Nach sechs Jahren Renovierung:Deutsches Museum eröffnet neuen Bereich

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Nach sechs Jahren Renovierung: In der Luftfahrtabteilung des Deutschen Museums wird künftig mehr Wert auf den historischen Kontext gelegt.

In der Luftfahrtabteilung des Deutschen Museums wird künftig mehr Wert auf den historischen Kontext gelegt.

(Foto: Catherina Hess)

Nach den Sanierungsarbeiten wird ab dem 8. Juli der erste umgebaute Teil mit 19 neuen Ausstellungen zu sehen sein. Was Besucher dort künftig erwartet.

Von Andrea Schlaier

Der Asphalt vor dem neuen Eingang ist am Mittwochmittag erst seit ein paar Stunden trocken, ein Chor aus (Nerven-)Sägen und Bohrern sirrt und rattert aus dem Haus. Kabel, Kübel, Container allüberall. Kaum drinnen, ruft einer hektisch: "Nicht das Geländer anfassen, die Farbe ist noch frisch." Endspurt auf der vielleicht prominentesten Baustelle der Stadt: Nach sechs Jahren Sanierungsarbeit wird am Freitag, 8. Juli, der erste Teil des aufwändig in Schuss gesetzten Deutschen Museums mit zunächst 19 frisch gebürsteten Ausstellungen eröffnet - mit einem dreitägigen Volksfest zwischen Cornelius- und Boschbrücke. Die letzten Meter bis dahin sind für alle Beteiligten allerdings noch ein Kraftakt. Dafür schlägt das Herz des Hauses schon, wenn man die Schauen so euphemistisch nennen will, wie sich beim Parcours für die Presse am Mittwoch zeigt.

"Von den Putzfrauen bis zu den Kuratoren sind alle höchst erfreut, wenn es endlich losgeht", empfängt Generaldirektor Wolfgang M. Heckl die Gäste zur Preview am neuen Interims-Zugang, einem transluzenten Glaskörper nahe der Corneliusbrücke. Bis 2028, wenn denn dann die Generalsanierung des denkmalgeschützten Schwergewichts wie geplant abgeschlossen sein wird, gelangt man von hier aus über die Uferstraße ins Haus und zu den 19 einzeln kuratierten neuen Dauerausstellungen - von der Modellbahn bis zur Atomphysik, von der Robotik bis zu Musikinstrumenten. Ein Drittel der Exponate wurde eigens neu angeschafft, ein weiteres Drittel fristete bis dahin eine Existenz in Depots, und das restliche Drittel war auch früher schon zu sehen.

Nach sechs Jahren Renovierung: Generaldirektor Wolfgang M. Heckl kann den Neustart kaum erwarten.

Generaldirektor Wolfgang M. Heckl kann den Neustart kaum erwarten.

(Foto: Catherina Hess)

Dicht belagert wird unter Garantie künftig in der ersten Daueraustellung zur Robotik überhaupt im Deutschen Museum "Nao" sein, der umringt ist von knapp zehn anderen humanoiden Exemplaren. Der kleine, auch bayerisch sprechende Kerl, der auf Knopfdruck etliches von dem Unfug nachmacht, den ihm Hausherr Heckl mal als Elefant, mal als Gitarristo vormacht, läuft mit Sicherheit den daneben stehenden Kollegen von der Haushaltshilfe-Fraktion oder der Bombenentschärfung den Rang ab. Modelleisenbahn-Enthusiasten werden sich Stunden vor der 44 Quadratmeter großen, digital gesteuerten Anlage des fiktiven unterfränkischen Ortes Wernmünden in deren verkehrlichen Nah- und Fernbeziehungen verlieren. Die Optik-Sektion wartet mit einem Wiesn-haften Spiegelkabinett auf, in dem man sich im Prinzip sieht wie im Teelöffel beim Frühstück, nur halt lebensgroß. Schreitet man auf das eigene Bild zu, verlöscht es am Brennpunkt.

Auf eine auch "neue, vielfältige Vermittlung", sagt Dagmar Klauer, Leiterin des Museumsbetriebs, habe man Wert gelegt. "Zu den kostenlosen Abteilungsführungen kommen Science-Shows im Auditorium in der Eingangshalle, Vorführungen im Chemie-Saal oder beim Mikroskopischen Theater am Rasterelektronenmikroskop." Neben den Medienstationen zum Anklicken und Anhören werden die mehr als 8000 Exponate mehrsprachig in einem digitalen Führer erklärt, mit Geschichten und Filmen auch über ihre Erfinder.

Nach sechs Jahren Renovierung: Platz für eine Pause: das noch nicht ganz fertige Restaurant "Frau im Mond".

Platz für eine Pause: das noch nicht ganz fertige Restaurant "Frau im Mond".

(Foto: Catherina Hess)

Bei "alten Bekannten" wie etwa "Tante Ju" in der historischen Luftfahrt-Abteilung ist neuerdings auch ein Fokus auf den historischen Kontext gelegt worden. Der militärische Einsatz betagter Flugobjekte wird thematisiert, auch die Produktion durch Zwangsarbeiter in der NS-Zeit. Kleingedrucktes wird im ganzen Haus vielfach ersetzt durch Knopfdruck-Info. Neuerdings ist das Haus barrierefrei - dazu zählen auch Tastenmodelle für Sehbehinderte und Videos in Gebärdensprache. Und weil dem schweren steinernden Schiff auf der Museumsinsel auch ganz oben endlich eine frische Brise um die Nase wehen soll, zieht hier neben der Raumfahrt die "Frau im Mond" ein, eine Dachterrassengastronomie, die unabhängig vom Museum öffnet und einen grandiosen Blick auf die Ufer der Isar schenkt.

Fürs Eröffnungsfest von 8. bis 10. Juli ist der Eintritt draußen frei. Tickets fürs Deutsche Museum selbst gibt's fürs Feierwochenende und die Zeit danach von sofort an unter www.deutsches-museum.de/museumsinsel/tickets. "Etwa 3500 Menschen dürfen zeitgleich im Ausstellungsgebäude sein", sagt Dagmar Klauer. "Das ist unser begrenzender Faktor."

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