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"Bauer sucht Frau":Mindestens einmal gemeinsam Mist schaufeln

Bauer sucht Frau

Von seinen Bienen wird Hubert Burgstaller bereits umschwärmt - nun sucht er noch eine Frau, die das gleiche tut.

(Foto: N.P.JØRGENSEN)

Landwirt Hubert Burgstaller aus Erdweg hofft, mithilfe einer TV-Show eine große Liebe zu finden

Von Jacqueline Lang, Erdweg

Ein bisschen absurd ist es ja schon: Sollte Hubert Burgstaller nach Jahren der Suche in diesem Sommer auf dem altherkömmlichen Weg - sprich durch Zufall in einer Bar oder einem Biergarten - seiner Traumfrau begegnen, er müsste ihr erst einmal eine Abfuhr erteilen. Einen Vertrag, in dem das so oder so ähnlich formuliert steht, hat der 39-Jährige aus freien Stücken unterschrieben - um, und das ist vielleicht das Absurdeste daran, die Frau fürs Leben zu finden.

Genau wie Pferdewirtin Lara und 13 andere Bauern aus ganz Deutschland sucht der Ferkel- und Bienenzüchter Burgstaller in diesem Sommer nämlich in der RTL-Sendung "Bauer sucht Frau" eine Partnerin, die mit ihm auf seinem Hof in Unterweikertshofen alt werden will. Ein Millionenpublikum wird ihm und seinen Bewerberinnen dabei erst im Herbst zusehen können, dann wird die 17. Staffel ausgestrahlt. Weil Burgstaller bis dahin niemandem verraten darf, ob und an wen er sein Herz verloren hat, sind Dates außer der Reihe bis zur Ausstrahlung Tabu. Der einzige Weg in Burgstallers Herz führt also derzeit über RTL.

Burgstaller, der die weniger werdenden Haare auf dem Kopf geschickt mit einem Strohhut kaschiert und in kurzer Arbeiterhose, ausgelatschten Birkenstocks und einem dauerbreiten Grinsen über seinen kleinen Hof führt, auf dem es derzeit junge Gänse, kleine Schweinchen und geschäftige Bienen zu bestaunen gibt, bringt der Besuch einer Reporterin und eines Fotografen längst nicht mehr aus der Ruhe. Seit ihn Freunde im vergangenen Herbst bei der Sendung angemeldet haben, hat er mehrere Stunden Assessment-Center durchlaufen und stand stundenlang vor der Kamera. In mehreren mehrstündigen Interviews wurde geprüft, ob Burgstaller ein geeigneter Kandidat für die Sendung ist. Zu den Fragen darf er keine Angaben machen, wie zu vielen Details. Dazwischen musste er selbst ein Bewerbungsvideo drehen, später kam dann ein mehrköpfiges Team nach Unterweikertshofen und hat ihn einen Tag begleitet. Das knapp zweiminütige Ergebnis kann sich seit Ende Mai die ganze Welt nun im Netz anschauen.

"In Oberbayern ist ein Bauer zwar sehr umschwärmt, aber bisher nur von seinen Bienen", so wird Burgstaller von RTL vorgestellt. Zu sehen ist er, wie er in voller Schutzausrüstung zwischen seinen Bienenstöcken steht. Ein paar Sequenzen später gießt er Bienenwachskerzen in Herzform um seine romantische Seite zu zeigen. Außerdem sieht man ihn im Stall bei den Schweinen und beim Angeln. Wer sich Hubert, wie er in dem kurzen Clip nur genannt wird, "angeln" möchte, wie es eine Stimme aus dem Off vorschlägt, kann sich für die sogenannte Hofwoche bewerben.

Bauer sucht Frau

Erst vor wenigen Wochen sind die Ferkel auf dem Hof von Hubert Burgstaller zur Welt gekommen.

(Foto: N.P.JØRGENSEN)

Natürlich, sagt Burgstaller, habe er sich anfangs Sorgen gemacht, wie ein Depp dargestellt zu werden, immerhin habe er ja keinen Einfluss auf das, was letztlich ausgestrahlt werde. Die Recht am eigenen Bild hat er abgegeben. Allerdings habe er zu Beginn ohnehin nicht ernsthaft damit gerechnet, ausgewählt zu werden, und bislang seien alle sehr nett. Mit "Schundfernsehen" habe das nichts zu tun. Und überhaupt: "Zu verlieren habe ich nichts." Seit drei Jahren sei er nun Single, coronabedingt sei es in den vergangenen eineinhalb Jahren besonders schwer gewesen, eine passende Frau kennenzulernen. Tinder und all die anderen Dating-Apps, das sei nichts für ihn. Warum also nicht sein Glück im Fernsehen versuchen?

