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SZ-Adventskalender:Neuanfang mit Hindernissen

Alleinerziehende

Mit Hilfe des SZ-Adventskalenders können sich Ramona K. und ihre Familie nun endlich eine Waschmaschine und Möbel für die neue Wohnung kaufen.

(Foto: Marcel Kusch/dpa)

Mit ihren vier Kindern ist Ramona K. nur knapp der Obdachlosigkeit entgangen. Für ihre neue Wohnung braucht sie nun Möbel und eine Waschmaschine

Von Christiane Bracht, Dachau

Ramona K. kann ihr Glück kaum fassen. Monatelang war sie hin und hergerissen, schwebte zwischen Depression und Perspektivlosigkeit. Viel hatte nicht gefehlt: Fast wäre sie mit ihren vier Kindern in einer Obdachlosenunterkunft gelandet. Einem Container, der zu einer Asylunterkunft gehört. Drei Räumungsklagen hatte sie in den vergangenen eineinhalb Jahren bekommen. Zuletzt war der Gerichtsvollzieher praktisch schon auf der Matte gestanden mit dem Siegel in der Hand. Es war eine enorme Belastung für die 36-Jährige aus dem Landkreis Dachau. Doch dann hat sie in letzter Minute und mit tatkräftiger Unterstützung von Amper e.V. und Caritas doch noch eine Wohnung für ihre Familie gefunden. Eine Wohnung, so schön wie sie sich nicht einmal in ihren kühnsten Träumen erhofft hatte. Die Erleichterung ist ihr deutlich anzumerken. So viel Ungewissheit, so viel Angst und jetzt die Wendung: "Es ist ein kompletter Neuanfang", sagt sie.

Alles läuft noch nicht in geordneten Bahnen. Doch die neue Wohnung ist ein großer Schritt dorthin. Allein es fehlen noch Möbel und eine Waschmaschine. Der Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung will die Familie unterstützen, ihr Wohnlichkeit und damit Geborgenheit geben. Aus der Kurve getragen hatte Ramona K. (alle Namen sind von der Redaktion geändert) eine Depression. "Mir ist alles über den Kopf gewachsen", gesteht sie. Allein die Kinder hatte sie im Fokus, um sie kümmerte sie sich trotz allem liebevoll. Doch alles andere verlor sie aus den Augen: Rechnungen, Miete und vieles mehr. Erst als das erste Räumungsurteil da war, wurde ihr klar, dass sie Hilfe braucht. Viel zu lange hatte sie diesen Schritt hinausgezögert. Vielleicht aus Scham, wohl auch aus schlechter Erfahrung, denn sie sagt: "Als vor etwa fünf Jahren bei meinem Sohn ADHS (Aufmerksamkeitsdefizitstörung) diagnostiziert wurde, bekam ich vom Jugendamt eine Familienhilfe, aber das hat fast gar nichts gebracht. Da habe ich das Vertrauen verloren." Ramona K. ist ein wenig kleinlaut. Denn dieses Mal war es anders: Die Haushaltsorganisation der Caritas nahm das Heft in die Hand. Ramona K. fand zum ersten Mal den Weg zu einer Psychotherapeutin. "Ich nehme jetzt Tabletten. Das hilft mir", sagt sie.

Den Kindern verschwieg sie das Desaster lange. Die beiden Jüngsten - fünf und acht Jahre alt - bereitete sie nur darauf vor, dass sie womöglich umziehen würden. Wohin, das ließ sie offen. Der 13-jährige Stefan lebt unter der Woche in einer Wohngruppe. Er fährt nur an den Wochenenden heim und bekam davon wenig mit. Die Älteste hatte ihre eigenen Probleme, sie war schwanger geworden und stand, damals 17-jährig, bereits kurz vor der Niederkunft, als im April 2019 das erste Räumungsurteil ins Haus flatterte. Ihr Frauenarzt warnte, es sei nicht zumutbar, in diesem Stadium der Schwangerschaft in einen Container zu ziehen. Es gelang, einen Aufschub zu erwirken. Ramona K. suchte verzweifelt nach einer neuen Bleibe - mit Unterstützung der Sozialarbeiterinnen natürlich. Doch Dachaus Wohnungsmarkt ist nicht gemacht für Menschen mit sehr schmalem Geldbeutel, vier Kindern und Schulden.

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Bei der Geburt von Enkel Maximilian freute sich die ganze Familie, doch das Glück währte nicht lange. Eine Woche später hörte der Kleine plötzlich einfach auf zu atmen. Der Notarzt war schnell zur Stelle. Längere Zeit wurde der Säugling reanimiert. Maximilian überlebte, aber schwer geschädigt. Vier Wochen versetzten die Ärzte ihn ins künstliche Koma. Seine Mutter Laura saß Tag und Nacht an seinem Bettchen. Ramona K. versuchte, ihre Tochter zu unterstützen, so gut es eben ging, ihr Kraft zu geben. Kraft, die sie selbst eigentlich auch nicht hatte. Als Maximilian und Laura in Pfaffenhofen waren, fuhr sie jeden zweiten Tag hin, als das Kind später in eine Spezialklinik in den Landkreis Rosenheim verlegt wurde, war sie zwei bis drei Mal pro Woche da. "Ich habe 25 000 Kilometer verfahren seit dem Unfall", sagt Ramona K. "Es war ein schlimmes Jahr."

Ihre eigenen Probleme lösten sich auch nicht in Luft auf. Im Februar 2020 erreichte sie das nächste Räumungsurteil. Das Horrorszenario, im Container leben zu müssen, rückte unerbittlich näher. Noch einmal gelang es mit viel Verhandlungsgeschick der Helfer, den Auszug aufzuschieben. Im Sommer beim dritten Urteil "stand es Spitz auf Knopf", sagt Karin Reichlmeier vom Amper e.V. In dieser ganzen Situation aus drohender Obdachlosigkeit, Depression und Sorge um Enkel und auch Tochter, "habe ich einfach den Autopiloten eingeschaltet", sagt Ramona K.

Die Sozialpädagoginnen bereiteten ihre Klientin darauf vor, dass sie nun ihre Wohnung ausmisten müsse. "Ein Lager für meine Möbel und andere Dinge hätte ich mir nicht leisten können", sagt Ramona K. Wenn der Gerichtsvollzieher käme, sollte die Familie nur noch das Nötigste besitzen. Ein Container wurde bestellt, alles weggeschmissen. Viel Brauchbares sei ohnehin nicht dabei gewesen, sagt Reichlmeier.

In allerletzter Minute haben sich nun zumindest einige Sorgen der Familie in Wohlgefallen aufgelöst: Vergangene Woche konnte sie in eine Sozialwohnung umziehen. "Ich hab großes Glück gehabt", sagt Ramona K. Eigentlich hätte sie neun Jahre darauf warten müssen; so begehrt sind diese Wohnungen im Landkreis Dachau. Mit dem letzten bisschen Geld kaufte die Mutter eine gebrauchte Küche. Um sich zu Hause zu fühlen, fehlen aber noch Möbel: Schränke, Betten, Tisch und Stühle. Noch sind die Räume recht kahl. Der SZ-Adventskalender wird Ramona K. und ihren Kindern nun bei der Einrichtung helfen und auch die fehlende Waschmaschine finanzieren.

© SZ vom 18.02.2021
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