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Grund- und Mittelschule Ebersberg:Sanieren ist Silber, Bauen ist Gold

Nach einigen Schwierigkeiten ist die Turnhalle in der Floßmannstraße offiziell eröffnet

Von Dorian Baganz, Ebersberg

Für Edzard Everts ist es eine schwere Aufgabe. "Von Schulen und Pausenhöfen schweigt das Evangelium", sagt der Mann, der im Talar in einer Turnhalle steht. Mit Sport habe Jesus auch nicht so viel am Hut gehabt. Und überhaupt: "In der Fastenzeit eine Mensa einweihen?" Es ist ein komplizierter Termin für den Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde, der der neuen Turnhalle der Ebersberger Grund- und Mittelschule seinen Segen geben soll. Aber auch die Inauguration der neuen Mensa und des Schulhofes stehen auf dem Kalender. Das verlangt nach kreativer Exegese.

Zuvor haben sie noch gesungen, nun lauschen die Schülerinnen und Schülerder Ebersberger Grund- und Mittelschule den Vorträgen bei der Einweihungsfeier ihrer neuenTurnhalle.

(Foto: Christian Endt)

Etwa 6,7 Millionen Euro hat das Projekt insgesamt gekostet. Die Bauzeit betrug rund zwei Jahre. Geplant wird seit Mitte 2016. Besonders stolz scheint Architekt Norbert Raith indes auf die neue Sporthalle zu sein: Sie umfasse unter anderem eine Boulderwand, ein "Multi-Motion-Center" zur Verbesserung von Motorik und Geschicklichkeit sowie im Boden integrierte Slackline-Bänder, auf denen man balancieren könne. Während der feierlichen Einweihung am Donnerstagnachmittag übergibt er an Schulleiter Alexander Bär sowie an den scheidenden Bürgermeister Walter Brilmayer (CSU) einen goldenen Schlüssel. Dieser sei nur symbolischer Natur, klar, heute sei schließlich alles elektronisch. "Aber die Übergabe eines Plastikchips sieht ja doof aus." Dass der Architekt an diesem Tag der Öffentlichkeit einen Neubau präsentiert, hängt mit der Statik des alten Gebäudes zusammen, das hier zuvor gestanden hat. Und irgendwie auch mit den "goldenen Zwanzigern".

Die neue Mensa bringt indes den Pfarrer ins Schwitzen.

(Foto: Christian Endt)

Die Zusammenhänge erläutert Rathauschef Brilmayer in seiner Rede. Ursprünglich habe man die alte Turnhalle sanieren wollen und sei von Ausgaben in Höhe von 30 000 Euro ausgegangen. Dann seien "statische Probleme" entdeckt worden und die Kostenschätzung habe sich verzehnfacht: auf 300 000 Euro. Die Halle habe eben den "Standards der 20er-Jahre" entsprochen, sagt der Bürgermeister, "aber des letzten Jahrhunderts!" Alexander Bär erklärt, man habe sogar damit rechnen müssen, "dass das ganze Ding irgendwann in sich zusammenfällt". Also fiel die Entscheidung gegen eine Sanierung und für einen Neubau. "Nun haben wir fertig!", sagt Bär in bester Giovanni-Trapattoni-Manier.

Architekt Norbert Raith übergibt kurz darauf den "goldenen Schlüssel" an Schulleiter Alexander Bär und Bürgermeister Walter Brilmayer (von links).

(Foto: Christian Endt)

Der Schulleiter macht auch auf kleine Startschwierigkeiten aufmerksam, die es mit der neuen Halle gegeben habe. Nach deren Inbetriebnahme im Januar habe sich ein Sportlehrer in den Umzugsraum für Lehrer zurückgezogen. Das Problem war nur: Er kam nicht wieder raus. Auch nach "minutenlangem Rütteln" habe die Tür geklemmt, also sei der Mann "stuntreif" hinaus auf die Floßmannstraße gesprungen. Durch die sogenannte "Split-Level-Bauweise" des Schulgebäudes waren das immerhin knapp anderthalb Meter Höhenunterschied. Als "Ebersberger Fenstersturz" bezeichnet Alexander Bär das. Klar, hier und da hake es noch, hört man auch aus den Reihen des TSV Ebersberg, der sich die Halle mit der Schule teilt. Doch das seien Petitessen, die in nächster Zeit voraussichtlich behoben würden. Die Freude überwiegt. Zum Beispiel über den Einstichkasten für Stabhochspringer, der in der neuen Anlage zu finden sei - auf Wunsch des TSV.

An der Einweihung der neuen Räumlichkeiten nehmen natürlich auch die Schülerinnen und Schüler teil. In einer kleinen einstudierten Aufführung setzen sie bunte Klötzen aufeinander, tanzen dabei und trillern ein Lied: "Ärmel hoch, angepackt, jetzt wird die Halle fertig gemacht..." Ob sie damit den Türschließmechanismus meinen, der noch Probleme bereitet? Ein Aspekt kommt bei den exaltierten Reden in der Turnhalle etwas zu kurz: Die Tatsache nämlich, dass die Schule durch die Neubaumaßnahmen auch barrierefrei geworden ist. Im Zuge der Errichtung der Sporthalle wurde dem Foyer der Schule ein Anbau hinzugefügt, in dem sich nun auch ein Aufzug befindet. Erwähnenswert findet das am Donnerstagnachmittag jedoch nur Architekt Norbert Raith.

Was ist eigentlich mit Pfarrer Everts? Dem gelingt es doch noch, eine Analogie zur Bibel herzustellen. So erzählt er die Geschichte der wundersamen Brotvermehrung, in der es Jesus glückt, mit "fünf Broten und zwei Fischen" ganze fünftausend Menschen zu speisen. Ein kluger Mann habe mal gesagt, Nahrung sei "die Grammatik des Lebens", so Everts. Gut gerettet.

© SZ vom 07.03.2020

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