Gesundheit:Keine Angst vor einer Grippewelle

Grippe in Bayern

Im Herbst startet traditionell die Zeit der Grippe-Infektionen.

(Foto: dpa)

Grundsätzlich raten Dachauer Experten dennoch zu einer Grippeimpfung und sind froh, dass sich immer mehr Menschen für eine Spritze entscheiden

Von Eva Waltl, Dachau

Mit den einziehenden, herbstlichen Temperaturen beginnt auch das Schniefen und Husten allerorten im Landkreis und damit können sich die Grippeviren auch wegen der Lockerungen der Coronamaßnahmen wieder nahezu ungehindert verbreiten. Während im vergangenen Jahr eine Grippewelle "fast gänzlich ausgeblieben" ist, wie das Dachauer Gesundheitsamt mitteilt, sprechen sich Apotheken, Gesundheitsamt und die Genossenschaft Gesundheitsregion Plus auch in diesem Jahr ausdrücklich für eine Grippeimpfung als Prävention für den anstehenden Kälteeinbruch aus, gilt der Herbst doch als Beginn der Grippen-Hauptsaison.

Eine Grippeimpfung sei, betont Annette Eichhorn-Wiegand, Geschäftsführerin der Gesundheitsregion Plus Dachau, "ein wichtiges Instrument, das in Deutschland aber leider noch immer viel zu wenig genutzt" werde. Und das, obwohl vor allem vulnerable Gruppen und Menschen ab 60 eine Impfung empfehlenswert sei: "Menschen, die aufgrund von Vorerkrankungen eine geschwächte Immunabwehr haben, sollten sich unbedingt impfen lassen", so Eichhorn-Wiegand. Aber auch gesunden und jungen Menschen würden von einer Impfung profitieren, denn besonders gefährlich seien, so die Geschäftsführerin, Folgeschäden, wie Herzkreislauferkrankungen, die einer Grippeerkrankungen folgen könnten. Maximilian Lernbecher, Apothekensprecher des Landkreises und Inhaber der Oberen Apotheke in Dachau, empfiehlt die Impfung ab einem halben Jahr. Sie sei "gut verträglich und absolut sinnvoll, denn eine echte Grippe kann unter Umständen einen schweren Krankheitsverlauf mit sich bringen." Eichhorn-Wiegand sieht die Wichtigkeit einer Grippeimpfung auch darin, bei steigenden Covid-19-Infektionen einer Überlastung des Gesundheitssystems vorzubeugen.

Die Pandemie war bereits im vergangenen Jahr ein wirksames Mittel, um eine Grippewelle sowohl im Landkreis als auch deutschlandweit zu verhindern: Wegen der Coronaschutzmaßnahmen, höherer Hygienestandards, Maskenpflicht, Abstandsregeln und mehrfacher Lockdowns konnten die Menschen weniger Viren übertragen. Ein "toller Erfolg", findet Lernbecher. Er stellte mit Beginn der Pandemie fest, dass sich Grippeimpfverhalten der Menschen verändert hätte. "Wir haben während der vergangenen Saison etwa ein Drittel mehr verimpft als in den Jahren zuvor", erklärt er. Das seien im Landkreis Dachau immerhin 60 000 bis 65 000 Impfdosen gewesen. Im ersten Moment überrascht daher, dass das Gesundheitsamt für das Jahr 2020 mit 617 Nachweisen im Landkreis- Grippeinfektionen sind für Ärztinnen und Ärzte meldepflichtig - mehr Grippefälle als 2019 erfasste. Sina Török, Sprecherin des Landratsamts Dachau, betont jedoch, dass diese Zahl nicht repräsentativ sei. Sie sei deswegen höher, weil während der Pandemie mehr Menschen den Arzt aufgesucht hätten, um etwaige Symptome abzuklären und somit viele Grippefälle, die in den Jahren zuvor nicht erkannt worden seien, erfasst werden konnten.

Die diesjährige Grippesaison steht nun in den Startlöchern und damit seien die Herbstmonate, erklärt Lernbecher, auch der optimale Zeitpunkt für eine Impfung, um für die gesamte Saison geschützt zu sein. Bereits jetzt bemerkt er eine extreme Nachfrage an Grippeimpfungen: "Alleine heute haben wir 300 Dosen verteilt", so der Apothekensprecher am vergangenen Dienstag. Der Apotheker rechnet damit, dass ähnlich wie im Vorjahr 40 bis 45 Prozent der beimpfbaren Bevölkerung auch in dieser Saison das Impfangebot annehmen wird. Der Apotheker ist darauf gut vorbereitet und versichert, dass es einen Engpass an Impfstoff nicht geben werde. Laut der Ständigen Impfkommission (Stiko) ist auch eine simultane Impfung gegen Corona und gegen Grippe möglich. Beide Impfungen sind kostenlos.

Lernbecher ist daher zuversichtlich, dass eine Grippewelle auch in diesem Jahr ausbleiben wird - trotz Lockerungen der Schutzmaßnahmen. Allerdings warnt der Apotheke vor einer Infektions- und Erkältungswelle im Landkreis, die heftiger als in den Jahren vor der Pandemie ausfallen könnte. So bemerkte er bereits zum Beginn des Schulstarts bei ungewöhnlich vielen Kindern Infektionen mit RS-Viren, "heftige Lungenviren, die starke Bronchitis oder Lungenentzündung hervorrufen können". Die Menschen seien generell deutlich empfindlicher und würden mehr Zeit benötigen, um landläufige, harmlose Infekte auszukurieren, so Lernbecher. Dies sei aber, ergänzt er, nicht verwunderlich, seien "die Immunsysteme der Menschen alle für lange Zeit unter der Käseglocke" gewesen. Harmlose Infekte, bestätigt der Apotheker, seien aber nicht gefährlich und würden sogar helfen, "das Immunsystem wieder ein bisschen zu trainieren."

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