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Stadtpolitik:Das Verkehrskonzept in Ebersberg ist eine Falle

Parken am Egglburger See am Wochenende

Auch außerhalb des Ebersberger Stadtkerns wird viel geparkt, etwa wie hier am Egglburger See (Symbolfoto).

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Sollten in der Kreisstadt tatsächlich die Parkplätze reduziert werden, sind Probleme vorprogrammiert. Exemplarisch zu sehen an einer unweit gelegenen Gemeinde.

Kommentar von Wieland Bögel

Nicht erst seit Corona gibt es die Tendenz der Politik, die Rolle eines Erziehungsberechtigten einzunehmen. Aktuelles Beispiel ist das Mobilitätskonzept für das Ebersberger Hölzerbräu-Gelände. Darin geht es auch um die Möglichkeit, Parkplätze zu reduzieren, um den Leuten die Lust am Autofahren auszutreiben. Man mag zu dieser Bürger-Erziehung stehen, wie man will, doch auch deren Befürworter sollten aufpassen, dass sie nicht in eine Falle tappen.

Zwar ist der Bahnhof mit seinem attraktiven 40-Minuten-Takt nicht weit und auch der Wochenendeinkauf für die vierköpfige Familie lässt sich ohne Probleme mit dem Lastenfahrrad von den Supermärkten durch Wind und Wetter herbeistrampeln. Zeit dafür müssten die neuen Bewohner des Hölzerbräu-Wohngebietes leicht haben. Wo es doch immer heißt, Zeit sei Geld, und letzteres braucht es reichlich in einer Lage, die - vorsichtig geschätzt - mehr als 7000 Euro pro Quadratmeter kostet. Weshalb die Bewohner eben nicht mit dem Leihrad zur S-Bahn, sondern mit dem (Dienst-)Auto ins Büro am anderen Ende von München fahren. Ausdrücklich im Plural, denn diese Art von Immobilie macht ein Doppelverdiener-Paar fast schon zur Voraussetzung.

Dass man bei einer Firma, die mit Immobilien Geld verdient, solche Rechnungen nicht anstellen würde, kann im Ernst niemand glauben. Stellt sich also die Frage, wieso Euroboden - der Name steht gut lesbar auf der ersten Seite des Mobilitätskonzeptes - auf die Idee kommt, mit ein paar gesponserten Fahrkarten und Leihrädern diese Fakten zu ändern. Die Antwort könnte gut sein: Niemand ist auf diese Idee gekommen. Aber es klingt gut, und könnte helfen, teure Parkplätze zu sparen. Wenn das Konzept nicht aufgeht, hat die Stadt - beziehungsweise haben die Anwohner rundrum - eben ein Problem. Wer Investoren solche Pläne nicht zutraut, sollte nach Vaterstetten schauen.

Dort hatte sich ein Investor vor gut 15 Jahren vom Gemeinderat eine Reduzierung des Stellplatzschlüssels genehmigen lassen. Die Begründung: Ins neue Haus zögen vorrangig Senioren ein und die hätten eh weniger Autos. Weder das eine noch das andere trat ein, stattdessen wurde der Parkplatzmangel rund um den Baldhamer Bahnhof noch größer. Ob das auch einmal für den Ebersberger Marienplatz gesagt werden wird, haben die Stadträte noch in der Hand.

© SZ vom 12.02.2021/koei
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