts mehr im Wege stehe. Nicht zuletzt deshalb dürfte der wissenschaftliche Mitarbeiter Andreas Puhr vielen seiner Museumskollegen aus der Seele sprechen, wenn er mit Blick auf die Ausstellung sagt: "Wir mussten ein bisschen improvisieren, aber jetzt freuen wir uns, dass es auch inhaltlich weitergeht."

Sonderausstellung "Bäume - Begegnungsorte für die Seele" von Volker Patalong. Vernissage am Donnerstag, 12. März, um 19 Uhr. Zu sehen bis 27. Juni zu den Öffnungszeiten des Museums Wald und Umwelt, Ludwigshöhe 2, Ebersberg.

© SZ vom 07.03.2020/wean

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