Noch aber heißt es abwarten und hoffen, dass sich tatsächlich eine oder womöglich sogar mehrere potenzielle Traumfrauen bewerben und ihn demnächst auf seinem Hof besuchen kommen. Wann es genau soweit sein wird, dürfte Burgstaller zwar ohnehin nicht erzählen, aber er weiß es offenbar tatsächlich nicht. Seit Pfingsten habe er nichts mehr von RTL gehört, erzählt er. So langsam steigen Nervosität und Vorfreude, die Gästebetten sind längst hergerichtet.

Bauer sucht Frau

Neben Schweinen und Bienen leben auch Gänse auf dem Hof.

(Foto: N.P.JØRGENSEN)

Übrigens: Wer denkt, Burgstaller würde von früh bis spät auf seinem Hof schuften, der irrt. Der drahtige Erdweger ist Bauer nur im Nebenerwerb, die Landwirtschaft und vor allem die Imkerei sind für ihn vor allem ein Hobby. "Ich mag es einfach, mit und in der Natur zu arbeiten", sagt Burgstaller. Hauptberuflich arbeitet er dennoch bei einer Betriebskrankenkasse. Ohnehin würde Burgstaller von seiner Auserwählten aber nicht erwarten, dass sie auf dem Hof mit anpackt. "Ich brauche keine Frau, die mir hilft." Nur sein Hobby akzeptieren und mit ihm auf dem Hof, den er einmal übernehmen wird, leben wollen, müsse sie sich vorstellen können. Für die Sendung, da ist es sich allerdings sicher, wird wohl von ihnen erwartet werden, dass sie mindestens einmal gemeinsam Mist schaufeln. Auf keinen Fall werde er das die Frau aber alleine machen lassen, das hätten ihm seine Kumpel schon eingebläut, sagt Burgstaller.

Glaubt er denn, dass das funktioniert mit dem Verlieben, wenn einen ein Kamerateam auf Schritt und Tritt verfolgt und womöglich noch Ansagen macht? "Nach zwei Stunden vergisst man die Kameras", ist sich Burgstaller sicher; zumindest sei es bei seinem ersten Dreh so gewesen. Und wenn man sich das mal überlege, sei so eine ganze gemeinsame Woche doch deutlich mehr gemeinsame Zeit, als man bei jedem anderen Date habe. Und noch einen Vorteil habe diese Art des Kennenlernens, findet Burgstaller: Die Frauen wüssten durch das Vorstellungsvideo von Anfang an, was sie erwartet.

Die ein oder andere Überraschung dürfte die Frauen allerdings doch erwarten: Zum einen spricht Burgstaller bayerisch, also so richtig. Zu erahnen ist das zwar auch in dem Video, vor der Kamera hat er aber automatisch ins Hochdeutsche gewechselt. Seine Freunde, sagt Burgstaller, hätten ihn deshalb fast nicht erkannt. Und sie hätten ihm gesagt, dass er unbedingt bayerisch reden müsse, "auch wenn ich dann untertitelt werde". Die zweite Überraschung dürfte für eine Kandidatin, die nicht auf dem Land groß geworden ist, sein: Schon ein Rundgang durch den Schweinestall reicht, um den ganzen Tag ein Duftfahne aus Mist hinter sich herzuziehen. Aber was tut man nicht alles für die Liebe?

In seinem Vorstellungsvideo sagt Burgstaller, dass er an die Liebe auf den ersten Blick glaubt. Im Gespräch gibt er sich indes eher pragmatisch: "Da wird schon eine dabei sein." Ihm reiche es schon, wenn es zu 70 Prozent passe, alles andere werde sich dann schon fügen. Und was, wenn es doch nicht funkt? "Wenn es nicht klappt, macht es auch nichts", sagt Burgstaller und lacht, wie so oft an diesem Nachmittag. "Ich bin ja dann bekannt."

© SZ vom 19.06.2021/van
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