"Der traurigste Anlass unserer Vereinsgeschichte":Nach Unfalltod von Familienvater - Spendenaktion "Alle für Moritz"

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"Der traurigste Anlass unserer Vereinsgeschichte": Beim Drittligaspiel des TSV 1860 gegen den Halleschen FC am Freitag trauern im Grünwalder Stadion 15 000 Menschen um Löwen-Fan Moritz W., der bei einem Motorradunfall starb.

Beim Drittligaspiel des TSV 1860 gegen den Halleschen FC am Freitag trauern im Grünwalder Stadion 15 000 Menschen um Löwen-Fan Moritz W., der bei einem Motorradunfall starb.

(Foto: IMAGO/Ulrich Wagner)

Der Fußballer und Familienvater Moritz W. aus Freising starb bei einem Motorradunfall. Freunde sammeln nun Spenden für seine vier Kinder. Dabei bekommen sie Hilfe, unter anderem vom TSV 1860 München.

Von Ayça Balcı, Dachau

Moritz W. soll ein besonderer Mensch gewesen sein. Seine Freunde und Sportkameraden beschreiben ihn als "einen absolut lebensfrohen und energiegeladenen Menschen und Freund". Und sie sprechen von einem tragischen Verlust, denn der 36-Jährige, der in Freising wohnte, ist bei einem Motorradunfall am Sonntag vor zwei Wochen gestorben. Aus bislang noch unbekannter Ursache hatte er auf der Staatsstraße 2054 zwischen Weichs und Glonn die Kontrolle über seine Honda verloren, war auf die Gegenfahrbahn geraten und mit einem entgegenkommenden Auto zusammengestoßen. Der Autofahrer blieb unverletzt, Moritz W. starb noch am Unfallort.

In den vergangenen zwölf Monaten zählte die Polizei im Landkreis Dachau insgesamt 81 Verkehrsunfälle, bei denen Motorräder beteiligt waren. Im Jahr 2021 war bei einem von insgesamt vier Todesfällen im Straßenverkehr ebenfalls ein Motorradfahrer gestorben.

Moritz W. hinterlässt seine Frau und vier kleine Kinder. Der Tod des beliebten Fußballfans und Familienvaters, der lange in Lohhof gelebt hat, beschäftigt viele im Landkreis Dachau.

"Die Bereitschaft zu helfen ist riesig"

Nur wenige Tage nach dem tödlichen Unfall organisierten Freunde und engste Familienmitglieder die Initiative "Alle für Moritz", um Spenden für Moritz W.s Frau und die Kinder zu sammeln. W. war der Hauptverdiener der sechsköpfigen Familie. "Die Bereitschaft zu helfen ist riesig", teilt ein Sprecher der Initiative mit. Etwa 5000 Menschen folgten der Aktion in den sozialen Medien, darunter nach eigenen Angaben auch einige Münchner Fußballprofis. Hunderte Spenden und viele Unterstützungsangebote seien bisher zusammengekommen. Einen Zwischenstand und Details zur Spendenaktion will die Initiative in den kommenden Wochen veröffentlichen. Außerdem werde sie, so teilt ein Sprecher mit, mit dem Münchner Verein "Freunde der Waisenkinder" kooperieren. Ihr Ziel sei es, eine langfristige Unterstützung der Familie zu ermöglichen.

Auch der SC Inhauser Moos, der Verein, in dem Moritz W. seit seiner Jugend gespielt hatte, startete einen Spendenaufruf. "Er war der liebenswerteste und chaotischste Spieler, den wir je hatten," erzählt Werner Schmid, der Abteilungsleiter des Fußballvereins. Moritz W. sei vielleicht nicht der beste Spieler gewesen sein, dafür aber ein sehr leidenschaftlicher. "Er ist immer mit einem Lächeln über das Spielfeld gegangen", erinnert sich Schmid. Allein durch den Spendenaufruf des Dachauer Fußballvereins seien in zwei Tagen knapp 20 000 Euro gesammelt worden. Wie auch die Initiative "Alle für Moritz" will der SCI Wege finden, um die Angehörigen des Verstorbenen nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig zu unterstützen. So plant der Verein eine Aktion, in der es möglich sein soll, Langzeit-Patenschaften für die vier Kinder zu übernehmen.

Abschied in der Löwenfamilie

Wie seine Freunde berichten, war Moritz W. ein großer Fan des TSV 1860 München und ein aktiver Teil der Löwenfamilie. Bereits als Baby sei er mit seinem Vater im Stadion an der Grünwalder Straße gewesen. Und so kam es, dass sich beim Drittliga-Spiel gegen den Halleschen FC am vergangenen Freitag rund 15 000 Fans von Moritz W. verabschiedeten. Die Profis der Löwen zeigten nach Spielende mit einem "Alle für Moritz"-Banner ihre Solidarität, die Tribüne wurde zu einem Meer aus schwarzen Luftballons, aus dem ein Bild des Verstorbenen zum Vorschein kam.

Auch am ersten Spieltag des SC Inhauser Moos am vergangenen Sonntag wurde Moritz gedacht. "Es war der traurigste Anlass unserer 60-jährigen Vereinsgeschichte", so Werner Schmid. Auf dem Rasen und um das Spielfeld herum sei eine große Anteilnahme zu spüren gewesen. Es war ein besonderes Spiel: ein Derby gegen den SV Lohhof. Moritz W., der im Landkreis München aufwuchs, wohnte bis vor wenigen Jahren in Lohhof bei Unterschleißheim, bevor er mit seiner Familie nach Freising zog. In nur wenigen Tagen sei ein Gedenkprogramm organisiert worden, erzählt Schmid, der auch die Spendenaktion des Vereins koordiniert. "Die Hilfe von innen und außen war phänomenal. Da sieht man, wie beliebt Moritz bei den Leuten war." Über Nacht wurden Banner vorbereitet, eine Künstlerin malte das Portrait des Verstorbenen. Allein an diesem Spieltag seien 4000 Euro zusammengekommen - doppelt so viel wie an einem normalen Spieltag. "Dafür sind wir sehr dankbar", sagt der SCI-Abteilungsleiter.

Der Investor des TSV 1860, Hasan Ismaik, hatte über Twitter versprochen, die erste Mannschaft der Löwen zu einem Benefizspiel zu W.s Heimatverein nach Haimhausen zu schicken. Wann dieses stattfinden soll, ist allerdings noch nicht bekannt. Dafür steht aber schon ein anderer Termin: Am Dienstag, 13. September um 19.30 Uhr spielen der FC Pipinsried und der SC Inhauser Moos im Stadion des SV Lohhof für Moritz W. und seine Familie.

Ein Spendenkonto ist eingerichtet unter dem Titel "Alle für Moritz", Michael Miesbauer, IBAN: DE68 7005 1995 0020 6694 20, Verwendungszweck: "Alle für Moritz Familie". Einzelheiten über die Initiative findet man auf Instagram unter @alle_fuer_moritz sowie Facebook unter "Alle für Moritz". Fragen werden unter der E-Mail allefuermoritz@gmail.com beantwortet. Gespendet werden kann auch an SC Inhauser Moos, Moritz Walter, Hinterbliebenenhilfe, Spendenkonto Sparkasse Haimhausen, IBAN: DE 667005 1540 0281 0513 91.

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